Herd ausgemacht, Pass eingesteckt: Wer auf Reisen geht, denkt an viele Dinge. Aber selten an Gaunertricks. Etwas Vorbereitung hilft, dass aus der Reise kein Krimi wird.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: eine Zahnbürste, den Gameboy, Gummibärchen ... Unzählige Familien auf dem Weg in den Urlaub spielen dieses Spiel. Die Vorfreude ist groß, die Stimmung gut – schließlich warten Erholung und Sorglosigkeit. Dabei wird oft vergessen: Nur weil man selbst in die Ferien fährt, liegen die Gauner nicht auch auf der faulen Haut. Ganz im Gegenteil: Das Auswärtige Amt schätzt, dass jedes Jahr mehrere Tausend deutsche Urlauber Opfer krimineller Übergriffe werden. Das ist nicht übermäßig viel angesichts von rund 50 Millionen Deutschen, die jährlich eine Auslandsreise unternehmen. Wer aber je gehört hat, was deutschen Botschaftsangestellten auf der ganzen Welt oder den ADAC-Mitarbeitern der Notrufstationen so zu Ohren kommt, hat nur einen Wunsch: nie zu den Betroffenen zu gehören. Ob Handtaschendiebstahl, Betrug oder gar Überfall – in Sekundenschnelle kann der Traumurlaub zum Albtraum werden.

Im Köpfchen: Landesinfos

Dabei ist es gar nicht so schwierig, Risiken zu reduzieren. A und O der Vorbereitung sollte sein, sich über das Reiseland schlau zu machen. Wer sich von Experten über die Sicherheit im Lande informieren lassen will, wendet sich am besten ans Auswärtige Amt. Der größte Vorteil dieser Quelle: Sie ist zuverlässig. Alle Hinweise werden in enger Zusammenarbeit mit den deutschen Botschaften vor Ort erarbeitet, auf Wahrheitsgehalt und Stellenwert geprüft, ständig aktualisiert. Und es geht nicht darum, Panik zu schüren.

„Wir wollen auf keinen Fall den Spaß am Urlaub vermiesen“, betont ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Die Reise- und Sicherheitshinweise für derzeit rund 170 verschiedene Länder sollen vielmehr zum Schutz und Wohlergehen der deutschen Touristen beitragen. Dazu gehören auch Reisewarnungen, die aufgrund der gesamten Sicherheitssituation in einem Land von Aufenthalten abraten: Im Augenblick betrifft das elf Staaten, darunter Haiti, Somalia und Burundi. Daneben finden sich in den Sicherheitshinweisen ganz unterschiedliche Informationen zu Risiken im Reiseland, darunter zum Beispiel häufig angewandte Tricks von Gaunern und Ganoven.

Im Geldbeutel: Wichtige Adressen

Während bei Reisen nach Südafrika beispielsweise davon abgeraten wird, Vorortzüge in Pretoria oder Johannesburg zu benutzen, werden Ungarnurlauber vor Autoräubern in falschen Polizeiuniformen, Nepalreisende vor gefährlichen Trekking-Routen gewarnt. Und in den Sicherheitshinweisen zu Kuba erfährt man etwa, wo ein Reisemerkblatt mit wichtigen Anschriften zu bekommen ist.

Für alle, die auf eigene Faust mit dem Auto aufbrechen, sollte ein sorgfältiger Blick in die Sicherheitshinweise auf jeden Fall zur Vorbereitung gehören. Das macht ein Beispiel aus einem Lieblingsurlaubsland der Deutschen klar: Denn wer würde auf der spanischen Autobahn A 7 nach Barcelona nicht sofort anhalten, wenn ein charmant winkender Señor freundlich per Handzeichen andeutet, der Wagen habe einen Platten?

Dass der Reifen absichtlich angestochen wurde, darauf muss man erst einmal kommen. Und dass der freundliche Señor in aller Ruhe Fotokamera und Handtasche aus dem Auto nimmt, während man im Kofferraum nach dem Wagenheber kramt – wer wird denn gleich so misstrauisch sein? Wohl dem, der sich vorher schlau gemacht hat. Vielleicht kann er sogar verhindern, dass der Reifen angestochen wird. Aber auch wenn ihm das nicht gelingt, hat er dank guter Planung sicher ein Handy und die Notrufnummer des spanischen Autobahnbetreibers bei sich.

Am Körper: Ausweis und Geld

Zur nötigen Portion Vorsicht gehört auch, Ausweis und Geld stets am Körper zu tragen. Das gilt nicht nur für die rund 55 Prozent deutscher Urlauber, die als Individualreisende unterwegs sind. Zwar bekommen Pauschaltouristen die Nummer eines örtlichen Ansprechpartners vom Reiseveranstalter genannt und haben im besten Fall einen guten Reiseführer, der sie mit den nötigen Informationen versorgt. Da aber Hinweise zur Kriminalität in den Katalogen kaum vorkommen, sind auch sie nicht davor gefeit, Opfer von Kriminellen zu werden.

Ein deutsches Ehepaar, das einen Bungalow auf Gran Canaria gemietet hatte, musste erfahren, dass überfallen oder bestohlen zu werden als „lebenstypisches Risiko“ hinzunehmen ist. Das Paar war Opfer eines Einbruchdiebstahls geworden und hatte gegen den Reiseveranstalter geklagt – erfolglos. Einbruchdiebstahl sei nicht als Reisemangel geltend zu machen (Amtsgericht Duisburg-Hamborn, Az. 8 C 262/00).

Trotz aller Urlaubsfreude: Reisen heißt eben auch, sich an einem Ort zu bewegen, in dem andere Normen gelten – in kultureller, sozialer, politischer und ökonomischer Hinsicht. Absolute Sicherheit vor Kriminalität, von Terrorismus ganz zu schweigen, gibt es nirgends, nicht einmal am Traum-Reiseziel. Statt Angst sollten Umsicht und Klugheit mit auf die Fahrt gehen. Dann können Urlauber auch auf dem Rückweg noch gut gelaunt „Ich packe meinen Koffer“ spielen.

Buchtipp: Wer sich noch ausführlicher informieren will, findet in dem praxisorientierten Taschenbuch „Schutz vor Gewalt und Kriminalität unterwegs“ von Matthias Faermann weitere Aspekte zu diesem Thema sowie wertvolle Tipps und Adressen. Es ist im Verlag Reise Know-How, Bielefeld 2000, erschienen und kostet etwa 8,90 Euro.

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