Auszahlungen von Auseinandersetzungsguthaben in Raten an 80.000 Anleger verstoßen gegen das Kreditwesengesetz. Die Gesellschaft muss in einer Summe auszahlen ­ Göttinger wehren sich.

Die Praxis der Securenta Göttinger Immobilienanlagen und Vermögensmanagement AG (Securenta AG) und der Göttinger Gruppe Holding KGaA, atypisch stille Beteiligungen nach Ablauf der Verträge in Raten zurückzuzahlen, verstößt gegen das Kreditwesengesetz. Das hat das Bundes- aufsichtsamt für das Kreditwesen (BaKred) in Berlin mitgeteilt. Die Aufsichtsbehörde hat den Unternehmen der so genannten Göttinger Gruppe "mit sofort vollziehbarem Bescheid" die Auszahlung in Raten beim "PSP-System" (Pensions-Sparplan) und der "SecuRente" im November 1999 untersagt.

Die Verfügung des Aufsichtsamts bedeutet für etwa 80.000 Anleger, dass ihr Auseinandersetzungsguthaben nach Ablauf ihrer langfristigen Beteiligungsverträge nicht mehr verrentet werden darf, sondern in einer Summe ausgezahlt werden muss. Das Verbot der Auszahlung in Raten gilt auch für den Abschluss von Folgebeteiligungsverträgen zur Fortsetzung von Erstbeteiligungen, die mit der Langenbahn AG, der Göttinger Vermögensanlagen AG, der Göttinger Beteiligungs-AG und der Securenta AG, Segment VII, geschlossen wurden.

Stellungnahme aus Göttingen

In einer Stellungnahme hat der Vorstandssprecher der Göttinger Gruppe, Jürgen Rinnewitz, die Verfügung des Aufsichtsamts als "rechtsfehlerhaft" bezeichnet. Die ratierliche Auszahlung stelle kein "Zurückhalten des Auseinandersetzungsguthabens" dar, erklärte Rinnewitz. Die Göttinger Gruppe habe deshalb beim Berliner Verwaltungsgericht einen Eilantrag auf Aussetzung der sofortigen Vollziehbarkeit eingereicht. Bis zur abschließenden Klärung habe die Göttinger Gruppe jedoch eine Anpassung der Auszahlungsmodalität vorgenommen. Das Gesamtguthaben werde den Gesellschaftern jetzt ausschließlich in einer Summe ausgezahlt, betonte Rinnewitz.

Auswirkungen für Verträge

Für Anleger bedeutet die Verfügung der Behörde, dass das als zusätzliche Altersvorsorge beworbene Modell der Göttinger aus Sicht des Aufsichtsamts hinfällig ist.

Unklar ist derzeit, ob sie aufgrund der Verfügung eventuell die Rückabwicklung ihrer über 10 bis 40 Jahre laufenden Verträge fordern können. Zunächst sollten sie deshalb abwarten, ob das Verwaltungsgericht Berlin die Untersagungsverfügung der Behörde bestätigt.

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