Kreditvermittler Meldung

Wenn Schulden drücken und die Hausbank keinen Kredit mehr gibt, erscheinen die Angebote von Kreditvermittlern als rettender Strohhalm. Meist sind sie nur teurer Nepp.

An Geld zu kommen ist kinderleicht! Das suggerieren unzählige Anzeigen von Kreditvermittlern und Schuldenregulierern, die ein Ende der Schuldenmisere versprechen. Mit „schufafreiem Kredit“ gebe es „Geld sofort“, und zwar „bequem und diskret“.

Verstockte Vermittler am Telefon

Kreditvermittler Meldung

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Für Überschuldete erscheinen die Angebote oft als letzte Rettung. Wer bei Händlern, Banken und Bekannten tief in der Kreide steht, träumt meist nur noch davon, mit einem großen Kredit Klarheit in die Finanzen zu bringen.

Doch die Gefahr, an Abzocker zu geraten, ist groß. Allein die Informationspolitik der Anbieter spricht Bände. Wer neugierig ist, wird hingehalten.

Die Boni-Finanz GmbH und Co. KG etwa wirbt in der Bildzeitung für „auskunftsfreie Kredite“. Wir gaben uns als Kunden aus und fragten, woher die Kredite kämen und was sie kosteten. Eine Auskunft bekamen wir bei diesem „Kundenanruf“ nicht.

Statt Informationen gibt es bei Boni-Finanz die forsche Aufforderung, die eigenen Daten durchzugeben. Nur sehr penetrante Anrufer kommen etwas weiter: Infos gebe es – „wenns denn sein muss“ – unter einer 0 190-Nummer, für 1,68 Euro pro Minute. Wer dort anruft, wird hingehalten. Informationen? Fehlanzeige. „Versuchen Sie es später.“ Nein, eine günstigere Verbindung gebe es nicht. „Leider.“

Der Reinfall ist programmiert

Kreditvermittler Meldung

Steht hinter der Kleinanzeige ein redlicher Helfer oder nur ein Abzocker? Die Gefahr, auf windige Kreditvermittler und Insolvenzhelfer reinzufallen, ist groß. Wenn die Hausbank kein Geld mehr gibt und die Schulden drücken, sollten Betroffene lieber zum Schuldenberater gehen.

Die Branche steht nicht auf neugierige Kunden und spielt Verstecken. Viele Anbieter firmieren nur unter Postfach oder Faxnummer. Dorthin sollen Interessenten ihre Selbstauskunft schicken. Andere wechseln ständig den Namen wie etwa eine Firma aus Laatzen, die sich Taurrus GmbH nennt. Sie schreibt ungefragt Bürger an und verspricht Verschuldeten Hilfe.

„Taurrus“ sucht man im Handelsregister vergeblich. Dort erfährt man aber, dass die Firma mit der Laatzener Adresse früher Insoverwaltungsgesellschaft hieß. Aktuell eingetragen ist sie als Thaurus GmbH (mit „h“ statt „rr“). Um das Verwirrspiel komplett zu machen, firmiert zudem noch eine Taurus GmbH (ohne „h“ und „rr“) unter der gleichen Adresse.

Vermittler mit vielen Maschen

Nach dem Motto „Selbst beim Ärmsten ist was zu holen“ kassieren unseriöse Vermittler und Insolvenzhelfer ab. Sie verdienen über teure 0 190-Nummern und ebenso teure Faxabrufe, über die sie wertlose Listen „schufafreier Banken“ verschicken. Doch solche Listen nützen Schuldnern nichts. Natürlich prüfen auch diese Banken die Bonität.

Die Anbieter kassieren mitunter auch dann Honorare und Auslagen, wenn es am Ende keinen Kredit gibt. Gegen hohe Nachnahmekosten verschicken manche Firmen Unterlagen, von denen Kunden glauben, es sei der ersehnte Kreditvertrag. Sie zahlen und stellen dann oft fest, dass die Papiere nur Antragsformulare sind.

Die übelste Masche: Verschuldete bekommen nach ihrer Anfrage Besuch von einem Mitarbeiter, der Anträge für Versicherungen oder Verträge über vermögenswirksame Leistungen dabei hat. „Die Bank braucht doch Sicherheiten.“ Tatsächlich droht hier die weitere Verschuldung, wenn der Kunde schließlich eine teure Versicherung am Hals hat und trotzdem keinen Kredit bekommt.

Leser berichten, dass die Boni-Finanz solch eine Masche fahre. Deren Geschäftsführer Erich Vogel bestätigte gegenüber ­Finanztest, dass freie Mitarbeiter die Kreditsuchenden besuchen und Finanzanalysen anbieten – für bis zu 445 Euro. Auch Finanzprodukte würden vermittelt. Schlecht sei das aber nicht, denn Verträge etwa über vermögenswirksame Leistungen steigerten die Kreditwürdigkeit des Kunden. Das schadet zumindest nicht.

„Aber so ein Vertrag zeigt der Bank nur, dass der Kunde einen Job hat. Das kann er günstiger mit dem Arbeitsvertrag belegen“, meint Thomas Schlüter vom Bundesverband deutscher Banken.

Anerkannte Stellen helfen

Sicherlich haben es nicht alle Kreditvermittler und Schuldenregulierer auf den schnellen Euro abgesehen. Auch freie Insolvenzhelfer können vernünftige Schuldenbereinigungspläne aufstellen und mit Gläubigern Zahlungsfristen und Erlasse aushandeln.

Doch meist ist der Weg zur anerkannten Beratungsstelle besser. Nur diese Stellen, die nach Paragraph 305 der Insolvenzordnung zugelassen sind, dürfen nach dem Scheitern von Verhandlungen die Bescheinigung ausstellen, die den Weg ins gerichtliche Insolvenzverfahren ebnet. An dessen Ende winkt die Schuldenfreiheit.

Weisen Insolvenzhelfer nur die Zulassung nach Paragraph 34c der Gewerbeordnung nach, sagt das hingegen nichts. Das ist reine Formsache. Auch wenn Vermittler wohlklingend „Solidarverein“ heißen oder auf Mitgliedschaften in Verbänden hinweisen, ist das noch kein Grund, ihnen zu trauen.

Die Firma CB-Finanz gibt zum Beispiel an, in der „Deutschen Finanzgilde“ zu sein. „Da sind alle deutschen Banken drin“, beteuert eine CB-Mitarbeiterin am Telefon. Doch das ist Quatsch.

Der Geschäftsführer der CB-Finanz ist zurückhaltender: Dort seien rund 100 Makler organisiert. Letztlich ist aber auch das kein Seriositätsnachweis, zumal der Verein Finanzgilde nicht verrät, wer dort Mitglied ist.

Immer mehr melden Insolvenz an

Zugelassene Schuldnerberater arbeiten kostenlos. In manchen Regionen muss man aber bis zu einem Jahr auf einen Beratungstermin warten.

Kein Wunder, nach Angaben der Bundesregierung kommt mittlerweile jeder vierzehnte deutsche Haushalt nicht mehr allein aus den Miesen. Zudem verschulden sich jetzt viele Jugendliche über ihre Handyrechnungen.

Groß ist auch der Andrang bei den Insolvenzgerichten. Im Jahr 2002 sind rund 20 000 Menschen ins Verbrau­cherinsolvenzverfahren gekommen, mit dem sie in sechs Jahren schuldenfrei werden können. Diese Chance haben Mittellose erst, seit die Gerichte ihnen die Gerichtskosten stunden. Einen Anwalt müssen sie nicht haben.

Das Gericht versucht, eine Einigung zwischen Schuldner und Gläubigern zu erreichen. Meist misslingt das und es geht ins eigentliche Verfahren, das in eine Wohlverhaltensperiode mündet.

Sechs Jahre lang heißt es für den Schuldner: Redlich leben, pfändbare Gehalts- und Erbanteile abgeben und bei Arbeitslosigkeit zumutbare Jobs annehmen. Wer sich bewährt, bekommt seine Restschulden erlassen – egal, ob es den Gläubigern gefällt.

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