Wer angesichts des Kriegs im Irak eine Reise in die Türkei, nach Zypern oder Marokko stornieren möchte, ist auf die Kulanz des Reiseveranstalters angewiesen. Einen Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Rücktritt gibt es nämlich nur, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausspricht. Und die gibt es für diese Länder zurzeit nicht. Allerdings bieten viele Veranstalter bei Reisen in betroffene Regionen Umbuchungen und teilweise auch kostenlose Stornierungen an.

Reisewarnungen

Derzeit warnt das Auswärtige Amt vor Reisen nach Afghanistan, Angola, an die Elfenbeinküste, nach Haiti, in den Irak, den Jemen, den Kongo, nach Liberia, Somalia und in die Zentralafrikanische Republik. Zusätzlich hat es am 18. März einen Hinweis ausgesprochen, dass sich weltweit die Gefahr terroristischer Anschläge erhöhe. Dieser Hinweis ist aber keine Reisewarnung und verpflichtet Reiseveranstalter nicht, Angebote zum Beispiel in die USA zurückzuziehen.

Rechtslage

Das deutsche Reiserecht kennt als Grund für kostenloses Storno nur „höhere Gewalt“, also zum Beispiel Kriege und Naturkatastrophen. Das allgemeine Lebensrisiko muss unzumutbar hoch sein, verursacht durch unvorhersehbare und nicht zu beeinflussende Ereignisse. In der Praxis ist umstritten, wann dieser Fall eintritt. Eindeutig ist die Regelung nur bei offiziellen Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes: Dann können Urlauber kostenlos stornieren oder umbuchen.

In anderen Fällen, wie bei den Anschlägen auf Bali, in der Türkei oder Ägypten, gab es keine Reisewarnung. Dennoch konnten Urlauber von einer Reise nach Bali kostenlos zurücktreten. Das Ministerium hatte nämlich von Reisen abgeraten. Reiserechtler interpretierten dies wie eine Reisewarnung. Dagegen gab es für die Türkei und Ägypten keine Storno-Möglichkeit.

Tipp: Reiserechtler wie Professor Ernst Führich raten dazu, bei einer Stornierung vor Reiseantritt keine Kosten zu übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt habe der Urlauber noch keine Leistung in Anspruch genommen und der Veranstalter müsse das Risiko selbst tragen, so Führich. Nach Antritt der Reise würden anteilig Flug- und Hotelkosten bis zum Reiseabbruch fällig.

Nur Flug gebucht

Pech hat, wer nur den Flug gebucht hat. Auch bei höherer Gewalt gilt der kostenlose Kündigungsfall nur für Pauschalreisen mit Flug und Unterkunft. Die Luftfahrtgesellschaften geben Auskunft, ob sie Storno oder Umbuchung auf dem Kulanzwege zulassen. Auskunft über Unregelmäßigkeiten des Flugverkehrs geben die Airlines unter ihren Servicenummern (Zentrale Info-Nummer: 01805-FRAINFO).

Reiserücktrittsversicherung

Aus Angst vor Krieg und Terror eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen, nützt nichts. Bewaffnete Auseinandersetzungen erkennen die Versicherer nicht als Haftungsgründe an.

Kostenpflichtiger Storno

Selbstverständlich kann jeder eine bereits gebuchte Reise kostenpflichtig stornieren. Dann verlangt der Veranstalter allerdings hohe Gebühren. Die üblichen Sätze sind:

  • 15 Prozent bis 30 Tage vor Reisebeginn;
  • 20 Prozent bis 22 Tage vor Reisebeginn;
  • 30 Prozent bis 15 Tage vor Reisebeginn;
  • 45 Prozent bis 7 Tage vor Reisebeginn.
  • 55 Prozent bis 6 Tage vor Reisebeginn.

Dieser Artikel ist hilfreich. 470 Nutzer finden das hilfreich.