Scoring: Der Kunde wird statistisch bewertet

Versicherer ­berechnen ähnlich wie Banken, Telefonanbieter und Versandhäuser die Wahrscheinlichkeit, ob ein Kunde zahlen wird.

Stehen im Wohngebiet des Kunden vor allem Eigenheime, gutbürgerliche Häuser oder Plattenbauten? Wie viele Oberklassewagen sind dort registriert? Wie alt ist der Haushaltsvorstand?

Die Antworten auf diese Fragen und viele weitere Daten fließen in den Versicherungsscore von Informa ein, einem Spezialdienstleister aus Pforzheim, der Datensammler und Auskunftei in einem ist.

Das englische „Scoring“ heißt auf deutsch zählen, rechnen: Im ersten Schritt werden durch statistische Analysen eines geheim gehaltenen Korbs von Daten verschiedene Personengruppen nach ihrem Verhalten in der Vergangenheit zusammengestellt. Im zweiten Schritt wird der Versicherte auf Basis seiner Daten einer Gruppe zugeordnet.

Das bisherige Verhalten dieser Gruppe, die ähnliche Merkmale wie der Kunde hat, dient als Grundlage für eine statistische Prognose über die einzelne Person. Wird sie ihren Beitrag zahlen? Wird sie dem Versicherer wenig Ärger machen und selten Schäden melden?

Jeder Scoreanbieter rechnet und gewichtet etwas anders. In den Score für Versicherer fließen andere Merkmale ein als in den für Kreditinstitute oder den für Mobilfunkunternehmen.

Viele geben in ihren Berechnungen jeder Person zunächst eine feste Punktzahl. Abzüge davon bekommt zum Beispiel ein Mensch, der in einer Gegend mit vielen Arbeitslosen lebt, der noch in Ausbildung ist oder nur einen Handyvertrag hat, aber keinen Festnetzanschluss.

Pluspunkte erhält, wer in einer Gegend mit überdurchschnittlich vielen Besitzern von Luxusautos wohnt, wer Beamter ist oder mindestens 45 Jahre alt wird.

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