Kühl- und Gefriergeräte Meldung

Die britische Part­ner­organisation der Stiftung Warentest „Which“ warnt vor dem Kauf von 250 von ihr getesteten Kühl- und Gefriergeräten. Grund: Sie fielen in Brandtests durch. Darunter sind auch zehn Geräte*, die die Stiftung Warentest in ihren Test­daten­banken veröffent­licht hat. Wir sagen, welche Geräte betroffen sind und geben Tipps, wie sich Besitzer dieser Geräte verhalten sollten. Inzwischen liegen uns Reaktionen der Anbieter vor.

Defekte Kühl- und Gefriergeräte nur selten Brand­ursache

Der Brand des Londoner Grenfell Towers im Juli 2017 hat Aufmerk­samkeit auf die Sicherheit von Haus­halts­geräten gelenkt. Denn wie die Londoner Metro­politan Police auf ihrem Newsblog veröffent­lichte, löste wohl eine defekte Kühl-Gefrier­kombination der Marke Hotpoint den verheerenden Brand aus. Nach unseren Recherchen sind defekte Kühl- und Gefriergeräte nur selten die Brand­ursache: Etwa einer von drei Wohnungs­bränden wird durch Elektrizität ausgelöst. Nur für einen Teil dieser Brände sind Haus­halts­geräte verantwort­lich. Und auch davon wiederum ist nur ein Teil durch defekte Kühl- oder Gefriergeräte verursacht. In Groß­britannien sind dies lediglich 8 Prozent, wie die britische Verbraucher­schutz- und Test­organisation Which im April 2018 veröffent­lichte (eng­lisch). Für Deutsch­land sind uns entsprechende Statistiken nicht bekannt. Das Risiko, das Kühl- und Gefriergeräte einen Wohnungs­brand auslösen, ist aber vermutlich gering.

Ergebnis von Which: 250 Geräte nicht ausreichend geschützt

Greift ein Brandherd auf Kühlgeräte über, können sie das Feuer jedoch verstärken. Denn ihre Isolierung ist brenn­bar. Deshalb hat Which den Brand­schutz von 80 Kühl- und Gefriergeräten untersucht und daraus eine Bewertung für alle 555 Geräte in ihrer Which-Test-Daten­bank abge­leitet. Im Fokus war dabei die Rück­wand der Geräte, die verhindern kann, dass Feuer auf die brenn­bare Isolierung der Geräte übergeht. Das Ergebnis veröffent­lichte Which im April 2018 auf seiner Website: Während sich metall- und alumini­umbeschichtete Rück­wände im Test durchweg als recht feuer­fest erwiesen, kam es bei Plastik-Rück­wänden zu Problemen. Nach Angabe von Which hat etwa jedes zweite Gerät auf dem britischen Markt eine solche Plastik-Rück­wand. Konsequenz: Insgesamt 250 Geräten aus ihrer Test-Daten­bank spricht Which die Kauf­empfehlung ab. Außerdem fordert die Verbraucher­schutz­organisation Hersteller auf, künftig auf Rück­wände aus Plastik zu verzichten.

Tipp: Which hat eine Liste mit allen Modellen veröffent­licht, vor deren Kauf die Organisation warnt. Viele der darin enthaltenen Geräte sind auf dem deutschen Markt aber nicht erhältlich.

Welche Geräte aus unseren Test-Daten­banken betroffen sind

Die Stiftung Warentest testet Kühl- und Gefriergeräte gemein­sam mit Which und anderen europäischen Verbraucher­organisationen. Unter den „Don‘t Buys“ sind deshalb insgesamt zehn Geräte*, für die auch wir Test­ergeb­nisse in unseren Produktfindern Kühl-Gefrierkombis und Kühlschränke und Gefriergeräte veröffent­licht haben. Betroffen sind Geräte von AEG*, Gorenje, Ikea und Zanussi*:

- Kühl-Gefrier­kombis: AEG SCE81864TC*; Gorenje ONRK193BK; Ikea Kylig, Ikea Frostkall, Ikea Kyls­lagen und Ikea Effekt­full A+*
- Kühl­schränke: Gorenje ORB153C, Gorenje R6193LX; Ikea Svalna
- Gefriergerät: Zanussi ZFG06400WA*

Wir haben diese Geräte in unserer Test­daten­bank mit entsprechenden Hinweisen versehen. Die britische Test­organisation hat bei ihren Feuer-Tests nicht alle Modelle aus unserer Daten­bank geprüft. Die EU hat bereits eine Ergän­zung eines Sicher­heits­stan­dards beschlossen, nachdem in allen Kühl- und Gefriergeräten eine feuerhemmende Rück­wand verbaut sein muss. Diese Regel soll mit einer Über­gangs­frist bis spätestens April 2020 in nationales Recht umge­setzt werden. Einige Anbieter berück­sichtigen diese Anforderung aber schon jetzt freiwil­lig. Bei unseren Tests werden wir die Einhaltung dieser Anforderung in Zukunft über­prüfen.

Reaktionen der Anbieter

Aus unserer Test-Daten­bank sind insgesamt zehn Geräte* betroffen. Auf Anfrage der Stiftung Warentest betonten die Anbieter, dass alle aktuell von ihnen angebotenen Geräte den bestehenden Anforderungen entsprächen. Sie nannten aber auch konkrete Maßnahmen, mit denen sie ihre Kühl- und Gefriergeräte für die künftig höheren Sicher­heits­anforderungen fit machen wollen.

  • Gorenje teilte mit, bereits eine Lösung entwickelt zu haben, die dem neuen Stan­dard entspreche. Das Unternehmen sehe die „Änderung für alle Produktionen für Gesamt­europa ab dem 2. Halb­jahr“ vor.
  • Ikea hat auf unsere Nach­frage angekündigt, die Kunst­stoff­rück­wände der Geräte durch doppelte Alumini­umschichten zu ersetzen. Nach Angabe des Unter­nehmens sollen die Geräte mit veränderter Rück­wand sukzessive ab dem Spätsommer erhältlich sein.

Wie Which getestet hat

Insgesamt hat Which ein „Don‘t Buy“ für 250 Geräte ausgesprochen. Dazu hat die Organisation die Rück­wände von 80 Kühl- und Gefriergeräten dem sogenannten Needle-Flame-Test unterzogen. Bei diesem Test wird eine offene Flamme 30 Sekunden lang auf das Material gehalten – der Test ist bestanden, wenn die Rück­wand nicht Feuer fängt. Bei allen weiteren Geräten hat Which untersucht, ob eine identische Rück­wand verwendet wurde oder hat bei Herstel­lern angefragt, ob die Rück­wände aus denselben Materialien bestehen.

Keine Panik – Tipps beachten

Für Besitzer eines Geräts, vor dem unsere Part­ner­organisation Which warnt, besteht kein Grund zur Panik. Folgende Tipps sollten dennoch in jeder Küche beachtet werden – unabhängig davon, welches Kühlgerät in Ihrem Haushalt steht:

Abstände einhalten. Beim Aufstellen eines Geräts sollten Sie die in der Gebrauchs­anleitung angegebenen Abstände zur Seite und nach hinten einhalten, damit vom Gerät erwärmte Luft entweichen und kühle Luft ungehindert nach­strömen kann.

Nicht abdecken. Ein Tablett ist schnell mal auf den Kühl­schrank geschoben. Doch Lüftungs­gitter und -schlitze müssen frei bleiben, damit die Wärmeabfuhr funk­tioniert. Sonst kann das Gerät über­hitzen und der Strom­verbrauch steigen.

Gefahrenquellen meiden. Kühl­schranke sollten Abstand zu potenziellen Brandherden haben. Stellen Sie Ihr Kühlgerät beispiels­weise nie direkt neben dem Herd auf – auch wegen der Energieeffizienz.

Fest­verlegte Steck­dose nutzen. Schließen Sie Kühl­schränke immer an eine fest­verlegte Steck­dose an, die nicht hinter dem Gerät liegt. Mehr­fach­steck­dosen und Verlängerungs­kabel sind ein möglicher Brandherd – an sie sollten Sie kein Kühl- oder Gefriergerät anschließen.

Wärmetauscher reinigen. Die Geräte führen die Wärme aus dem Inneren meist über die Rück­wand an die Umge­bung ab. Staub und Flusen können dies beein­trächtigen. Reinigen Sie deswegen den Wärmetauscher ab und an trocken, sofern dieser offen liegt.

Diese Meldung ist am 05.04.2018 erschienen und wurde am 11.04.2018 um die Anbieterre­aktionen ergänzt.
*Am 13.04.2018 haben wir unsere Meldung korrigiert und die Liste der betroffenen Geräte aus unserer Test-Daten­bank um je ein Gerät von AEG, Ikea und Zanussi ergänzt. Außerdem haben wir AEG und Zanussi nach­träglich um eine Stellung­nahme gebeten.

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