So kommen Sie vorzeitig aus dem Kredit­vertrag

Ordentliche Kündigung. Einen Vertrag mit einem festen Zins können Kreditnehmer nach Ablauf von zehn Jahren ab voll­ständigem Empfang des Kredits mit einer Frist von sechs Monaten kündigen. Ein Kredit mit einem varia­blen Zins lässt sich dagegen stets mit einer Frist von drei Monaten kündigen.

Vertrags­aufhebung. Eine einvernehmliche Beendigung des Kredits ist jeder­zeit möglich. Die Bank oder Sparkasse wird aber nur zustimmen, wenn Sie im Gegen­zug eine üppige Entschädigung für entgangene Zinsen an sie zahlen. Die Höhe kann sie in solchen Fällen weit­gehend frei bestimmen. Bei alten Verträgen mit hohen Zinsen und noch langer Bindung sind das oft horrende Beträge.

Außer­ordentliche Kündigung. Etwas andere Regeln gelten, wenn der Kunde ein berechtigtes Interesse daran hat, einen Kredit mit festen Zinsen vor dem Ende der Zins­bindung zu kündigen. Dann muss die Bank ihn aus dem Vertrag entlassen und sich bei der Berechnung der Vorfälligkeits­entschädigung an die Vorgaben der Recht­sprechung halten. Ein berechtigtes Interesse hat der Kreditnehmer zum Beispiel, wenn er sein Haus verkaufen will oder das wegen Arbeits­losig­keit oder Trennung tun muss.

Vorfälligkeits­entschädigung. Kündigt ein Kunde aus einem berechtigten Interesse während der Zins­bindung, muss er der Bank nicht nur die Rest­schuld zahlen, sondern auch den Schaden ersetzen, den sie dadurch erleidet, dass ihr die im Vertrag vereinbarten Zins­zahlungen entgehen. Die Banken kalkulieren ihren Schaden so, dass sie mit der Wieder­anlage der gesamten Ablösesumme – restliche Kreditsumme plus Entschädigung – exakt die gleichen Einnahmen erzielen wie bei einer plan­mäßigen Fortsetzung des Darlehens.

Fehler. Einige Banken verlangen zu hohe Entschädigungen. Von dem Zins­schaden muss die Bank zum Beispiel den Betrag abziehen, den sie stets zum Ausgleich für das Ausfall­risiko einkalkuliert. Dieses Risiko fällt mit Rück­zahlung des Kredits weg. Gern vergessen Kredit­institute außerdem, die Sondertilgungs­rechte des Kunden einzurechnen. Das ist nach der Recht­sprechung eindeutig Pflicht. Die Bank muss unterstellen, dass der Kunde alle Sonderzahlungs­möglich­keiten voll­ständig ausnutzt. Hatte der Kunde das Recht, während der restlichen Kredit­lauf­zeit die Monats­raten zu erhöhen, mindert auch das die Vorfälligkeits­entschädigung der Bank. Kreditnehmer können mit dem Finanztest-Rechner Vorfälligkeitsentschädigung abschätzen, ob die Forderung der Bank korrekt ist.

Korrektur. Möglicher­weise korrigiert Ihre Bank oder Sparkasse die Abrechnung schon auf den Hinweis auf das abweichende Ergebnis bei der Benut­zung unserer Berechnung. Falls nicht, können Sie die Forderung der Bank bei der Verbraucherzentrale Bremen für 80 Euro genau prüfen lassen. Bleibt die Bank auch dann noch hart, bleibt Ihnen nur, sich an einen Rechts­anwalt zu wenden, der Erfahrungen im Streit um Immobilien­kredite hat. Zuvor sollten Sie die Bank oder Sparkasse per Einschreiben mit Rück­schein auffordern, das Ergebnis Ihrer Berechnung inner­halb von drei Wochen zu akzeptieren oder schon über­zahlte Beträge zu erstatten. Die Bank oder Sparkasse muss dann auch die Honorare für die außerge­richt­liche Tätig­keit Ihres Rechts­anwalts über­nehmen.

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