Die Künstlersozialkasse übernimmt für selbstständige Künstler und Publizisten die Hälfte der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsbeiträge.

Andreas Berg ist Gitarrenlehrer, Saxophonist und Leader einer Bigband. Zwei Jahre und einen Anwalt kostete es den 35-Jährigen, bis er endlich von der Künstlersozialkasse (KSK) aufgenommen wurde.

Als selbstständiger Gitarrenlehrer mit nur einem regelmäßigen Auftraggeber – der Musikschule im westfälischen Bad Sassendorf – habe er ein angestelltenähnliches Arbeitsverhältnis. Er sei nicht wirklich selbstständig und somit nicht versicherungspflichtig nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz, hatte die Sozialkasse ihre Ablehnung begründet.

Der Musiker ärgert sich. Mehrere tausend Euro im Jahre hätte er als Mitglied der Künstlersozialkasse sparen können. Denn diese zahlt für selbstständige Künstler und Publizisten die Hälfte der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsbeiträge.

Berg erklärt: „Plötzlich fingen die Musikschulen an, nur noch Honorarkräfte zu beschäftigen. Wollte man dort einen Job, musste man sich darauf einlassen. Und dann erzählt dir die Künstlersozialkasse, sie nimmt dich nicht, weil du angeblich abhängig beschäftigt bist. Da stimmt doch was nicht.“

Er wollte endgültig klären, ob er nun abhängig beschäftigt ist – aber dann bitteschön mit festem Vertrag und allen dazu gehörenden Rechten – oder ob er selbstständiger Künstler ist, der in die KSK gehört. Er nahm sich einen Anwalt. Über zwei Jahre zog es sich bis zum Prozesstermin.

Einen Tag vorher bekam er Post: Die Aufnahmebestätigung der Künstlersozialkasse. Sogar die zwei Jahre rückwirkend bezahlte sie ihm die Versicherungsbeiträge.

Handwerker zählen nicht

„Nur einen Auftraggeber zu haben heißt nicht zwangsläufig, dass man abhängig beschäftigt ist“, erläutert Harro Bruns, Leiter der Künstlersozialkasse. „Aber wir gucken uns solche Fälle genau an.“

Was dem Gitarristen nach zwei Jahren doch noch gelang, schaffen viele nicht. Etwa 25 Prozent der Künstler, die sich über die Künstlersozialkasse versichern wollen, scheitern. „Bei den meisten liegt einfach keine künstlerische Tätigkeit im Sinne des Künstlersozialversicherungsgesetzes vor“, sagt Bruns.

Vor allem beim Kunsthandwerk gibt es Abgrenzungsschwierigkeiten. „Ein Goldschmied etwa ist grundsätzlich erst einmal ein Handwerker und gehört nicht in die Künstlersozialkasse. Nimmt er aber mit anderen bildenden Künstlern an Ausstellungen teil oder ist er in einem Künstlerverband organisiert, kurz, ist er in fachkundigen Kreisen als Künstler anerkannt, sieht das anders aus“, erklärt Bruns.

Restauratoren oder Computergrafiker sind weitere Berufe, bei denen die Abgrenzung schwer fällt.

Mehr als 3 900 Euro im Jahr

Neben Selbstständigkeit und klarer künstlerischer oder publizistischer Arbeit hat der Künstler weitere Bedingungen zu erfüllen. Die Tätigkeit muss von vornherein auf Dauer angelegt sein und das Arbeitseinkommen muss über 3 900 Euro im Jahr liegen.

Weniger verdienen dürfen nur Berufsanfänger. Die Künstlersozialkasse versteht darunter alle, die sich zum ersten Mal selbstständig machen. Ihr Einkommen darf drei Jahre lang unter der Geringfügigkeitsgrenze liegen. Künstler, die ihre Tätigkeit vor dem 1. Juli 2001 aufgenommen haben, gelten sogar fünf Jahre lang als Berufsanfänger.

Künstler oder Publizisten, die mehr als einen Arbeitnehmer beschäftigen, hält der Gesetzgeber nicht für schutzbedürftig. Zu alt sollte man auch nicht sein. Wer über 55 Jahre ist und in den letzten fünf Jahren zu keiner Zeit gesetzlich krankenversichert war, kann sich nicht über die KSK krankenversichern.

Nicht die Künstlersozialkasse selbst versichert ihre Mitglieder. Sie steuert nur die Hälfte der Beiträge hinzu. Die Künstler sind bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) rentenversichert und bei einer selbst gewählten gesetzlichen Krankenkasse oder bei privaten Versicherungen kranken- und pflegeversichert.

Krankenkasse oder privat

Privat versichern dürfen sich nur die, deren Einkommen drei Jahre lang über der Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung liegt. 126 434,15 Euro muss der Künstler insgesamt in den letzten drei Jahren verdient haben. Wer aber einmal privat versichert ist, darf nicht mehr in die gesetzliche Krankenkasse zurück, selbst wenn er danach weit weniger verdient. Ein solcher Schritt ist also gut zu überlegen.

Antragsteller, die privat versichert sind, bevor sie in die KSK eintreten – entweder, weil sie selbstständig, aber nicht Künstler waren, oder aber weil sie gut verdienende, angestellte Künstler waren – können in der Regel ohne Probleme zurück in die gesetzliche Krankenkasse wechseln. Meist geht das selbst dann, wenn ihr Einkommen gleich zu Beginn über der Beitragsbemessungsgrenze liegt. Die Kündigungsfristen des privaten Versicherungsvertrags gelten in diesem Fall nicht.

Sie können auch weiter privat versichert bleiben. Gelten sie als Berufsanfänger, dürfen sie das auch dann, wenn ihr Einkommen zunächst unter die Beitragsbemessungsgrenze fällt.

Beitrag beruht auf Schätzungen

Wie viel die Künstlersozialkasse für einen Künstler zahlt, hängt von dessen Einkommensschätzungen ab.

Geht der Künstler zum Beispiel davon aus, dass er im Jahr 2004 10 000 Euro verdienen wird, zahlt er selbst darauf den halben Rentenversicherungssatz von 9,75 Prozent, also 975 Euro im Jahr. Der halbe Pflegeversicherungssatz liegt bei 0,85 Prozent und kostet ihn 85 Euro. Die Krankenkassenbeiträge variieren von Kasse zu Kasse. Bei einem Satz von 15 Prozent, zahlt der Versicherte 7,5 Prozent, also 750 Euro im Jahr.

Monatlich müsste er Sozialabgaben in Höhe von 150,83 Euro zahlen. Noch einmal so viel zahlt die Künstlersozialkasse für ihn.

Stellt ein Mitglied im Laufe des Jahres fest, dass es sich verschätzt hat, kann es seine Angaben korrigieren. Ab diesem Zeitpunkt wird die neue Schätzung der Beitragsberechnung zugrunde gelegt. Rückwirkend werden die Beiträge allerdings weder aufgestockt noch verringert. Das kann nur passieren, wenn die Kasse einem Mitglied vorsätzliche Falschangaben nachweist.

Manche schätzen ihr Einkommen lieber niedrig. Doch das hat Folgen für ihre Rente und andere Leistungen. Die 32-jährige Pianistin Karen Althans* aus Münster war überrascht. Als sie wegen Krankheit ein halbes Jahr nicht arbeiten konnte, musste sie sich stark verschulden. Sie hatte ihr Einkommen viel zu niedrig angegeben. Die knapp 600 Euro Krankengeld im Monat, die sich an ihrem Einkommen orientierten, reichten hinten und vorne nicht.

*Name von der Redaktion geändert

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