Kreditversicherung Test

Schutz auf Zeit. Bis das Haus abgezahlt ist, wird der Junge groß sein. So lange ist eine Restschuldversicherung wichtig.

Familien mit hohen Immobilienschulden brauchen eine günstige Restschuldversicherung. Sie übernimmt die weiteren Kreditraten, falls der Versicherte stirbt. In unserem Test kostet derselbe Schutz mal knapp 900 Euro und mal über 3 000 Euro.

Die Eltern und ihre zwei Kinder sind bereits vor elf Jahren in das eigene Haus eingezogen, doch bis ihr Baukredit von 100 000 Euro abgezahlt ist, wird es noch weitere elf Jahre dauern. Als plötzlich der Vater bei einem Unfall stirbt, fällt der Hauptverdiener der Familie aus.

Der Lohn aus der Halbtagsstelle der Mutter reicht nicht, die fälligen Kreditraten zu bezahlen: Obwohl die Hälfte der Kreditlaufzeit schon herum ist, hat die Familie bei einem Nominalzins von 5 Prozent immer noch eine Restschuld von 63 436 Euro.

Damit die Angehörigen in einer solchen Situation ihr Zuhause halten können, sollten Immobilienkäufer und Bauherren ihr Darlehen absichern: Sie können eine spezielle Risikolebensversicherung abschließen, bei der mit fallender Kreditschuld auch die Versicherungssumme sinkt – eine Restschuldversicherung.

Im Todesfall erhalten die Angehörigen die Versicherungssumme ausgezahlt. Je nach Police deckt sie die Kreditschuld komplett oder zumindest zum Großteil.

Wir haben uns die Angebote für diesen sinnvollen Schutz genauer angesehen und enorme Preisunterschiede festgestellt: Für das teuerste Angebot im Test müsste unser Beispielkunde bei der Axa über 3 000 Euro zahlen. Das ist mehr als das Dreifache dessen, was der günstigste Anbieter, die Europa, verlangt.

Vorhandenen Vertrag prüfen

Kreditkunden, die bereits eine Risikolebensversicherung zum Schutz der Familie abgeschlossen haben, sollten prüfen, ob die Versicherungssumme noch reicht: Kann die Familie damit den Lebensunterhalt finanzieren und zusätzlich den Kredit abzahlen?

Wenn nicht, ist weiterer Schutz nötig. Viele Versicherungsgesellschaften erlauben eine nachträgliche Erhöhung der Versicherungssumme ohne weitere Gesundheitsprüfung. Häufig begrenzen sie die Nachversicherungssumme jedoch, zum Beispiel auf 25 000 Euro. Die Alternative ist eine zusätzliche Restschuldversicherung.

Enorme Preisunterschiede

Wir haben die Angebote für Restschuldversicherungen von 29 Versicherern geprüft: Ein 35-jähriger Nichtraucher, der eine Kreditsumme von 100 000 Euro über eine Laufzeit von 22 Jahren absichern will, muss beim günstigsten Anbieter Europa 863 Euro bereit halten. Bei Ontos wären es 907 Euro, bei Hannoversche Leben 895 Euro. Die Axa hat das teuerste Angebot im Test. Hier benötigt unser Kunde 3 334 Euro.

Diese Preise gelten für Verträge, bei denen sich die Versicherungssumme jährlich genau an den Tilgungsplan anpasst. Nur damit hat der Kunde Gewissheit, dass im Ernstfall die Versicherungssumme tatsächlich die Kreditsumme deckt.

Um dies gewährleisten zu können, muss der Versicherer nicht nur die Gesamtlaufzeit des Darlehens kennen, sondern auch wissen, welcher Nominalzins vereinbart wurde und wie der Tilgungsplan aussieht.

Schutz muss zum Kredit passen

Für jedes Jahr der Vertragslaufzeit zahlt der Versicherte einen anderen Beitrag. Weil der Kunde älter wird, steigen zunächst die Beiträge, da sie vom Alter abhängen. Sobald jedoch die Restschuld stärker abnimmt, sinken die Beiträge deutlich.

Für den Preisvergleich ist somit nicht der Jahresbeitrag am Anfang entscheidend, sondern der Barwert aller zu zahlenden Beiträge. Er gibt an, wie viel Geld heute als Einmalbetrag nötig wäre, um die nach und nach fälligen Beiträge zu finanzieren.

Die Kreditkunden sollten sich für eine solche, genau auf sie zugeschnittene Restschuldversicherung entscheiden. Immerhin 16 der 29 getesteten Versicherer bieten diese Art an.

Legt der Versicherer stattdessen einen Vertrag vor, bei dem die Versicherungssumme jährlich um einen konstanten Beitrag sinkt, fragt der Kunde besser nach der anderen Variante.

Der Schutz mit konstantem Beitrag ist zwar günstiger, doch im Ernstfall kann eine große finanzielle Lücke bleiben, weil die Restschuld in den ersten Jahren deutlich langsamer sinkt als die Versicherungsleistung. In unserem Beispielfall müsste die Familie eine Lücke von über 13 000 Euro hinnehmen, wenn sie sich für den linear fallenden Versicherungsschutz entschieden hätte.

Während die Restschuld aus dem Baudarlehen nach elf Jahren noch bei über 63 000 Euro liegt, wäre die im Todesfall ausgezahlte Versicherungssumme nach der Hälfte der Laufzeit in gleichmäßigen Schritten von 100 000 Euro auf 50 000 Euro gesunken. Das Risiko einer solchen Finanzierungslücke hat die Familie nicht, wenn ihr Vertrag auf ihren Tilgungsplan zugeschnitten ist.

Nicht nur für den Hauptverdiener

Der Schutz einer Restschuldversicherung ist nicht nur für den Hauptverdiener einer Familie sinnvoll, sondern auch für den Partner, der meist die Kinder betreut und deshalb gar nicht oder nur Teilzeit arbeitet. Stirbt er, kann der überlebende Partner seinem Beruf vielleicht nicht mehr so wie bisher nachgehen: Weil er sich mehr um die Familie kümmern muss, fehlt womöglich ein Teil der Einnahmen. Deshalb sollten beide Partner einen Vertrag abschließen oder eine gemeinsame Police haben.

Eine Frau zahlt niedrigere Beiträge als ein Mann, weil ihre Lebenserwartung höher ist. Die Höhe der Beiträge richtet sich außerdem nach Alter und Gesundheitszustand des Versicherten.

Vor Vertragsabschluss müssen die Kunden Gesundheitsfragen beantworten. Falsche Antworten sollten sie auf jeden Fall vermeiden. Andernfalls riskieren sie, dass der Versicherer im Ernstfall nur die gezahlten Beiträge auszahlt, nicht jedoch die vereinbarte Todesfallleistung.

Von den Überschüssen profitieren

Weil die Versicherer ihre Beiträge vorsichtig berechnen, erwirtschaften sie Überschüsse, an denen sie die Kunden beteiligen müssen.

Die meisten Versicherer verrechnen die Überschüsse direkt mit den zu zahlenden Beiträgen. Für den Kunden hat das den Vorteil, dass er einen niedrigeren Beitrag leisten muss. Es gibt aber auch Versicherer, bei denen die Kunden von den Überschüssen profitieren, indem die Angehörigen im Todesfall eine höhere Leistung beziehen.

Ist zum Beispiel ein Todesfallbonus von 100 Prozent vereinbart, könnte der Kunde eine Versicherungssumme in Höhe von 50 000 Euro vereinbaren, um tatsächlich einen Versicherungsschutz von 100 000 Euro zu haben. Dank der niedrigeren Versicherungssumme würde er von Anfang an weniger Beitrag zahlen.

Wählen Kunden diese Form der Überschussbeteiligung, riskieren sie allerdings, dass der Versicherer im Ernstfall nicht die erhoffte Summe zahlt: Die Überschüsse sind nur für ein Jahr garantiert und können auch sinken. Somit besteht die Gefahr, dass der Versicherungsschutz nicht mehr ausreicht. Daher ist es besser, ein Angebot zu wählen, bei dem der Versicherer die Überschüsse direkt mit den Beiträgen verrechnet.

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