Küchen­reiniger im Test Test

Testsieger Cillit Bang und andere Spezial­sprays rücken hartnä­ckigem Fett und Einge­branntem kraft­voll zu Leibe. Die Schwächlinge dagegen richten weniger aus als Scheuermilch und Universalreiniger.

Ausgerechnet Mr Muscle. Ein Küchen­reiniger mit so klangvollem Namen lässt auf tatkräftige Hilfe beim Hausputz hoffen. Doch der Muskel­protz aus dem Hause SC Johnson bringt es nicht – seine Reinigungs­kraft geht gegen Null. Als Einziger kassiert er im Test ein Mangelhaft. Aber vielleicht haben wir das Marketing auch einfach falsch verstanden und Mr Muscle will gar nicht beim Saubermachen helfen, sondern vor allem für kräftige Ober­arme sorgen. Wie auch immer: Für jene, die ihr Muskeltraining lieber ohne Putzlappen absol­vieren, bietet der Markt zum Glück noch andere Mittel.

Gründlich und schonend

Die geprüften Spezial­reiniger für die Küche versprechen, wirk­sam gegen Schmutz und Fett rund um Herd und Spüle vorzugehen. 11 der 17 Sprays schaffen das tatsäch­lich gut – und sind so schonend zu Oberflächen und zur Umwelt, dass sie am Ende ein gutes test-Qualitäts­urteil erzielen. Champion ist Cillit Bang, eines der teuersten Produkte im Test. Das Spray mit 750 Milliliter Inhalt kostet 3,10 Euro. Doch auch das güns­tigste Spray, Putzmeister von Aldi (Nord) mit gleicher Menge für 1,19 Euro, ist ganz vorn dabei.

Alternativ zu solchen speziellen Fett­reiniger­sprays bietet der Handel die Klassiker Scheuermilch und Universalreiniger. Können sie den Spezialisten das Putz­wasser reichen? Um das zu beant­worten, haben wir je zwei dieser Produkte exemplarisch mitgetestet. „Schlecht sind sie nicht, aber auch nicht so gut wie die besten Spezial­mittel“, fasst der Projektleiter des Tests, Konrad Giers­dorf, das Ergebnis zusammen. Dafür muss bei ihnen niemand Triefnase oder rote Augen fürchten. Die Spezial­sprays hingegen können die Schleimhäute reizen.

Küchen­reiniger im Test Test

Im Prüf­labor. Gleiche Bedingungen für alle Reiniger. So treten sie am Wischgerät gegen­einander an.

Um ein möglichst objektives Bild von der Reinigungs­kraft der Putz­mittel zu bekommen, haben wir sie auf einem Prüf­stand gegen­einander antreten lassen. Kleine Schwämm­chen fahren mit einer genau bemessenen Menge Reinigungs­mittel auf einer Edelstahl­platte hin und her, die mit typischem Küchen­schmutz beschichtet ist. Zuerst mussten sich die Reiniger gegen ein Fett­gemisch aus Speise­ölen und Rußpartikeln durch­setzen, das zuvor im Trocken­schrank gealtert wurde. Im zweiten Test mussten sie Bratensoße entfernen, die wir bei 200 Grad Celsius auf der Stahl­platte einge­brannt hatten.

Küchen­reiniger im Test Test

Im Vergleich. Welcher Reiniger gut wirkt, wird am Wischtisch schnell sicht­bar.

100 Mal ist nichts passiert

Die Unterschiede sind zum Teil enorm. Während Testsieger Cillit Bang die fett­verschmutzte Stahl­platte nach 18 Mal hin und her zum Glänzen bringt, haben wir den Versuch mit Mr Muscle nach 100 Wischgängen abge­brochen. Es wurde einfach nicht sauber. Auch bei der einge­brannten Bratensoße liegen Welten zwischen den Extremen: Bei Cillit Bang ist der hartnä­ckige Schmutz nach 25 Wischgängen zu 80 Prozent verschwunden. Der Muskelmann entfernt in gleicher Zeit gerade mal 5 Prozent.

Und wie schlagen sich die Alternativen? Die Scheuermilch von Viss und die von Frosch putzen das gealterte Fett gut weg, schwächeln aber etwas bei der einge­brannten Soße. Bei den Universalreinigern – Der General und Meister Proper – ist es genau anders­herum: Sie sind kraft­voll gegen Einge­branntes und schwächer beim Fett. Mit den wirk­samsten Spezial­mitteln ist man also insgesamt besser gegen den vielfältigen Schmutz in der Küche gewappnet.

Dass sie meist leichter mit dem Dreck fertig werden, liegt an ihren Wirk­stoffen. „Neben Tensiden zum Fett­lösen, die alle geprüften Mittel enthalten, finden sich in den meisten Spezial­reinigern zudem alka­lische Amino­alkohol­verbindungen“, sagt Chemiker Giers­dorf. „Sie erhöhen die Wirk­samkeit der Tenside und lassen den Dreck aufquellen, was ihn besser löslich macht.“

Auf dieses Prinzip baut auch der einzige „Bio-Fett­reiniger“ im Test: Frosch setzt neben pflanzlichen Stoffen wie Grapefrui­text­rakt ebenfalls auf Amino­alkohol­verbindungen – bleibt aber eher macht­los gegen Schmutz. Es kommt eben auch auf Menge und Mischung der Wirk­stoffe an. Das haben andere Hersteller besser im Griff. Sanft ist der Bio-Frosch schon, aber das sind auch einige konventionelle Mittel. Anders die Zitronenscheuermilch aus gleichem Hause: Sie schont Umwelt und Gesundheit am meisten. Gut ist sie oben­drein.

Sprays reizen die Schleimhäute

Die alka­lischen Substanzen in den Fett­reinigern können Schleimhäute reizen – wie stark, hängt davon ab, welche Stoffe der Hersteller in die Flasche mixt. „Man sollte darauf achten, den Sprüh­nebel nicht einzuatmen oder in die Augen zu bekommen“, so Konrad Giers­dorf. „Für Menschen mit empfindlicher Haut empfehlen sich zudem Hand­schuhe.“ Auch Scheuermilch und Universalreiniger haben Reiz­potenzial. Da sie aber nicht versprüht, sondern flüssig angewendet werden, besteht für Augen und Atemwege kaum Gefahr.

Oft leicht biologisch abbaubar

Jedes Reinigungs­mittel gelangt nach dem Putzen ins Abwasser. Wie kommen die Klär­anlagen mit den Substanzen zurecht? Die meisten Mittel sind biologisch leicht abbaubar. Am stärksten belastet der Fett­löser von Viss die Gewässer, am wenigsten die Scheuermilch von Frosch.

Je weniger Putz­mittel erforderlich ist, desto besser. Die übliche Anwendung sieht so aus: aufsprühen, einwirken lassen, abwischen. Lässt sich der Schaum gleich­mäßig aufsprühen und haftet zudem gut auf der Oberfläche, erhöht das die Wirk­samkeit und ermöglicht spar­sames Arbeiten – gut für Umwelt und Geldbeutel. Cillit Bang, Meister Proper und Frosch tun sich hier positiv hervor.

Meist sanft zu Oberflächen

Küchen­reiniger im Test Test

Schäden auf Holz. Alle Fett­reiniger greifen Holz­oberflächen an. Tropfen hinterlassen Spuren, wie der Test zeigt.
Schimmer auf Metall. Mr Muscle greift metall­haltige Satinox-Beschichtungen an. Die anderen Reiniger sind sanfter.

Viele in der Küche gängige Metalle und Kunststoffe greifen die Reiniger kaum an, wie der Test zeigt. Die meisten Anbieter schränken aber die Anwendung etwa für Holz, Aluminium und lackierte Flächen ein. Ansonsten heißt es für die Materialschonung: alles im grünen Bereich. Die Hersteller haben offen­bar die Rezepturen verbessert – im Test 2006 sahen die Ergeb­nisse weniger erfreulich aus.

Allein Mr Muscle verschafft dem Glanz metall­haltiger Satinox-Oberflächen einen häss­lichen Schimmer (siehe Foto oben rechts). Ausgerechnet Mr Muscle.

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