Küchenhelfer Test

Vom anschmiegsamen Flaschenöffner bis zum Fixierbrett für die Stulle: Pfiffige Helferlein erleichtern das Leben, wenn Kraft und Fingerfertigkeit fehlen. Mehr als 30 Produkte haben wir für Sie ausprobiert.

„Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche zieh’n und mit der kleinen Kurbel ganz nach oben dreh’n. Da erscheint sofort ein Pfeil und da drücken sie dann drauf und schon geht die Tube auf.“ In seinem lustigen „Nippel-Lied“ hat Mike Krüger schon vor Jahren den täglichen Krampf mit Verpa­ckungen aller Art besungen. Er nimmt darin auf die Schippe, was im Alltag alles andere als fröhlich stimmt. Bei einer Umfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Or­ga­ni­sationen gaben 92 Prozent der Befragten an, Probleme beim Öffnen von Verpackungen zu haben, vor allem bei Eingeschweißtem, Dosen, Flaschen, Tüten und Gläsern. Doch nicht nur Menschen, deren Kräfte alters- und krankheitsbedingt nachlassen, mühen sich Tag für Tag mit Vakuumdeckeln und Zug­ringdosen, beim Brotschneiden, Möhren- oder Kartoffelschälen. Hilfe tut in jedem Alter gut, wenn Arme, Schulter, Hände oder Finger ihren Dienst verwei­gern – sei es, weil die Bandscheiben im Hals zwicken, die Arthrose plagt oder der letzte Winterurlaub einen Gips beschert hat.

Und Hilfe gibt es tatsächlich. Bei Spezialversendern, in Sanitätshäusern, Haushalts­geschäften und Kaufhäusern finden sich viele kleine Helferlein, die fehlende Kraft und Beweglichkeit kompensieren sollen. 31 solcher Gegenstände probierten fünf 62- bis 84-Jährige in unserem Auftrag aus, unterstützt von Experten. Eine Ergotherapeutin begutachtete die Eignung außerdem aus ergonomischer Sicht.

Skurril, trotzdem nützlich

Manche Gegenstände wirken auf den ersten Blick eher skurril als nützlich. Zum Beispiel der Dycem Grip-it, eine kegel­för­mige Plastikhaube aus rutschfestem Material zum Öffnen von Schraubverschlüssen an Flaschen und Gläsern. Oder der Zugringdosenöffner Brix J-Popper. Erst durch die Bilder auf der Verpa­ckung hat die Runde seinen Zweck erkannt. Nämlich den Zug­ring auf dem Deckel anzuheben, um ihn danach aufziehen zu können.

Oft erschließt sich der Sinn auch erst, wenn man das „Werkzeug“ in die Hand nimmt oder sich die Funktion erklären lässt. Besonders dann, wenn eine verständliche Gebrauchsan­leitung fehlt. Der Glasöffner Swereco TaUpp-Burköppnare hat zwar eine, aber nur auf Schwedisch. Vertreiber Russka macht Informationen auf eine andere Art unbrauchbar: Beim homecraft Undo-it jar & bottle opener hat er die Nutzungshinweise bei zwei von drei Verpackungen von außen mit einem großen Etikett überklebt. Hier sind die deutschen Anbieter gefordert, die Alltagshilfen ausländischer Herkunft offenbar gedan­ken­los vermarkten.

Schraubdeckel öffnen

Den Deckel kräftig drehen, bis es knackt, dann weiterschrauben, bis er sich löst: Das erfordert Muskeln und gelenkige Finger. Spezielle Öffner für Schraubverschlüsse von Flaschen und Gläsern nutzen die Hebelwirkung zur besseren Kraftübertragung und erleichtern das Öffnen.

Die Glasöffner von homecraft und Swereco können fest unter ein Küchenregal, unter den Hängeschrank oder die Arbeitsplatte montiert werden. Sie lösen mit wenig Aufwand auch feste Verschlüsse. Aber der Benutzer muss das Honig- oder Gemüseglas sicher in der Hand halten können. Für Personen mit wenig Hand- und Fingerkraft eignet sich ein mobiler Öffner besser. Dann kann das Glas auf dem Tisch stehenbleiben. Der Aritma Trio mit rutschfester Unterlage hat den Testern dafür am besten gefallen. Alle würden ihn selbst kaufen. Einer Meinung waren sie auch beim Zyliss Strongboy. Den würde niemand weiterempfehlen. Er funktioniert zwar gut, lässt sich aber nur schwer bedienen.

Vakuumgläser gehen leichter auf, wenn zunächst Luft durch den Deckel einströmen kann. Die Vakuumlöser Brix Jarkey und Efko eignen sich sowohl für Gläser als auch für Flaschen. Der Efko Schraubde­ckelöffner ist aber vorteilhafter. Er löst auch dickere Deckel sowie Kronkorken und lässt sich auch mit nur einer Hand bedienen. Mit dem Brix Jarkey müssen beide Hände zupacken.

Die beste Wertung bei den Flaschenöffnern bekam der Cap-Twister. Der knackt mit Leichtigkeit auch extrem feste Blechverschlüsse an Cola- oder Wasserflaschen. Vielseitiger ist der Fackelmann Vaku­um­knacker. Dünner oder dicker Flaschenhals, Blech- oder Kunststoffverschluss, sogar Konservengläser bis etwa 8,5 Zentimeter Durchmesser sind kein Problem für ihn. Doch Menschen mit eingeschränkter Handfunk­tion, zierlichen Fingern und wenig Kraft kommen mit dem großen Zangenöffner kaum zurecht. Schade auch, dass man sich an dem Vaku­um­knacker die Finger klemmen kann, wenn man unachtsam ist.

Dosen öffnen

Weitere Aufgabe für die Tester: Sie mussten eine große Dose Gemüseeintopf und eine kleine mit Tomatenmark „köpfen“. Dosenöffner schneiden die Deckel entweder von oben oder seitlich ab. Die seitlich Trennenden heißen Sicherheitsdosenöffner, weil dabei kein scharfer Rand entsteht. Jedenfalls dann nicht, wenn der Deckel weit genug oben abgeschnitten wird wie beim 35 Euro teuren Tupperware-Öffner. Der Super Can hinterlässt dagegen ein schmales, scharfkantiges Stück vom Dosenrand am Deckel. Billig, einfach zu bedienen und gut zu greifen ist der Fackelmann-Magnet-Zangendosenöffner. Einzi­ges Handicap: Man muss ihn bis zum Schluss fest zusammendrücken, sonst rutscht das Schneidrad ab. Alle Probanden aus der Runde würden ihn kaufen, obwohl er einen scharfen Rand produ­ziert und der Magnet den Deckel nicht zuverlässig hält.

Von den Wandöffnern (homecraft und Sieger) waren sie dagegen enttäuscht. Sie kamen mit der Technik anfangs einfach nicht klar. „Man muss erst begriffen haben, wie das Gerät funktioniert, dann geht es gut“, kommentierte ein Teilnehmer.

Obst und Gemüse schälen

Mit Sparschälern, die einen breiten Griff haben, sind Obst und Gemüse am besten zu schälen. Sie liegen angenehm in der Hand. Leicht und über längere Zeit ermüdungsfrei arbeitet es sich besonders mit den Schälern von Leifheit und Oxo. Die beiden Flex- und Y-Pendelschäler von Oxo haben den Vorteil, gleichermaßen für Rechts- und Linkshänder geeignet zu sein.

Halten und schneiden

Fixierbretter halten das Brot oder den Apfel, damit beim Schmieren oder Schälen nichts wegrutscht. Sie sind teuer, für Menschen, die nur eine Hand benutzen können, aber unentbehrlich. Unseren Testern waren sie jedoch zu kompliziert. Sie wussten mit den Haltestiften, Randleisten und Steckmöglichkeiten wenig anzufangen. „Es steht eher im Weg“, meinte einer. Wer dar­auf angewiesen ist, braucht wohl eine persönliche Anleitung. Die Ergotherapeutin bescheinigte den Brettern von Etac und Thomashilfen jedenfalls einen hohen Nutzen für Menschen mit eingeschränkter Handfunktion. Auch den Brotmessern mit abgewinkeltem Griff. Mit etwa sechs Euro ist das Ikea-Messer ein Preisknaller – auch ganz ohne Nippel und Lasche.

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