In der Regel können Ergebnisse von DNA-Analysen, die ohne Wissen des Betroffenen gemacht werden, nicht vor Gericht verwendet werden. Das hat das Verwaltungsgericht Mannheim entschieden (Az. PL 15 S 2838/99). Zugrunde lag der Fall eines Personalrats der Sparkasse Ludwigsburg. Die Geschäftsleitung verdächtigte ihn, anonyme Briefe zu verschicken, in denen ein Kollege als Mobbing-Täter angeschwärzt wird. Grundsätzlich können Chefs wegen eines solchen Verhaltens eine Verdachtskündigung aussprechen, ohne den Störer des Betriebsfriedens tatsächlich zu überführen. Das gilt aber nur, wenn starke Verdachtsmomente vorliegen, die das Vertrauen im Arbeitsverhältnis zerstören können, und der Chef alles versucht hat, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Bei diesem Versuch ist der Sparkassen-Vorstand aber zu weit gegangen, als er Gentechnik einsetzte: Speichel an den Umschlägen der anonymen Briefe wurde im Labor mit dem des verdächtigen Mitarbeiters verglichen. Daran waren die misstrauischen Chefs gelangt, indem sie unter anderem ein Weinglas des Verdächtigen untersuchen ließen. Die DNA-Analyse ergab: Speichel von Briefumschlag und Glas waren identisch. Den Befund wollte das Verwaltungsgericht aber nicht als Beweismittel zulassen, der Vorstand habe unzulässig in das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen eingegriffen. Eine solche ­ unfreiwillige ­ Untersuchung komme nur bei schweren Straftaten infrage. Die Kündigung war unwirksam, der Personalrat arbeitet weiterhin in der Sparkasse Ludwigsburg.

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