Kundendaten

Interview: Geheime Diskriminierung

18.07.2006

Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein, hat für das Bundesminis­terium für Verbraucherschutz die Beurteilung von Kunden durch Scoring untersucht.

Inhalt

Finanztest: Sie kritisieren, dass Banken Kunden durch ihre Auswahl und Beurteilung von Daten beim Scoring diskriminieren. Wie sieht es bei Versicherern aus?

Weichert: Scoring in der Versicherungsbranche ist ein schwarzes Loch. Bisher hat der Assekuranz niemand dabei auf die Finger geschaut, wie sie aus der automatisierten Datenanalyse Prognosen über Kunden erstellt. Gescort wird hier ohne Einwilligung des Versicherten, also hinter seinem Rücken.

Finanztest: Welche datenschutzrechtlichen Standards müssen Versicherer einhalten?

Weichert: Die Kriterien, nach denen der Score berechnet wird, müssen plausibel prognostizieren, ob ein Versicherter sich risikoreich oder vertragswidrig verhält. Zweifelhaft ist, ob Adresse, Wohndauer und Fahrzeugart dafür infrage kommen. Wenn diese Daten in den Score einfließen oder Geschlecht, Kinderzahl, besteht die Gefahr diskriminierender Entscheidungen. Versicherer oder von ihnen beauftragte Auskunfteien sind verpflichtet, das Scoringverfahren genau zu dokumentieren.

Finanztest: Wie werden diese Standards durchgesetzt und kontrolliert, wenn ­keiner weiß, wie bei Versicherern das Scoring läuft?

Weichert: In Deutschland haben wir ein gutes Datenschutzgesetz. Es besteht aber ein sehr großes Defizit im Umsetzen des Rechts. Die beste Kontrolle ist, wenn der Versicherte bei seiner Gesellschaft eine verständliche Auskunft über die Merkmale und die Bewertungsmaßstäbe seines Scores verlangt. Die muss jeder Versicherer unentgeltlich liefern.

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