Kündigung bei Fitnessstudios Leichter raus aus dem Vertrag

23.05.2012
Kündigung bei Fitnessstudios - Leichter raus aus dem Vertrag

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden, dass Sportler jederzeit aus wichtigem Grund ihren Fitnessstudio-Vertrag kündigen können. Die Betreiber dürfen die Kündigung nicht an zusätzliche enge Voraussetzungen knüpfen: Unzulässig sind die Frage nach der Art der Erkrankung und die Pflicht zur unverzüglichen Kündigung innerhalb kürzester Frist.

Wer wichtige Gründe hat, darf jederzeit kündigen

Der BGH hat klargestellt: Wer wichtige Gründe für eine Kündigung hat und diese darlegt, darf vorzeitig aus seinem Fitnessstudio-Vertrag aussteigen. Klauseln, die eine Kündigung an zusätzliche Voraussetzungen knüpfen, sind unwirksam. Das bedeutet: Studiobetreiber dürfen vom Kunden kein Attest verlangen, das genaue Auskunft über die Krankheit gibt. Außerdem ist es nicht erlaubt, dem Kunden vorzuschreiben, dass er innerhalb kürzester Zeit kündigen muss. Im zu entscheidenden Fall hatte der Studiobetreiber gefordert, dass der Kunde spätestens binnen zwei Wochen nach Kenntnis des Kündigungsgrundes den Vertrag kündigen sollte.

Einfaches Attest genügt

Wenn der Kunde krankheitsbedingt kündigt, muss er zwar ein ärztliches Attest vorlegen. Woran er erkrankt ist, muss daraus aber nicht hervorgehen. Denn den Kunden könnte es von einer Kündigung abhalten, wenn er seine Krankheit derart offenlegen muss. Aus der ärztlichen Bescheinigung muss sich lediglich ergeben, dass der Kunde keinen Sport mehr ausüben kann.

Weitere Kündigungsgründe

Eine dauerhafte Erkrankung ist aber nur ein wichtiger Kündigungsgrund: Auch Schwangere können den Fitnessstudio-Vertrag außerordentlich kündigen. Sie müssen sich nicht damit zufrieden geben, dass der Vertrag für die Zeit der Schwangerschaft auf Eis gelegt wird. Wenn das Fitnessstudio seinen Standort wechselt, kann das auch zur Kündigung berechtigen, ebenso wie ein eigener Umzug.

BGH: Lange Vertragslaufzeit in Ordnung

Viele Fitnessstudios versuchen, die Kunden möglichst lange an sich zu binden. Der BGH urteilte jetzt, dass eine vertragliche Erstlaufzeit von 24 Monaten in Ordnung sei. Wenn der Kunde keinen Sonderkündigungsgrund hat, bleibt der Vertrag bestehen und er muss für diese Zeit zahlen.

Tipp: Auch wenn Ihr Vertrag keine Aussagen zur Kündigung trifft, steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu. Müssen Sie schriftlich kündigen, genügen Fax und Email nicht. Am besten versenden Sie die Kündigung per Einschreiben oder bringen sie persönlich ins Studio und lassen sich den Erhalt quittieren.

Bundesgerichtshof: Urteil vom 08.02.2012
Aktenzeichen: XII ZR 42/10

23.05.2012
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