Küchenfertige Salatmischungen Test

Salat direkt aus dem Plastikbeutel erspart Arbeit. Aber ist dem Blatt­ge­müse, das Tage zuvor gewaschen und geschnitten wurde, zu trauen? Wir haben es auseinandergepflückt.

Nicht gerade knackig ist das Ergebnis dieses Tests knackiger Blattsalate aus der Tüte. Von 19 Salatmischungen fielen am Mindesthaltbarkeitsdatum 4 mit „mangelhaft“ in der Mikrobiologie durch. 13 waren nur „ausreichend“. Auch ärgerlich: Frei von Fehlern in Geruch, Geschmack und Aussehen war am letzten Verzehrstag nur jedes vierte Produkt.

Die Wunden des Salats

Anders als gewöhnliche Salatköpfe stehen die küchenfertigen Mischungen meist im Kühlregal. Das ist unbedingt notwendig. Schließlich sind die Blätterbeutel Anfang der 90er Jahre schon einmal in Verruf geraten. Damals kam es wegen Nachlässigkeiten bei der Kühlung zu Verkeimungen. Selbst wenn es wenig appetitlich klingt: Ein verträgliches Maß an Mikroorganismen auf Salatblättern ist beim Kauf so normal wie später die Soße beim Servieren. In einigen Salatmischungen fanden wir am Mindesthaltbarkeitsdatum aber mehr Keime, als es die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie noch für vertretbar hält. Auch wenn diese Schimmelpilze, Hefen und Vertreter des Bacillus cereus nicht zwangsläufig krank machen, bewerteten wir deutliche Überschreitungen mit „mangelhaft“. Unter bestimmten Umständen können Schimmelpilze Krebs erzeugende Gifte produzieren. Und wenn sich Bacillus cereus zu stark vermehrt, drohen Magen- und Darmkrankheiten. Gefährliche Keime wie Salmonellen fanden wir in den Proben nicht.

Solange die Blätter intakt sind, besteht ein gewisser natürlicher Schutz nach außen. Den zerstören vor allem stumpfe, unsaubere Messer, wenn der Salat industriell zerkleinert wird. Die offenen Wunden ziehen Bakterien und Pilze an. Der austretende Zellsaft und die hohe Luftfeuchtigkeit in den Beuteln bieten ihnen ein ideales Klima zur schleunigen Vermehrung. Die kann eine kühle Lagerung nur kurzzeitig aufhalten. Deswegen versuchen manche Hersteller, das Problem zusätzlich mit einer speziellen Schutzatmosphäre in den Griff zu bekommen. Dafür werden die Bestandteile unserer Atemluft in einem anderen Verhältnis gemischt und in die Packungen gepumpt: etwas weniger Sauerstoff und mehr Kohlendioxid, das die Keime stoppen kann. Doch sechs bis sieben Tage (so lange sollen die Salatmixe oft haltbar sein) halten sie trotz aller Anstrengungen meist nicht.

Der Verbraucher hat aber ein letztes Mittel gegen die Mikroorganismen. Weil sie nur auf der Oberfläche sitzen, lassen sich Keime zu etwa 90 Prozent abspülen.

Keime schmeckt man nicht

Tückisch an Keimen im Salat ist, dass sie unsichtbar und oft nicht zu schmecken sind. Das kam heraus, als Salatexperten die Proben mit Augen, Nase und Zunge nach Fehlern untersuchten. Das Frappierende: Die fünf Produkte, die bei dieser sensorischen Prüfung unauffällig blieben, waren mikrobiologisch entweder nur „ausreichend“ oder sogar „mangelhaft“. Umgekehrt roch und schmeckte die einzig mikrobiologisch „gute“ Havita Vier-Jahreszeiten-Mischung teilweise „gärig, dumpf“. Oft entdeckten die Experten braun-rötliche Schnittflächen. Die sind aber kein Zeichen für Verderb.

Zu viel Gift gegen Pilze, kaum Nitrat

Auch Schnecken, Läuse und Pilze mögen Salat. Deswegen greifen konventionelle Produzenten oft vorsorglich zu Pestiziden. Welche Gifte gegen Insekten und Pilze in welchen Mengen infrage kommen, ist gesetzlich geregelt. In zwei Produkten der Marke Gartenfrisch fanden wir deutliche Rückstände von Fungiziden. Bei einem Salat war sogar der Grenzwert aus der Rückstandshöchstmengenverordnung überschritten. Nur fünf Produkte hatten eine „sehr gute“ Schadstoffbilanz. In allen anderen Mischungen fanden wir meist Spuren von Pestiziden, manchmal bis zu sechs Mittel auf einmal.

Das große Salatproblem der 90er Jahre trat in diesem Test nicht auf: Nitrat. Nur der Mix Fit for fun Baby leaves bekam für hohe Gehalte ein „Ausreichend“. Nitrat kann nützen und schaden. Im Boden unterstützt es Pflanzen, üppig zu gedeihen. Doch es gibt eine Nebenwirkung. Lagert der Salat länger, reduzieren Bakterien das Nitrat zu Nitrit. Daraus kann der Körper mit Eiweißbausteinen Krebs erregende Nitrosamine bilden.

Salat ist gesund

Gut, dass Salat roh gegessen wird. So verschwinden keine Vitamine durch Hitze. Salat enthält Vitamin A, B1, B2, B6, Folsäure und Vitamin C, auch Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Eisen. Purer Salat macht nicht dick: 100 Gramm haben etwa 15 bis 20 Kilokalorien. Gegen Hunger wirkt das Gemüse, weil es so viele Ballaststoffe hat. Die quellen im Darm noch auf. Der beste Salat ist Blattsalat, der mit nährstoffreichem rohen Gemüse und Kräutern gemischt wird. Frisch zubereitet übertrifft er wohl jeden Tütenmix.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2438 Nutzer finden das hilfreich.