Finanzen in Krisen­zeiten

Beiträge September: Zins­erhöhungen, US-Anleihen, Pantoffel-Portfolio

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Finanzen in Krisen­zeiten - Anlegen für Einsteiger: Wie man das Timing beim ETF-Kauf gestalten kann
Pantoffel-Portfolio: Die Anla­gestrategie von Finanztest hat sich noch besser mit nach­haltigen ETF entwickelt. © Getty Images / Westend61 / Daniel Ingold

Im September 2022 hielten steigende Zinsen Anleger und Märkte in Atem. Historische Vergleiche zeigen, wie die aktuelle Situation einzuordnen ist.

Hohe Zinsen, hohe Staats­verschuldung: Wieder wie kurz vor der Finanz­krise?

(30.09.2022)

Die Zinsen für Staats­anleihen sind zuletzt stark gestiegen – wegen der jüngsten Zins­erhöhungen der Zentral­banken in den USA, Euro­land und Groß­britannien, mit denen die Inflation bekämpft werden soll. Aber auch, wie im Fall Groß­britannien, wegen der Ausweitung der Staats­ausgaben und angekündigter Steuersenkungen. So sprangen die Zinsen für britische zehnjäh­rige Anleihen am 26. September auf über vier Prozent – und waren damit fast so hoch wie die Zinsen für Staats­anleihen aus Italien, das wegen der neuen Regierung miss­trauisch beäugt wird. Die Bank of England sah sich daher am 28. September gezwungen, ein Anleihenkauf­programm anzu­kündigen, um die Märkte zu beruhigen.

Bei Anlegern werden böse Erinnerungen wach: hohe Zinsen für Staats­anleihen in den USA, Italien und Groß­britannien bei gleich­zeitig hoher Staats­verschuldung – ist das jetzt wieder wie kurz vor der Finanz- und Staats­schuldenkrise ab 2007? Wir machen den Vergleich.

Die aktuelle Zins­entwick­lung für Staats­anleihen

Die beiden folgenden Charts zeigen die Zins­entwick­lungen für zehnjäh­rige Staats­anleihen ausgewählter Länder, einmal in der kurz­fristigen Betrachtung über ein Jahr und einmal im lang­fristigen Vergleich über die vergangenen 20 Jahre.

Was Sie aus den Charts ablesen können:

  • Nach der jüngsten Zins­erhöhung der US-Noten­bank Fed am 21. September waren die Zinsen für 10-jährige US-Staats­anleihen diese Woche am 27. September auf fast 4 Prozent gestiegen. Damit sind die US-Zinsen wieder so hoch wie vor und während der Finanz- und Schuldenkrise ab 2007.
  • In Groß­britannien sprangen die Zinsen für 10-jährige Staats­anleihen am 26. September auf 4,5 Prozent und damit fast auf das Niveau von Italien. Einige Tage zuvor hatte die britische Regierung eine Ausweitung der Staats­ausgaben bei gleich­zeitigen Steuersenkungen verkündet. Offensicht­lich erhöhte dies das Miss­trauen in die künftige Zahlungs­fähig­keit Groß­britanniens und bewirkte einen Ausverkauf britischer Staats­anleihen – die Zinsen schnellten nach oben, die Kurse am Anleihenmarkt brachen ein. Dies brachte britische Pensions­fonds, die stark auf britische Anleihen setzen, unter Stress, weswegen die britische Zentral­bank, die Bank of England, am 28. September ein Anleihenkauf­programm ankündigte, um die Zinsen für Staats­anleihen zu senken. Dies hatte Erfolg, aktuell liegen die Zinsen für zehnjäh­rige britische Staats­anleihen bei knapp 4 Prozent.
  • In Italien liegen die Zinsen bei 4,6 Prozent – auch dies ist ein ähnliches Zins­niveau wie Ende 2007. Anleger schauen miss­trauisch nach Italien und dessen neue Regierung. Viele befürchten eine Auswertung schuldenbasierter Staats­ausgaben.
  • In Griechen­land stiegen die Zinsen auf 5,4 Prozent – das ist noch weit entfernt von den horrenden Zinsen während der Finanz­krise, allerdings auch schon höher als Ende 2007.

Tipp: Klicken Sie auf die Legenden­einträge, um nach einzelnen Kurven zu filtern.

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Vorabend der Finanz­krise: Was ist gleich und was ist anders

Die folgenden drei Charts ordnen die aktuelle Situation im Vergleich zum Jahr 2007, dem Beginn der Finanz­krise, ein.

Was die Charts zeigen:

  • Die Anleihenrenditen für zehnjäh­rige Staats­anleihen sind bis auf Deutsch­land ungefähr so hoch wie vor der Finanz­krise.
  • Die Schuldenquoten, also der Schulden­stand in Prozent vom Brutto­inlands­produkt (BIP), sind in allen dargestellten Ländern sogar höher als vor der Finanz­krise.
  • Die Zins­last für die Staaten, also die Zins­zahlungen relativ zum Staats­einkommen, sind jedoch für die dargestellten Euro-Länder deutlich geringer als vor Beginn der Finanz­krise. Groß­britannien und die USA nähern sich dagegen dem Niveau von 2007. Die Zins­last für die Euroländer ist gesunken, weil sich die Staaten in den vergangenen Jahren zu sehr geringen Zinsen verschulden konnten. Deutsch­land hat sogar Geld bekommen für Neuschulden, die Zinsen waren negativ.

Fazit: Auch wenn die Schuldenquoten west­licher Staaten höher als zu Beginn der Finanz­krise sind und die Zinsen für Staats­anleihen stark steigen – noch ist die Zins­last für die Euroländer relativ gering, auch für Italien und Griechen­land. Zudem können Staaten als Schuldner von hohen Inflations­raten profitieren, weil die Schulden real weniger werden. Die Situation ist also derzeit eine andere als 2007.

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Die Entwick­lung der Zins­last im Zeit­verlauf

Der folgende Chart zeigt für Interes­sierte die Historie der Zins­last für ausgewählte Staaten. Die Zins­last kann verschieden berechnet werden. Wir zeigen die Zins­zahlungen für Schulden auf Bundes­ebene in Prozent der Staats­einnahmen.

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Steigende Zinsen: Wie beein­flussen sie die Bewertung von Aktien?

(23.09.2022)

Die US-Noten­bank Fed hat am 21. September eine weitere Zins­erhöhung um 0,75 Prozent­punkte angekündigt. Dies ist die fünfte Zins­erhöhung in diesem Jahr, der von der Fed angestrebte Zins liegt nun zwischen 3 und 3,25 Prozent – und weitere Zins­erhöhungen können folgen. Der US-Aktienmarkt sackte nach der jüngsten Zins­erhöhung ab. Wir nehmen das zum Anlass, einen Blick auf den lang­fristigen Zusammen­hang zwischen Zins­niveau und Aktien­preisen zu werfen.

Hohe Zinsen – Gift für Aktien?

Zins­steigerungen führen zu fallenden Aktien­kursen – diese Warnung hören Aktien- und Aktienfonds-Investoren gerade jetzt wieder häufiger. Die Über­legungen dahinter sind unter anderem folgende:

  • Steigende Zinsen können die Finanzierung der Unternehmen in Zukunft erschweren – schließ­lich werden Kredite für die Unternehmen teurer. Das verringert die Wachs­tums­aussichten, in der Folge sinken die Aktien­kurse.
  • Steigende Zinsen verteuern auch die Kredite für Privathaushalte, deren Konsum­ausgaben sinken, was auch zu sinkenden Unter­nehmens­umsätzen und damit geringeren Aktien­kursen führt.
  • Höhere (risikofreie) Zinsen sorgen dafür, das Zins­anlagen relativ attraktiver werden im Vergleich zu riskanten Anlagen. Anleger schichten ihr Geld verstärkt aus Aktien in Zins­produkte um, das drückt auf die Aktien­kurse.

In der Theorie sollten also steigende Zinsen zu fallenden Aktien­kursen führen und umge­kehrt. Eine Möglich­keit, dies zu über­prüfen, ist der historische Vergleich der Zinsen für zehnjäh­rige Staats­anleihen mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Aktienindizes. Stimmt die Theorie, sollte das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei steigenden Zinsen sinken und bei fallenden Zinsen steigen. Wir führen den historischen Vergleich einmal für die USA und einmal für Deutsch­land durch.

USA: Meist sanken die Aktien, wenn die Zinsen stiegen

Die zwei folgenden Charts zeigen die Entwick­lung des KGV für den S&P 500 im Vergleich mit der Zins­entwick­lung für zehnjäh­rige US-Staats­anleihen. Der S&P 500 Composite Index umfasst die 500 größten US-Unternehmen und ist wie der MSCI USA ein passendes Börsen­barometer für den US-Aktienmarkt. Im ersten Chart sind die tatsäch­lichen Werte dargestellt, im zweiten Chart normieren wir die Werte, so dass Phasen mit steigenden und fallenden Werten besser verglichen werden können.

Welche Kenn­zahlen wir verwenden:

  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV genannt, kann für einzelne Aktien oder auch als Durch­schnitt für Aktienindizes berechnet werden. Wir verwenden das KGV, welches den aktuellen Kurs ins Verhältnis zum Unter­nehmens­gewinn der vergangenen zwölf Monate setzt.
  • Die Endfäl­ligkeits­renditen zehnjäh­riger Staats­anleihen sind ein typischer Grad­messer für das Zins­niveau in einem Land. Die Noten­banken können die Renditen von Staats­anleihen nicht direkt setzen; sie beein­flussen jedoch mit ihrer Geld­politik das Zins­niveau am Anleihenmarkt.

Was Sie aus den Charts ablesen können:

  • In den 80ern und in den 90ern war der Zusammen­hang zwischen Zinsen und KGV eher negativ, so wie es die Theorie vorher­sagt. Im Zeitraum fallender Zinsen stiegen die Aktienbe­wertungen.
  • In den Nullerjahren fielen die Aktienbe­wertungen trotz nied­riger Zinsen – die Dotcom-Krise und die Immobilien- und Finanz­krise – ließen die Aktienmärkte einbrechen.
  • In den Zehner­jahren war die Korrelation wieder eher negativ, so wie die Theorie es sagt.
  • In den bisherigen 20er-Jahren stiegen die Zinsen stark an, die Kurse brachen ein. Auch hier ist bisher die Theorie bestätigt.

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Deutsch­land: Ähnliches Bild wie in den USA

Auch für den deutschen Aktienmarkt zeigen wir zwei Charts. Der erste vergleicht die tatsäch­lichen Werte des KGV des Dax mit den Zinsen für zehnjäh­rige Bundes­anleihen, der zweite normiert die Werte zwischen -1 und 1. Der Vergleich zeigt ein ähnliches Bild wie in den USA: Es gab Jahr­zehnte, in denen der Zusammen­hang zwischen KGV und Zinsen negativ war. Auch hier waren jedoch die Neue-Markt-Krise sowie die welt­weite Finanz­krise eine Ausnahme.

Fazit

Die vergangenen 30 Jahren waren geprägt von tendenziell fallenden Zinsen, sowohl in den USA als auch in Deutsch­land beziehungs­weise der Eurozone. Dies ging, wie in der Theorie behauptet, mit steigenden Aktienmarkt­bewertungen einher – die Ausnahme davon waren die krisengefüllten Nullerjahre.

Drastische Zins­erhöhungen wie in diesem Jahr gab es dagegen lange nicht mehr. In den kurzen Phasen steigender Zinsen seit 1980 fielen tendenziell die Aktienbe­wertungen. Anleger müssen sich daher bei weiteren Zins­erhöhungen auf eher gedämpfte Kurs­zuwächse an den Aktienmärkte einstellen.

Tipp: Sie finden die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhält­nisse der Aktienmärkte aller Industrieländer auf unserer Informationsseite zum MSCI World.

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Staats­anleihen: US-Anleihen kaufen wegen der höheren Zinsen?

(15.09.2022)

Anleger freuen sich über das Ende der Mickerzinsen. In nur zwölf Monaten sind die Zinsen für Staats­anleihen im Euroraum auf rund 2,3 Prozent gestiegen. In den USA liegen die Staats­anleihenzinsen sogar schon bei 3,7 Prozent. Lohnt es sich, lieber auf Fonds mit amerikanischen Staats­anleihen zu setzen als auf Fonds mit Euro-Staats­anleihen? Wir zeigen, warum Anleihen-Anleger nicht nur auf den Zins schauen sollten, sondern auch das Wechsel­kurs­risiko im Blick haben müssen.

Zinsen für US-Staats­anleihen höher als im Euroraum

Wie der folgende Chart zeigt, liegen die Zinsen für amerikanische Staats­anleihen höher als für Staats­anleihen aus dem Euroraum. Vor einem Jahr gab es für Euro­anleihen noch null Prozent Zinsen, für US-Staats­anleihen dagegen 0,9 Prozent. Absolut gesehen sind die Zinsen in den USA also noch stärker gestiegen als im Euroraum, der Zins­abstand hat sich vergrößert. So mancher Anleger mag sich daher über­legen, ob er statt in Fonds und ETF mit Euroland-Anleihen nicht lieber in Fonds und ETF mit US-Staatsanleihen investieren sollte.

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Wert­entwick­lung – Wechsel­kurs­änderungen dominieren

US-Staats­anleihen (in US-Dollar) sind trotz des größeren Zins­anstiegs weniger stark einge­brochen als ein gemischter Euro-Staats­anleihen-Index. Der US-Staats­anleihen-Index in Euro hat sogar zugelegt, wie der Chart unten zeigt. Um das zu verstehen, müssen Anleger zwei Effekte berück­sichtigen: Das Zins­änderungs­risiko und das Wechsel­kurs­risiko.

  • Steigen die Zinsen, machen Anleihen und Rentenindizes erst einmal Minus. Je stärker der Zins­anstieg, desto größer ist normaler­weise der Verlust. Allerdings ist der Effekt schwächer, wenn die Zinsen von einem höheren Niveau aus steigen. Die US-Zinsen waren vor einem Jahr um 0,9 Prozent­punkte höher als im Euroraum. Daher liegt die Wert­entwick­lungs­kurve mit den US-Staats­anleihen gemessen in US-Dollar über der Kurve der Euro-Staats­anleihen.
  • Anleger aus dem Euroraum würden nicht die Wert­entwick­lung in US-Dollar erhalten, wenn sie einen Fonds oder ETF auf US-Staats­anleihen kaufen. Sie bekommen die Wert­entwick­lung in Euro. Hier spielt die Entwick­lung des Wechsel­kurses zwischen Euro und US-Dollar die entscheidende Rolle. Wertet der Euro ab, machen hiesige Anleger mit einem Investment in US-Dollar-Anleihen Gewinn. Fällt der Dollar, machen sie mit einem Investment in US-Dollar-Anleihen Verlust. Im vergangenen Jahr ist der US-Dollar gegen­über dem Euro gestiegen – daher liegt der Index mit US-Staats­anleihen gemessen in Euro vorne.

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Der nächste Chart zeigt wieder die Wert­entwick­lung von Euro-Staats­anleihen und US-Staats­anleihen, diesmal auf lange Sicht.

Was Sie am Chart erkennen können:

  • Lang­fristig ist die Wert­entwick­lung für Indizes mit Euro-Staats­anleihen und US-Staats­anleihen (in Euro und in US-Dollar) ähnlich.
  • Anleger aus dem Euroraum, die US-Staats­anleihen halten, müssen mit deutlich mehr Schwankungen rechnen. Mal gewinnen sie wegen der Wechsel­kurs­änderungen, mal verlieren sie.

Tipp: Wir empfehlen für den Sicher­heits­baustein im Portfolio Zins­produkte, die in Euro notieren, also Euro-Tages­geld, Euro-Fest­geld oder – wenn man das Zins­änderungs­risiko verkraftet – ETF mit Euro-Staats­anleihen.

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Euro-Anleihen: Auswirkungen der Leitzins­erhöhung

(09.09.2022)

Die Europäische Zentral­bank EZB hat den Leitzins um 0,75 Prozent­punkte erhöht – einen so großen Zins­schritt gab es noch nie seit Einführung des Euro-Bargelds. Dies wird auch Auswirkungen auf die Anleihenzinsen haben und damit auf die Wert­entwick­lung von Anleihen-Fonds und -ETF.

Wir werfen in der folgenden Chart-Analyse zunächst einen Blick auf den historischen Verlauf der Leitzinsen aus dem Euroraum, den USA und dem Vereinigten Königreich. Wir betrachten dann die Zins- und Wert­entwick­lung von Anleihenindizes verschiedener Euroländer, sowohl kurz­fristig über das vergangene Jahr als auch lang­fristig seit Anfang 2000.

Leitzinsen im Rück­spiegel

Die EZB hat lange gewartet mit einer Erhöhung des Leitzinses. Von 2016 bis Juli 2022 lag der Leitzins im Euroraum bei Null. In den USA und im Vereinigten Königreich hatten die Zentral­banken die Zinsen früher erhöht.

Wussten Sie schon?

  • Die EZB, Zentral­bank des Euroraums, legt drei Zins­sätze fest. Der wichtigste Zins­satz zur Steuerung der Geldmenge ist der Leitzins, zudem sich Banken an fest­gelegten Terminen Geld von der Zentral­bank leihen können. Diesen Zins nennt man auch „Zins­satz für das Haupt­refinanzierungs­geschäft“. Bei der EZB gibt es außerdem noch den „Zins­satz für die Spitzenre­finanzierung“ zur kurz­fristigen Über­nacht­finanzierung. Haben die Banken statt Liquiditäts­bedarfs hingegen gerade Geld über, achten sie auf den „Zins­satz für Einlagen“, zu dem sie über Nacht über­schüssiges Zentral­bank­guthaben anlegen können. Nach Entscheidung der EZB vom 08. September 2022 wird der Leitzins am 14. September auf 1,25 Prozent, der Spitzenre­finanzierungs­atz auf 1,5 Prozent und der Einlagenzins auf 0,75 Prozent steigen.
  • In den USA legt die Federal Reserve Bank, die amerikanische Zentral­bank, auch Fed genant, die „Federal Funds Rate“ fest. Das ist der Zielzins­satz, zudem sich Banken gegen­seitig kurz­fristig Geld leihen dürfen. Statt eines exakten Zins­satzes erlaubt die Fed eine Band­breite, aktuell liegt die „Fed Funds Rate“ zwischen 2,25 und 2,5 Prozent. Die Banken können in diesem Rahmen die tatsäch­lichen Zins­sätze unter­einander aushandeln. Den Durch­schnitt der so realisierten Zins­sätze nennt man „Effective Federal Funds Rate“ - das ist der Zins, den wir in unserem Chart unten darstellen. Außerdem setzt die Fed auch noch die „Discount Rate“ fest; das ist der Zins­satz, zudem sich die Banken kurz­fristig direkt von der Fed Geld leihen dürfen. Die „Discount Rate“ ist meist höher als die „Funds Rate“, um Banken zu ermuntern, sich gegen­seitig Geld zu leihen.
  • Im Vereinigten Königreich heißt der Leitzins „Official Bank Rate“. Er wird von der Bank of England bestimmt und definiert den Zins­satz, zudem sich Banken für einen Tag Geld von der Zentral­bank leihen können. Er ist vergleich­bar mit der amerikanischen „discount rate“ oder dem europäischen „Spitzenre­finanzierungs­satz“. Aktuell liegt die „Bank Rate“ bei 1,75 Prozent.

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Höhere Zinsen für Euroländer

Leitzins­änderungen führen nicht 1:1 zu Zins­änderungen am Anleihenmarkt. Mit einem höheren Leitzins erhöht sich jedoch der Druck auf die einzelnen Euro­staaten, für neu emit­tierte Anleihen höhere Zinsen zu zahlen. Das sorgt bei bereits umlaufenden, nied­riger verzinsten Anleihen für einen Kurs­rück­gang.

Die Zinsen für Staats­anleihen aus verschiedenen Euroländern sind unterschiedlich hoch und richten sich nach der Bonitäts­stufe der Länder. Deutsch­land muss beispiels­weise weniger Zinsen für seine Schulden zahlen als Italien mit einer schlechteren Bonitäts­note. Die Bonitäts­stufe wiederum hängt von der Schuldenquote ab.

Daher treffen Zins­erhöhungen die stark verschuldeten Staaten wie zum Beispiel Italien stärker. Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat betrug die italienische Schuldenquote Ende 2021 rund 150 Prozent des Wirt­schafts­leistung (BIP). Griechen­land war mit 193 Prozent des BIP am stärksten verschuldet, Estland mit 18,1 Prozent am wenigsten. In Spanien betrug die Schuldenquote 118 Prozent, in Frank­reich 113 Prozent und in Deutsch­land 69 Prozent.

Kurs­schwankungen am Anleihenmarkt

Wie die folgende Grafik zeigt, sind die Anleihezinsen in allen Euroländern zuletzt angestiegen. Für Rentenfonds bedeutet das zunächst einmal Minus: Die älteren, noch nied­riger verzinsten Papiere verlieren an Wert, wenn neue höher verzinste Papiere auf den Markt kommen. Der zweite untere Chart zeigt die Wert­entwick­lung der einzelnen Länderindizes Staats­anleihen Deutsch­land, Frank­reich, Spanien, Italien im Vergleich mit einem gemischten Euro-Staatsanleihenindex. Vor Kurs­verlusten bei steigenden Zinsen hatten wir in unserer Zins­analyse im März 2021 gewarnt. Wir haben die Zinswende-Analyse in diesem Jahr aktualisiert und beant­worten dort die Frage, ob sich Anleihen-ETF noch oder wieder lohnen.

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Ende eines langen Anstiegs

Anleger, die schon länger Rentenfonds im Portfolio haben, können sich noch an jahre­lange Kurs­zuwächse erinnern. Der nächste Chart zeigt die Entwick­lung der Anleihezinsen seit Beginn des Jahr­tausends. Gut zu erkennen sind die Verwerfungen, die die Eurokrise mit sich brachte. Damals stiegen die Renditen italienischer und spanischer Anleihen stark an. Die Grafik darunter zeigt die Wert­entwick­lung der verschiedenen Anleihenindizes. Die zuvor seit 2015 erzielten Kurs­gewinne sind bereits abge­schmolzen.

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Pantoffel-Einmal­anlage: Nach­haltig liegt vorn

(02.09.2022)

Das beliebte Pantoffel-Portfolio lässt sich problemlos auch mit nach­haltigen oder ESG-ETF umsetzen. ESG steht für Environment, Social, Gover­nance – Umwelt, Soziales und Unter­nehmens­führung. Rendi­tee­inbußen brauchen Anle­gerinnen und Anleger dabei nicht zu befürchten, ganz im Gegen­teil. In nahezu allen untersuchten Zeiträumen schnitt die grüne Variante des Welt-Pantoffel-Portfolios besser ab als die konventionelle (siehe Tabelle). Lediglich die aktuellen Jahres­renditen sind beim grünen Portfolio schlechter als beim konventionellen. Das Problem sind die Ölkonzerne, deren Kurse wegen des Ukraine-Krieges stark gestiegen sind. Davon profitieren jedoch nur die konventionellen ETF, die nach­haltigen – zumindest die strengsten – haben fossile Energien ausgeschlossen.

Grünes Welt-Pantoffel-Portfolio

Analysiert haben wir zum einen das klassische Welt-Pantoffel-Portfolio, das aus einem welt­weit anlegenden ETF als Rendite­baustein besteht. Wir empfehlen hierfür ETF mit der Auszeichnung 1. Wahl. Sie sind typisch für den Markt und entwickeln sich ähnlich wie der Index MSCI World. Sie finden die infrage kommenden Welt-ETF in unserem Fondsfinder.

Auch einige markt­breite nach­haltige ETF sind 1. Wahl. Die strengsten haben wir mit drei Nach­haltig­keits­punkten bewertet. Mehr Informationen zu nach­haltigen ETF erhalten Sie in unserem aktuellen Test Nachhaltige Fonds und ETF: Mit welchen Fonds Sie wirklich grün anlegen.

Renditekick mit Sonne und Wind

Zum anderen haben wir eine sogenannte Super-ESG-Pantoffel-Variante untersucht. Hier besteht der Rendite­baustein aus einem ETF auf einen Welt­aktien­index gemischt mit einem ETF, der auf Aktien der Neue-Energien-Branche setzt. Das Ergebnis der Simulations­rechnung: In allen dargestellten Anlage­zeiträumen, auch im vergangenen Jahr, brachte die Super-ESG-Variante die beste Rendite, allerdings sind hier die Verlustrisiken auch am höchsten. Das lässt sich an der schlechtesten Jahres­rendite ablesen. Darum empfehlen wir Branchenfonds nur zur Beimischung. Wissens­wertes über Neue-Energien-Fonds lesen Sie in dem Beitrag Erneuerbare Energien: Raus aus Öl und Gas.

Tages­geld für die Stabilität

In allen Fällen haben wir für den Sicher­heits­baustein mit Tages­geld gerechnet. Auch hier haben Anlegende die Wahl zwischen herkömmlichen Konten und nachhaltigen Angeboten.

Die Analyse im Detail

Klassisch, nach­haltig – oder sogar super nach­haltig? Die Tabelle zeigt, wie die verschiedenen Portfolios im Vergleich abge­schnitten haben. Wir haben dabei die verschiedenen Risikovarianten des Pantoffel-Portfolios untersucht: defensiv, ausgewogen und offensiv. Auf die zugrunde liegenden Nach­haltig­keits­indizes – MSCI World SRI und MSCI All Country World SRI (MSCI ACWI SRI) – gibt es direkt keine ETF, nur auf Varianten davon.

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild test_de-Projektleiter_Krueger am 01.10.2022 um 23:32 Uhr
Geldentwertung?

@Heiner52: Sie finden unsere Beiträge zum Thema Inflation jetzt unter folgenden Links:
www.test.de/Inflation
www.test.de/Inflation-was-Sie-gegen-den-Preisauftrieb-tun-koennen-5887594-0/

Heiner52 am 01.10.2022 um 19:57 Uhr
Geldentwertung?

Wie kann man das Thema Zinsen und Renditen ohne Erwähnung der Inflation betrachten? Hier, bei Stiftung Warentest.

siriustag21 am 22.07.2022 um 13:24 Uhr
Ab 27. Juli senkt die EZB den Einlagezins auf 0%


Jetzt sollten die Banken und Sparkassen das Verwahrgelt spätestens zum 27 Juli 2022 abschaffen, da die Begründung dafür entfällt. Meine Geldanlage bleibt aber bei dem Geldinstitut, das in den letzten Jahren von mir kein Verwahrgelt gefordert hat.

siriustag21 am 22.07.2022 um 13:19 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 11.05.2022 um 17:55 Uhr
Morgan Stanley Global Opportunity halten?

@Franz_X: Danke für Ihre Frage zum Fonds Morgan Stanley Global Opportunity. Wir haben eben (11.5.22) auf dieser Seite eine kurze Analyse zu diesem Fonds und möglichen Alternativen veröffentlicht.