Krise in Griechenland Meldung

Das griechische Parlament hat beschlossen, dass es den Sparkurs fortsetzen will. Jetzt liegt die Entscheidung über weitere Finanzhilfen bei den Regierungen der Euroländer. Viele Deutsche lehnen weitere Zahlungen ab. Sie glauben, man könne so dem Schrecken ein Ende setzen. Das würde erst recht eine Krise auslösen, warnen dagegen die EU-Politiker. Eine Pleite könnte ein Desaster nach sich ziehen, vergleichbar mit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im September 2008. test.de zeigt, was passieren kann.

Szenario 1: Happy End

Die EU und der IWF helfen weiter, Griechenland spart weiter und trägt so gut es kann die Schulden nach und nach ab. Es gibt keine Verwerfungen an den Finanzmärkten. Kein Gläubiger verliert Geld, auch der Steuerzahler muss nicht einspringen. Griechenland schafft es, sich aus dem Schuldensumpf zu befreien. Nach ein paar harten Jahren sind die Reformen durch, Griechenland ist wieder wettbewerbsfähig, die Wirtschaft bekommt neuen Schwung.

Sehr wahrscheinlich ist dieses Szenario aber nicht. Selbst wenn die Griechen sparen wie verrückt - die Schulden sind damit noch lange nicht getilgt. Im Gegenteil: Die Sparmaßnahmen behindern das Wirtschaftswachstum, neuer Schwung ist noch nicht in Sicht. Die Steuereinnahmen sinken und die Schulden steigen höchstwahrscheinlich weiter.

Szenario 2: Ende mit Schrecken

Viele Ökonomen meinen, dass es zu einem Schuldenschnitt kommen muss, einem haircut, wie es im Finanzjargon heißt. Das heißt: Griechenland zahlt nicht alle, sondern nur einen Teil seiner Schulden zurück. Am sanftesten für die Finanzmärkte und ihre hochempfindlichen Akteure wäre eine solche Umschuldung, wenn sie freiwillig wäre. Wenn die Gläubiger, diejenigen, die Griechenland Geld geliehen haben, auf einen Teil ihrer Forderungen von sich aus verzichten oder die Rückzahlung nicht sofort bei Fälligkeit verlangen würden. Eine freiwillige Umschuldung würde - anders als eine Pleite - wahrscheinlich keinen Versicherungsfall zur Folge haben. Fachleute sprechen von Kreditereignis. Ein solches Kreditereignis könnte einige Finanzinstitute in große Schwierigkeiten bringen (siehe Szenario 3). Dagegen sind die Verluste aus dem Schuldenschnitt für die meisten Banken und Versicherungen nach allgemeiner Einschätzung nicht existenzgefährdend. Zwar müssten die Banken und Versicherungen auf Geld verzichten, auch die Steuerzahler würden herangezogen, doch würde vermieden, dass die Krise sich weiter ausbreitet, womöglich unkontrolliert. Außerdem würde ein Schuldenschnitt der griechischen Wirtschaft wieder Luft zum Atmen verschaffen. Wenn die Wirtschaft wieder wächst, sind auch die verbleibenden Schulden schneller abbezahlt.

Dass dieses Szenario eintritt, wird zurzeit hoch gehandelt. Die französischen Banken haben einen Umschuldungsvorschlag vorgelegt. Er sieht vor, rund die Hälfte der in den nächsten Jahren fälligen griechischen Anleihen in neue Papiere mit längerer Laufzeit umzuwandeln. Die Rede ist von bis zu 30 Jahren. Der internationale Bankenverband unter Leitung des Deutsche-Bank-Bosses Josef Ackermann arbeitet ebenfalls an einem Vorschlag für einen freiwilligen Verzicht der privaten Gläubiger.

Szenario 3: Die Katastrophe

Wenn Griechenland vor dem Schuldenberg kapitulieren muss und in die Pleite schlittert, könnte das ins Chaos führen. Werden die Anleihen nicht mehr bezahlt, gehen sofort auch die griechischen Banken pleite, die viele griechische Staatsanleihen gekauft haben. Sind die Banken geschlossen, bricht die Wirtschaft zusammen. In Griechenland würde der Notstand ausbrechen. Hierzulande würden die Besitzer von Anleihen nur noch einen Teil von ihrem Geld zurückbekommen. Wie viel, hinge von einem Umschuldungsplan ab, den die großen Gläubiger (Euroländer, Banken) mit den Griechen dann gemeinsam aushandeln müssten. Außerdem würden umgehend sämtliche Kreditversicherungen fällig (CDS, credit default swaps). Da nicht nur Anleger, die Anleihen im Depot liegen haben, solche Versicherungen kaufen, sondern auch Spekulanten, kann ihr Wert den der ausstehenden Anleihen um ein Vielfaches überschreiten. Die Banken behaupten weder genau zu wissen, wie viele dieser Versicherungen im Umlauf sind, noch wer sie verkauft hat und für sie gerade stehen müsste. Normalerweise werden CDS von Investmentbanken und internationalen Versicherungen ausgegeben.

Doch das ist noch gar nicht das Schlimmste. Bankleute wie Ackermann warnen vor einem Dominoeffekt, den eine Griechenland-Pleite auslösen könnte und der auch die anderen hoch verschuldeten Euroländer wie etwa der anderen PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) mit in den Abgrund reißen würde. Könnten die internationalen Banken und Versicherungen den Ausfall griechischer Anleihen noch verkraften, geraten sie spätestens jetzt in die Bredouille. Das könnte dem Finanzsystem den Todesstoß versetzen. Eine Bankenkrise droht, die ähnlich schlimm oder womöglich noch schlimmer werden könnte als der Beinahe-Kollaps des Finanzsystems nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers, und die auch die reichen Euroländer und die USA an den Rand der Überschuldung treibt.

Da sich die verantwortlichen Politiker und Banker der möglichen Auswirkungen einer Pleite bewusst sind, ist die Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Szenarios hoffentlich gering.

Szenario 4: Verschleppter Schrecken

Griechenland spart weiter, bekommt neues Geld aus den Rettungspaketen, schafft es aber trotz aller Hilfen und Anstrengungen nicht, sich aus dem Schuldensumpf zu befreien. Eine Abwärtsspirale droht. Die Griechen müssen immer wieder neue Hilfen in Anspruch nehmen, die Schulden steigen trotzdem immer weiter. Irgendwann, nach einem, zwei oder fünf Jahren, steht dann doch die Pleite. Die Hoffnung vieler Politiker ist es, dass bis dahin zumindest die anderen Wackelkandidaten wie Portugal, Irland oder auch Spanien, ihre Finanzen wieder im Griff haben, so dass wenigstens kein Dominoeffekt mehr droht. Die Banken und Versicherungen könnten bis dahin so viel Geld zurückgelegt haben, dass sie eine Pleite von Griechenland nicht mehr so stark trifft. Die Gefahr ist aber, dass es in Griechenland erst recht zum Chaos kommt, zumal die dortige Bevölkerung schon jetzt gegen die rigiden Sparmaßnahmen heftig protestiert. Reformen sind dann irgendwann kaum noch möglich, die wirtschaftliche Zukunft des Landes gefährdet. Je mehr Hilfsgelder nach Griechenland fließen, und je länger die Banken und Versicherungen Zeit haben, ihre Anleihen an die Europäische Zentralbank weiterzugeben, desto stärker hängt außerdem der hiesige Steuerzahler mit drin.

Falls die freiwilligen Umschuldungsversuche (siehe Szenario 2) scheitern, tritt wahrscheinlich dieser Fall ein.

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