Kundenberatung der Deutschen Bahn Test

Das neue Preissystem der Bahn macht das Reisen billig wie nie, sagt die Bahn. Die Stiftung Warentest hats ausprobiert. 120mal fragten die Tester nach Verbindungen der Bahn: am Schalter und an der Hotline. Ergebnis: Jede zweite Empfehlung war erst mal zu teuer. Voll auf den teuren ICE fixiert. test.de sagt, wie Sie sparen.

Konkurrenz durch Billigflieger

Autos und Billigflieger machen der Bahn zu schaffen. Im Januar und Februar lagen die Umsätze um sieben Prozent unter Plan. Jetzt will die Deutsche Bahn nachbessern: Mit Sonderangeboten und zeitlich begrenzten Aktionspreisen. Sie sollen das neue Preissystem ergänzen. Das könnte die Suche nach der günstigsten Verbindung aber noch komplizierter machen. Das neue Preissystem hat Tücken – sagt die Stiftung Warentest. Selbst freundliche und engagierte Bahnmitarbeiter sind oft nicht in der Lage, die günstigsten Angebote aus ihrem Computer zu fischen. Zumindest nicht auf Anhieb.

Einfache Fahrt, doppelter Preis

Beispiel I: Einfache Fahrt von Kassel nach Köln. 12 von 18 Ticketverkäufern der Bahn rieten den Testkunden erst mal zum ICE. Über Frankfurt am Main oder Hannover. Preis: bis zu 74,60 Euro. Fahrtzeit: drei bis vier Stunden. „Gehts auch billiger?“, wollten die Testkunden wissen. Es geht. Für weniger als die Häfte: 33,40 Euro kostet der Regionalzug über Gießen und Dillenburg. Fahrzeit allerdings knapp fünf Stunden. Acht freundliche Bahnmitarbeiter kamen auf diese Lösung. Auf Nachfrage. Sechs hatten sie sogar sofort parat. Vier fielen durch: Sie setzen die Kunden in den teuren ICE. Trotz der Bitte um ein günstiges Ticket. Ideal ist übrigens die Verbindung über Hagen und Paderborn: eine Kombination von Regionalexpress und ICE. Preis: 39 Euro, Fahrzeit: 3:48.

Preiswertes Erlebnis

Natürlich macht es Sinn ICE zu fahren: Wenn es schnell gehen muss. Die Bahn hat aber mehr zu bieten. Und darüber sollte sie informieren. Für viele Kunden zählt schließlich der Preis. Oder das Erlebnis. Beispiel II: Die Strecke von Freiburg nach Ulm. Der ICE über Mannheim kostet 48,20 Euro. Fahrzeit: 3:17. Der Regionalzug über Neustadt braucht auch nur vier Stunden. Pluspunkt: Die Strecke durch den Schwarzwald ist wunderschön. Fahrpreis mit Baden-Württemberg-Ticket: 21 Euro für bis zu fünf Personen. Nur 3 von 18 Fahrkartenverkäufern empfahlen dieses tolle Angebot. Fünf weitere kannten immerhin die schöne Strecke – zum Normalpreis von 30,20 Euro.

Sortierfunktion fehlt

Gehts um Auslandsreisen, wird das Chaos perfekt: Komplizierte Tarifbestimmungen, unterschiedliche Altersgrenzen für mitreisende Kinder und die Suche nach der günstigsten Verbindung: Der Verkauf der Fahrkarten ist wesentlich komplizierter als früher. Viele Bahnmitarbeiter stöhnen über die Prozedur. Nur jeder zweite Verkäufer fischte schließlich günstige Familientarife nach Österreich aus dem Rechner. An den Mitarbeitern liegts kaum. Die Anzeige ist unübersichtlich, die Monitore sind klein. Es gibt keine Markierung für die schnellste oder billigste Verbindung. Eine Sortierfunktion fehlt. Fazit: Wenig Unterstützung für die Mitarbeiter der Bahn.

Besser am Schalter

Die Fahrkartenverkäufer am Bahnhofsschalter wussten im Allgemeinen etwas besser Bescheid als ihre Kollegen an der Telefonhotline. Zumindest auf Nachfrage fanden die Schaltermitarbeiter meist doch noch ein günstiges Angebot. Nachteil: In Spitzenzeiten sind die Schlangen am Schalter oft lang. Kein Problem am Telefon: Die Hotline der Bahn ist gut zu erreichen. Die Tickets können bequem bestellt werden. Ausdruck – mit Kundennummer – direkt am Bahnhofsautomaten. Nachteil der Telefonhotline: Sie ist teuer. Der Anruf kostet 62 Cent pro Minute. Billiger ist die Recherche im Internet. Unter www.bahn.de gibt es Fahrpläne, Sonderangebote und Tickets. Nutzen Sie dabei die folgenden Tipps.

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