Was viele Versicherte nicht wissen: Auch die Versicherungswirtschaft verfügt über eine riesige Zentraldatei für Kundendaten. Ähnlich wie bei der Schufa des Kreditgewerbes gibt das Hinweis- und Informationssystem der Versicherer Auskunft über das Schadensrisiko von Kunden. Dieser Datenspeicher, besser unter dem Namen Uniwagnis bekannt, wird vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin geführt. Etwa 1,8 Millionen Einträge veranlassen die Versicherer pro Jahr über ihre Kunden. Die erfahren davon nichts. Wer mit einem negativen Eintrag gespeichert ist, bekommt unter Umständen gar keinen Versicherungsschutz oder erhält ihn nur zu deutlich schlechteren Bedingungen.

Versicherer tauschen Daten aus

Daten einmelden und abrufen können von den 443 Versicherungsgesellschaften, die Mitglied ihres Verbandes GDV sind, 227 Unternehmen. Name, Adresse oder Geburtsdatum der Person wird beim Registrieren in dem Hinweis- und Informationssystem (HIS) in eine Zahlenreihe kodiert. Außerdem enthält der Datensatz den Grund des Vermerks und den einmeldenden Versicherer. Beantragt der Kunde einen neuen Vertrag, kann der Sachbearbeiter elektronisch prüfen, ob ein Negativ-Hinweis vorliegt. Die Daten erhält er dekodiert auf seinem Bildschirm. Landet der Sachbearbeiter einen Treffer, muss er nur noch den Vorversicherer anrufen und erfährt so die Geschichte des „Risikofalls“.

So kommt der Versicherte auf die Liste

Eingetragen in die Zentraldatei wird zum Beispiel, wessen Auto samt Papieren gestohlen wurde oder bei wem der Kfz-Versicherer einen fingierten Schaden vermutet. Mit einem Vermerk muss auch rechnen, wer zweimal kurz hintereinander seine Rechtsschutzpolice in Anspruch nimmt. Und Verbraucher, die ihrer Hausratversicherung in kurzer Zeit mehrere Einbrüche melden, werden ebenso auf die Liste gesetzt. Folge: Verbraucher mit solch einem negativen Hinweis bekommen von Versicherern entweder nur einen erheblich teureren oder gar keinen Vertrag mehr.

Falsche Daten stellen Kunden ins Aus

Wer eine Berufsunfähigkeits- oder eine Lebensversicherung beantragt und bisher keinen solchen Schutz hatte, kann ebenso auf die schwarze Liste kommen. Nämlich dann, wenn ihm der Versicherer den Schutz nur mit einem Risikozuschlag verkauft, zum Beispiel weil er an Asthma leidet. Gibt die Gesellschaft dem Kunden wegen gesundheitlicher Handicaps keinen Berufsunfähigkeitsschutz, hat er einen HIS-Eintrag sicher. Das ist etwa der Fall, wenn der Antragsteller eine psychische Erkrankung hatte. Häufig liegen dem HIS-Eintrag aber falsche oder veraltete Daten zu Grunde. Dafür hat Finanztest etliche Beispielfälle veröffentlicht.

Kfz-Versicherte mit den meisten Hinweisen

Der HIS-Datenspeicher ist in sieben Untergruppen gegliedert. Die meisten Einträge haben Autofahrer. Etwa eine Million Hinweise gehen Jahr für Jahr in die HIS-Sparte Kfz ein. Im zweitgrößten Unterspeicher erfasst der GDV Einträge von Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen sowie Pflegerente. Hier gehen jährlich etwa 750 000 Einträge ein. Die Sachbearbeiter der Assekuranz verwenden HIS-Einträge besonders zum Prüfen von Anträgen für Lebens-, Berufsunfähigkeits- und Rechtsschutzversicherung sowie Pflegerente. Nach fünf Jahren wird jeder Eintrag automatisch gelöscht. Angaben zu privaten Krankenversicherungen werden in keiner Hinweisdatei erfasst.

Auskunft nur bei Nachfrage

Versicherte und Antragsteller erfahren nicht, ob und aus welchem Grund sie in der Zentraldatei vermerkt werden. Mit der Unterschrift des Kunden unter die Einwilligung zur Datenweitergabe im Antrag, nehmen sich die Versicherer das Recht zu dieser Datenkontrolle heraus. Kunden können nur erfahren, welche Daten von ihnen gespeichert sind, wenn sie ihren Versicherer dazu schriftlich auffordern. Die Unternehmen sind laut Datenschutzgesetz zur Auskunft und zum Berichtigen falscher Daten verpflichtet. Jeder Kunde hat das Recht, seine Daten löschen zu lassen (Bundesdatenschutzgesetz § 35).

Tipps: So erhalten Sie Auskunft

Dieser Artikel ist hilfreich. 389 Nutzer finden das hilfreich.