Zins­wende, Energiekrise, Börsental­fahrt

Beiträge August: Pantoffel-Portfolio

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Zins­wende, Energiekrise, Börsental­fahrt - Hohe Zinsen und Staats­verschuldung: Ein Vergleich mit der Finanz­krise
Zins­erhöhung. Steigende Zinsen lassen Anleihen-ETF zunächst ins Minus rutschen, ehe die Renditen wieder positiv werden.
Inhalt

Pantoffel-Entnahme­plan im Realitätscheck

(25.08.2022)

120 000 Euro anlegen, über die nächsten 20 Jahre verteilt insgesamt 120 000 Euro entnehmen – und am Ende 120 000 Euro übrig haben? Als anschauliches Beispiel für einen Pantoffel-Entnahmeplan hatten wir diese Rechnung mit Daten aus der Vergangenheit im Juni 2017 in Finanztest präsentiert. Ein Leser fragt uns nun, ob diese Berechnungen heute noch realistisch seien – und wie ein Entnahme­plan seit 2017 gelaufen wäre, wenn man unserem Ratschlag gefolgt wäre. Wir machen daher den Realitätscheck und zeigen, wie sich Pantoffel-Entnahme­pläne in Zeiten von Corona-Krise und Russ­land-Ukraine-Krieg entwickelt hätten.

Fixe oder flexible Entnahme

Unsere Leser wissen: Bei einem Pantoffel-Entnahmeplan können sie die Höhe der Entnahme über die Lauf­zeit fixiert lassen oder flexibel gestalten. Wir empfehlen grund­sätzlich die flexible Entnahme­strategie mit Sicher­heits­puffer, und zwar aus drei Gründen:

  • die Rente mit Puffer reicht sicher über die gewünschte Lauf­zeit,
  • die Rente mit Puffer wird aller Wahr­scheinlich­keit nach steigen,
  • die Rente mit Puffer wird kaum sinken, solange die Märkte während der Lauf­zeit nicht stärker einbrechen, als sie es jemals in den schlimmsten Krisen der Vergangenheit getan haben.

In unserer Veröffent­lichung im Jahr 2017 hatten wir jedoch noch nicht die flexible Puffer-Strategie vorgestellt. Damals zeigten wir, wie sich ein Entnahme­plan mit fester Rentenhöhe entwickelt hätte. Eine Entnahme mit fixer Entnahme­höhe ist relativ einfach umzu­setzen, allerdings stellt sich die große Frage: Wie hoch darf denn die monatliche Entnahme sein?

  • Ist die monatliche Rente zu hoch angesetzt, ist das Vermögen vorzeitig aufgebraucht, gerade wenn es einen starken Einbruch an der Börse gibt.
  • Ist sie zu nied­rig angesetzt, wird am Ende zu viel übrig sein – und man hat während der Lauf­zeit auf zu viel Rente verzichtet.

Um die Höhe der monatlichen Entnahme zu fest­zulegen, spielt die lang­fristige erwartete Rendite eine wichtige Rolle. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatten wir damals vorgeschlagen, eine sehr nied­rige lang­fristige Rendite anzu­nehmen – zum Beispiel null Prozent. In der Veröffent­lichung 2017 kamen wir so auf 500 Euro monatlich für eine Rente über 20 Jahre (120 000 Euro Anfangs­vermögen geteilt durch 240 Monate). Zum Vergleich: Historisch gesehen gab es mit dem MSCI World selbst im schlechtesten 20-Jahres­zeitraum drei Prozent pro Jahr Rendite. In unserer rück­wärts schauenden Simulation für den Zeitraum 1997 bis 2017 konnten wir damals dann auch zeigen: Wer 120 000 Euro anlegt und monatlich 500 Euro entnimmt, hat nach 20 Jahren mehr als 120 000 Euro übrig – eben weil die Aktienmärkte lang­fristig mehr als null Prozent bringen, trotz aller Krisen.

Ergeb­nisse: Pantoffel-Entnahme­plan besteht Realitätscheck

Wie wäre nun ein Entnahme­plan seit 2017 gelaufen, der so ausgestaltet worden wäre, wie von uns vorgerechnet? Um die Frage zu beant­worten, simulieren wir Entnahme­pläne mit fixer Entnahme über die vergangenen fünf Jahre – und vergleichen sie zusätzlich mit Entnahme­plänen mit flexibler Entnahme.

Fazit zur fixen Entnahme von 500 Euro monatlich

  • Trotz Corona-Krise und Ukraine-Krieg – wer sich für ein Pantoffel-Portfolio mit ausgewogener Mischung (50 Prozent Aktien und 50 Prozent Tages­geld) oder mit offensiver Mischung (75 Prozent Aktien und 25 Prozent Tages­geld) mit 120 000 Euro Start­vermögen entschieden und monatlich über die vergangenen fünf Jahr 500 Euro entnommen hat, hat aktuell mehr Vermögen im Portfolio als zu Beginn. Im ausgewogenen Portfolio sind es rund 130 000 Euro, im offensivem Pantoffel sogar 150 000 Euro. Die Strategie mit fixer Entnahme besteht also bisher den realen Stress­test!

Fazit zur flexiblen Entnahme mit Puffer

  • Wer sich an unsere Puffer­regeln gehalten hätte, könnte bei allen Pantoffel-Varianten mitt­lerweile sogar mehr als 500 Euro monatlich entnehmen. Bei den Puffer-Varianten starteten Anle­gerinnen je nach Portfolio­ausrichtung zwar mit einer geringeren monatlichen Rente als 500 Euro, nach den ersten fünf Jahren liegt die Durch­schnitts­rente jedoch über­all fast bei 500 Euro. Wie hoch die Entnahme ausfällt, können sich Anleger mit unserem Entnahme-Rechner ausrechnen.
  • Auch hier ist zudem bei den ausgewogenen und offensiven Portfolios mehr Vermögen vorhanden als am Anfang.

Die folgenden Tabellen und Charts zeigen die detaillierten Ergeb­nisse der Simulationen. Wir stellen die durch­schnitt­lichen Portfoliorenditen dar, das aktuelle Vermögen und die Rentenhöhen, jeweils zu Beginn, aktuell und im Durch­schnitt. Zudem zeigen wir, wie stark die Renten zwischen­zeitlich fielen (nur relevant für die flexible Puffer­strategie) und wie aufwendig die Pflege war (Anzahl der Anpassungen).

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Realitätscheck seit 2017 - so haben wir gerechnet

Hier sind die genauen Modalitäten unserer Berechnung:

Entnahme­strategien

  • Fixe Entnahme: die Entnahme­höhe ist auf 500 Euro fixiert.
  • Flexible Puffer-Entnahme: Die Entnahme­höhe wird während der Lauf­zeit flexibel entsprechend unserer Puffer-Regeln angepasst. Der Entnahme­plan ist auf 20 Jahre ausgelegt.

Lauf­zeit

  • Alle Simulationen erfolgen über fünf Jahre, vom 31. Juli 2017 bis zum 31. Juli 2022.

Anfangs­kapital

  • Das Anfangs­kapital beträgt 120 000 Euro.

Portfolio-Struktur

  • Das zugrunde liegende Pantoffel-Portfolio kann defensiv, ausgewogen oder offensiv aufgestellt sein. Die Aktienquote beträgt also 25, 50 oder 75 Prozent. Der Sicher­heits­baustein wird mit Tages­geld gefüllt, der Rendite­baustein mit einem ETF auf den MSCI World.
  • Zum Vergleich zeigen wir auch noch den Verlauf für ein reines Tages­geld­konto und einen MSCI World-ETF.

Entnahme-Topf

  • Die Entnahme erfolgt immer aus dem Tages­geld. Das hat zwei Vorteile: Erstens vermeidet man so unnötig hohe Order­gebühren für kleine Ordervolumen, zweitens erhöht man so die Rendite­chancen, weil tendenziell mehr Geld im Aktien-ETF bleibt. Ausnahme: Beim reinen Aktien-ETF-Portfolio kann die Rente nicht aus dem Tages­geld­konto entnommen werden, hier veranschlagen wir Entnahme­plan­kosten von 0,45 Prozent.
  • Da weiterhin die Pantoffel-Regeln gelten, nach denen man bei zu starker Abweichung der Portfolioallokation von der Zielgewichtung umschichten muss, wird der Tages­geldtopf wenn nötig aufgefüllt.

Pantoffel-Portfolio: Mit Tages­geld oder mit Anleihen-ETF

(05.08.2022)

Beim Pantoffel-Portfolio haben Sie die Wahl: Sie können den Sicher­heits­baustein mit Tages­geld bestü­cken oder auch mit einem Euro-Anleihen-ETF. Wir zeigen im Vergleich die Vor- und Nachteile beider Varianten.

Kein Kurs­risiko bei Tages­geld

Tages­geld brachte zwar die vergangenen Jahre kaum Zinsen, dafür gibt‘s hier kein Kurs­risiko. Sofern man Konten mit negativen Zinsen vermeidet, rutscht man mit dem Vermögen auf dem Tages­geld nominal nicht ins Minus. Bei Anleihen-ETF sieht es dagegen anders aus. Sie können zumindest zeit­weise Verluste ausweisen, zum Beispiel dann, wenn am Markt die Zinsen steigen.

Anleihen-ETF verbuchten lange Zeit Kurs­gewinne

Jahre­lang lief es umge­kehrt. Anleihen-ETF verbuchten enorme Kurs­gewinne, weil die Zinsen immer weiter fielen. In der Rück­schau sahen Anleihenfonds im Vergleich zu Tages­geld daher lange Zeit besser aus. Wir haben uns dennoch schon vor Jahren entschieden, für die Pantoffel-Simulationen Tages­geld statt Rentenfonds zu nutzen. Die Vergangen­heits­renditen der Anleihen waren nicht für die Zukunft zu erwarten. Je weiter die Zinsen fielen, desto größer wurde das Zins­änderungs­risiko. Vor zirka andert­halb Jahren haben wir schließ­lich von Rentenfonds abge­raten. In den vergangenen Monaten ist einge­treten, wovor wir gewarnt haben: Die Zinsen sind gestiegen – und Rentenfonds haben zeit­weise über 10 Prozent verloren.

Anleger können Renten-ETF behalten

Mitt­lerweile sehen wir die Situation bei den Rentenfonds nicht mehr so kritisch. Wer mindestens fünf Jahre Zeit hat und weitere vorüber­gehende Einbußen im einstel­ligen Bereich verkraften kann, kann wieder in Renten-ETF investieren. Wer nie aus Renten-ETF raus­gegangen ist, kann nun auch drin bleiben. Ausnahme: Für Pantoffel-Entnahme­pläne empfehlen wir weiterhin Tages­geld als Sicher­heits­baustein oder eine Mischung aus Tages­geld und Renten-ETF.

Vergleich Rentenfonds versus Tages­geld

Wir zeigen über einen Zeitraum von 20 Jahren, wie sich ein Welt-Pantoffel-Portfolio mit Tages­geld im Vergleich zu einem Welt-Pantoffel mit einem Euro-Staats­anleihen-ETF entwickelt hätte.

Die folgende Tabelle gibt einen Über­blick über die Renditen für verschiedene Zeiträume, der Chart darunter macht die Wert­entwick­lung im Zeit­verlauf trans­parent. Zum Vergleich bietet der Chart auch die Wert­entwick­lung von Tages­geld, einem Euro-Staats­anleihen-ETF und einem MSCI World-ETF.

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Der Pantoffel-Mix hat funk­tioniert

  • Über längere Zeiträume ab zehn Jahre liegt der Pantoffel mit Anleihen vor dem Pantoffel mit Tages­geld. Dies liegt an der höheren Rendite der Anleihen-ETF im Zeitraum der Zins­senkungen. Der ausgewogene Pantoffel mit Anleihen brachte über 10 Jahre 7,6 Prozent Rendite pro Jahr – trotz Corona- und Ukraine-Krise. Der ausgewogene Pantoffel mit Tages­geld erzielte über zehn Jahre eine jähr­liche Rendite von 6,6 Prozent.
  • Betrachtet man die vergangenen fünf Jahre, liegen das Pantoffel-Portfolio mit dem Tages­geld und das mit den Anleihen-ETF gleich­auf.
  • In den jüngeren Jahren wäre Tages­geld die bessere Wahl gewesen. Anleihen-ETF verloren bis zu 13 Prozent inner­halb eines Jahres. Was Anleihen-Investoren trösten kann: Die Pantoffel-Mischung hat trotzdem funk­tioniert, wie folgender Vergleich der schlechtesten Jahres­rendite zeigt: Mit einem Aktien-ETF allein hätten Anleger auf Jahres­sicht 38 Prozent verlieren können. Im Mix mit Tages­geld betrug der schlimmste Jahres­verlust 18,4 Prozent, im Mix mit Anleihen sogar „nur“ 16,5 Prozent.
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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild test_de-Projektleiter_Krueger am 01.10.2022 um 23:32 Uhr
Geldentwertung?

@Heiner52: Sie finden unsere Beiträge zum Thema Inflation jetzt unter folgenden Links: https://www.test.de/Inflation-So-schuetzen-Sie-Ihr-Geld-5798291-0/
https://www.test.de/Inflation-was-Sie-gegen-den-Preisauftrieb-tun-koennen-5887594-0/

Heiner52 am 01.10.2022 um 19:57 Uhr
Geldentwertung?

Wie kann man das Thema Zinsen und Renditen ohne Erwähnung der Inflation betrachten? Hier, bei Stiftung Warentest.

siriustag21 am 22.07.2022 um 13:24 Uhr
Ab 27. Juli senkt die EZB den Einlagezins auf 0%


Jetzt sollten die Banken und Sparkassen das Verwahrgelt spätestens zum 27 Juli 2022 abschaffen, da die Begründung dafür entfällt. Meine Geldanlage bleibt aber bei dem Geldinstitut, das in den letzten Jahren von mir kein Verwahrgelt gefordert hat.

siriustag21 am 22.07.2022 um 13:19 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 11.05.2022 um 17:55 Uhr
Morgan Stanley Global Opportunity halten?

@Franz_X: Danke für Ihre Frage zum Fonds Morgan Stanley Global Opportunity. Wir haben eben (11.5.22) auf dieser Seite eine kurze Analyse zu diesem Fonds und möglichen Alternativen veröffentlicht.