Kürbiskernöl Test

Das nussige Kürbiskernöl ist eine typisch österrei­chische Spezialität. Doch viele Hersteller halten nicht, was sie auf ihren Flaschen versprechen: Häufig werden nicht Kürbiskerne aus der Steiermark, sondern aus dem Ausland verarbeitet. Den Etiketten­schwindel legte jetzt eine Unter­suchung der österrei­chischen Verbraucher­zeit­schrift Konsument offen.

EU-weit geschützte Spezialität

Kürbiskernöl Test

Kürbiskernöl aus gerösteten Kernen schmeckt besonders aromatisch und nussig. In der Küche dient es zum Beispiel zum Verfeinern von Kürbis­suppe und Salaten sowie zum Marinieren von Fleisch. Immer häufiger auch hier­zulande zu finden: Vanille­eis, das mit Kürbiskernöl garniert wird. Das Original wird aus den Kernen des Ölkürbis aus der Steiermark gewonnen. Die Kerne dieser Kürbissorte haben keine harte Schale. Nur das Original-Öl darf das EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“ beantragen Regional geschützte Lebensmittel. Das Siegel besagt: Mindestens eine Produktions­stufe muss im Herkunfts­gebiet ablaufen. Daneben gibt es viele Kürbiskernöle, die kein Siegel tragen.

Nur 11 von 30 Ölen aus Österreich

Die Verbraucher­zeit­schrift Konsument hat heraus­gefunden: Die Etiketten der meisten Öle betonen zwar ihre österrei­chische Herkunft oder werben mit Begriffen wie „rein“ oder „pur“. Tatsäch­lich verarbeiten aber viele Hersteller Kürbiskerne aus dem Ausland – den Analysen zufolge aus China oder Russ­land. Gerade einmal 11 der 30 untersuchten Öle sind authentisch, sprich: sie wurden nach­weislich aus österrei­chischen Kernen gepresst. Sechs der elf Öle tragen das EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“. Außerdem gefielen viele dieser elf Öle den österrei­chischen Testern geschmack­lich gut, am besten schmeckte das Öl Steirer­kraft.

Seltene Erden geben Aufschluss

Möglich wurde die Über­prüfung der Herkunfts­angabe der Öle mithilfe eines neuen Prüf­verfahrens der Montan­universität Leoben. Der Ansatz der Wissenschaftler: Sie analysierten Kürbiskerne aus verschiedenen Regionen. Je nach geografischem Gebiet weisen die Kerne ein spezi­fisches Muster an seltenen Erden auf. Dieses Muster lässt sich auch im Öl wieder­finden – und darüber lässt sich die Herkunft der verarbeiteten Kerne bestimmen. Derzeit kann die Uni zwischen Österreich, China und Russ­land unterscheiden, auch Mischungen daraus werden erkannt.

Pestizide helfen bei der Analyse

Um auf Nummer sicher zu gehen, haben die Tester die Öle zudem auf typische Pestizid­rückstände untersucht. Denn je nach Anbau­region der Kürbisse kommen verschiedene Wirk­stoffe zum Einsatz. So haben sie Hexa­chlor­benzol in größeren Mengen bei österrei­chischen Ölen gefunden als bei chinesischer Rohware. Im Allgemeinen war die Pestizidbelastung der Öle aus ausländischen oder rein chinesischen Kernen aber fast immer deutlich höher als bei der österrei­chischen Konkurrenz.

Echte und falsche Öle

Die Analyse der seltenen Erden und der Pestizide dienten den Testern schließ­lich als Herkunfts­nach­weis: Bei 17 der 30 Kürbiskernöle stammen die Kerne demnach nicht oder nicht zur Gänze aus Österreich. So kommen zum Beispiel die Kürbiskerne der Öle Bio Gourmet, Bio Primo – beide erhältlich bei Müller – und von Penny/Delikatessa wahr­scheinlich aus China. Bei vielen Ölen ließ sich die genaue ausländische Herkunft allerdings nicht bestimmen, weil entsprechende Vergleichs­daten fehlten oder es sich um spezielle Mischungen handelte, etwa bei bei Bio Planète, byodo und Rapunzel.

Im PDF zum Download: Herkunfts­analysen zu insgesamt 30 Kürbiskern­ölen.

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