Arbeitnehmer, die ihrem Ärger über den eigenen Betrieb in einer Rundmail Luft machen, müssen mit der fristlosen Kündigung rechnen. Das gilt auch dann, wenn sie ihre Kritik in Lyrik kleiden.

Das Arbeitsgericht Wiesbaden bestätigte den Rauswurf eines Onlineredakteurs, der zu Weihnachten eine Mail an alle Kollegen verschickt hatte (Az. 3 Ca 33/01). Neben Festtagsgrüßen enthielt die Mail Auszüge des Liedtextes „Das Narrenschiff“ von Reinhard Mey. Darin waren unter anderem die Zeilen:

„... der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken und der Maschinist in dumpfer Lethargie versunken, die Mannschaft lauter meineidige Halunken, der Funker zu feig, um SOS zu funken ...“

Das Gericht sah in der Mail eine Verunglimpfung von Geschäftsführung und Mitarbeitern und hielt eine Kündigung aus wichtigem Grund für zulässig. Das Argument des Geschassten, es habe sich nur um einen vieldeutigen Liedtext gehandelt, ließ es nicht gelten.

Jedem Mitarbeiter des wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmens sei klar gewesen, wer gemeint sei. Mit der Mail habe der Mitarbeiter Geschäftsführung und Belegschaft „undifferenziert zu ­abgestumpften skrupellosen Rechtsbrechern gemacht“.

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