Viele erfüllen sich den Traum von einer Kreuz­fahrt. Damit die Kosten nicht ausufern, sollten Einsteiger einiges beachten.

Die Dimensionen sind gewaltig: 18 Decks hoch, 362 Meter lang und 47 Meter breit. Die Allure of the Seas der Reederei Royal Caribbean International ist das größte Kreuz­fahrt­schiff der Welt. Es bietet Platz für bis zu 5 400 Gäste, um die sich rund 2  400 Besat­zungs­mitglieder kümmern. Damit es den Reisenden an Bord nicht lang­weilig wird, stehen ihnen unter anderem eine 25 Meter lange und neun Decks hohe Seil­rutsche zur Verfügung, ein Aqua-Theater, zwei Surfsimulatoren, Kletterwände, eine Eislaufbahn, ein 3D-Kino und ein „Central Park“ mit mehr als 12 000 echten Bäumen und Pflanzen. Die Gäste können zwischen 20 Restaurant­optionen auswählen, teil­weise mit Zuzahlung.

Auf den Welt­meeren kreuzen immer mehr dieser schwimmenden Klein­städte. Die Branche meldet jedes Jahr neue Rekorde. 2014 unter­nahmen 1,77 Millionen Deutsche eine Kreuz­fahrt – fast doppelt so viele wie vor sechs Jahren. Damit ist Deutsch­land erst­mals vor Groß­britannien Kreuz­fahrt-Europameister geworden.

Trinkgeld und Tisch­getränke

Für diejenigen, die mit einer Kreuz­fahrt lieb­äugeln, haben wir eine Über­sicht von sieben für den deutschen Markt bedeutenden Reedereien zusammen­gestellt. Die Angaben stammen von den Anbietern. Außerdem haben wir über­prüft, ob es bei der Online­buchung von Kreuz­fahrten unerwartete Fallen gibt. Dazu später mehr.

Die Angebote der Reedereien unterscheiden sich vor allem bei der Größe der Schiffe, beim Konzept und bei den Neben­kosten. Die Anbieter Aida und Tui Cruises sind mit eher kleineren Schiffen bis maximal 2 500 Passagiere unterwegs. Sie schließen mehr Leistungen als andere in den Pauschal­preis ein. Tui kreuzt als Einziger mit einem All-inclusive-Konzept, bei dem sich die Neben­kosten fast ausschließ­lich auf Ausflüge und Well­ness­anwendungen beschränken. Hapag Lloyd hat sich auf kleinere Expeditions- und Luxusschiffe spezialisiert.

Die Reedereien Costa Crociere und MSC Cruises setzen auf größere Schiffe mit bis zu 4 900 Gästen. Trinkgeld und Tisch­getränke sind bei ihnen nicht im Pauschal­preis inbegriffen. So kalkulieren auch die Reedereien aus Übersee, die teil­weise mit noch größeren Schiffen unterwegs sind. Eine deutsch­sprachige Betreuung bieten alle, Eng­lisch­kennt­nisse sind aber hilf­reich.

An Kreuz­fahrten scheiden sich die Geister. Wofür sich die einen begeistern, ist für andere ein Beispiel für abschre­ckenden Massen­tourismus. In Deutsch­land waren Schiffs­reisen lange auf einen kleinen, elitären Kreis beschränkt – meist gut betuchte, nicht mehr ganz junge Urlauber. Elegante Kleidung und als Höhe­punkt das Captains Dinner bestimmten das Leben an Bord.

Jetzt auch Rocker auf See

Mit dem ersten Aida-Clubschiff 1996 änderte sich vieles. Aida über­nahm das amerikanische Konzept der „Spaß-Schiffe“ mit einer ungezwungenen und lockeren Atmosphäre, die auch jüngere Gäste ansprach. Seither ist die Zahl der Kreuz­fahrt­fans stetig gewachsen. Auch die Katastrophe der Costa Concordia im Januar 2012, bei der 32 Menschen ums Leben kamen, hat daran nichts geändert. Tui Cruises schafft es sogar, Rocker für die Kreuz­fahrt zu begeistern. Im April stach die zweite Full Metal Cruise in See mit 2 000 Metal-Fans und 32 000 Litern Bier an Bord.

Ab Hamburg, Kiel, Warnemünde

Urlauber bewerten fast alle Schiffe positiv – jedenfalls wenn man sich die Kundenbe­wertungen beim Reiseportal Holidaycheck.de ansieht und bei dem auf Kreuz­fahrten spezialisierten Portal e-hoi.de. Die Luxusdampfer von Hapag Lloyd und die Ozeanriesen von Norwegian und Royal Cari­bean liegen laut den Kundenbe­wertungen knapp vorn, ältere und kleinere Schiffe kommen tendenziell etwas schlechter weg.

Wer die Anfahrt kurz halten will, kann einen deutschen Abfahrts­hafen wählen. Außer Royal Caribbean bieten alle befragten Reedereien Fahrten ab Deutsch­land an, ab Hamburg, Kiel oder Warnemünde. Mittel­meer­kreuz­fahrten starten oft in Barcelona, Malta, Mallorca, Civita­vecchia (Rom) oder Venedig – alles interes­sante Urlaubs­ziele, die sich für einen Anschluss­auf­enthalt anbieten. Alle Reedereien bieten entsprechende Reisepakete an.

Zusatz­angebote gehen ins Geld

Die Kosten für eine Kreuz­fahrt setzen sich aus vielen Einzel­posten zusammen. Mit dem Pauschal­preis ist es noch nicht getan. Der deckt meist die Unterbringung in der gewählten Kabinenkategorie ab sowie Voll­pension, viele Sport- und Unterhaltungs­angebote. Hinzu kommt die Bord­rechnung. Sie umfasst meist das Trinkgeld, Kosten für Getränke, Well­ness­anwendungen und Ausflüge. Wer noch Souvenirs und Fotos kauft, WLan nutzt oder in kosten­pflichtigen Restaurants isst, muss deutlich mehr zahlen. Laut Insidern bestreiten die Reedereien ein Drittel ihres Umsatzes mit den Zusatz­angeboten an Bord. Kosten für die An- und Abreise fallen auch noch an.

Stich­probe Online­buchung

Viele Kreuzfahrer ordern den Urlaub im Reisebüro. Buchungen im Internet nehmen aber deutlich zu. Online können die Interes­senten entweder direkt bei der Reederei oder auf speziellen Kreuz­fahrt­portalen buchen. Wie das funk­tioniert, haben wir mit einer Stich­probe bei fünf Anbietern im April 2015 untersucht: www.e-hoi.de, www.dreamlines.de, www.kreuzfahrten.de, www.kreuzfahrtberater.de und www.kreuzfahrtschnaeppchen.de.

Die Hand­habung der Seiten ist meist problemlos, aber sie sind nicht immer aktuell – und oft kann man gar nicht direkt online buchen. Wir haben bei jedem Portal den Buchungs­prozess für fünf Kreuz­fahrten bis kurz vor Abschluss über­prüft. Keines versuchte, dem Kunden Zusatz­kosten oder eine Versicherung unter­zuschieben. Eine Buchung aller fünf Reisen wäre aber nur bei Kreuz­fahrten.de und bei den Reedereien direkt (Aida, Costa, MSC, Norwegian, Tui) möglich gewesen, der Preis war in jedem Fall identisch. Bei e-hoi.de waren drei der fünf Reisen buch­bar, zwei davon kosteten 40 beziehungs­weise 100 Euro weniger als bei den Reedereien. Bei Kreuz­fahrt­berater.de, Dream­lines.de und Kreuz­fahrt­schnaepp­chen.de hätten wir die Buchung nur selten online abschließen können. Entweder waren die Reisen ausgebucht oder es gab nur die Möglich­keit, eine Anfrage an das Onlineportal zu stellen. Eine Buchungs­anfrage haben wir exemplarisch abge­schickt – an Dream­lines.de. Das Angebot, das wir per E-Mail erhielten, entsprach dem, was bei anderen Portalen und bei der Reederei direkt online buch­bar war.

Klima­schädliche Abgase

Selbst wenn ihre Offerten weit­gehend stimmig sind, ein Problem haben die Kreuz­fahrtanbieter – ein Umwelt­problem. Der Natur­schutz­bund Deutsch­land (Nabu) kritisierte gerade die „schamlosen Verschmut­zungs­privilegien“ der Branche. Die Schiffe seien für bis zu 13 Prozent der welt­weiten Dieselruß­emissionen verantwort­lich. Der Grund: Kreuz­fahrt­schiffe fahren meist mit billigem Schweröl, einem umwelt- und gesund­heits­schädlichen Abfall­produkt der Ölindustrie, so der Nabu.

Die Reedereien beteuern, dass sie das Problem angehen, da eine intakte Umwelt für Kreuz­fahrt­unternehmen lebens­wichtig sei. Einige Schiffe sind mit Abgas­reinigungs­anlagen, sogenannten Scrubbern, ausgestattet, die Schad­stoffe aus den Abgasen filtern. Andere fahren mit nied­rig-schwefeligem Diesel­brenn­stoff – aber bei weitem nicht alle.

Der Fall Aida zeigt, dass die Branche lern­fähig ist. 2011 erhielt die Reederei von den Nabu-Naturschützern den Umwelt-Negativ­preis „Dinosaurier des Jahres“. Mit der glaubwürdigen Ankündigung, umfassende Abgas­technik auf allen Schiffen einzubauen, setzte sich Aida 2014 an die Spitze des aktuellen Nabu-Kreuz­fahrt-Rankings.

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