Kreditkarten Test

Kreditkarten kosten im Jahr leicht 100 Euro und mehr. Finanztest hat zwei Karten gefunden, die kostenlos und nicht an ein Girokonto gebunden sind: die Mastercard der Karstadt-Quelle Bank und die Sunnycard der Santander Consumer Bank.

Die Geburtsstunde der Kreditkarte schlug 1949 in einem Restaurant in Manhattan. Der Kaufmann Frank McNamara hatte seine Geldbörse zu Hause vergessen und konnte seine Rechnung nicht bezahlen. Leisten konnte er sich das Essen mit Geschäftsfreunden, er hatte nur kein Bargeld dabei.

Einige Monate später reichte er dem Kellner zum Bezahlen ein kleines Kärtchen aus Pappe mit seiner Unterschrift. Es war der Beleg, dass der Betrag bis zum Monatsende beglichen wird.

McNamara hatte inzwischen den Diners Club gegründet, 200 Karten in Umlauf gebracht und 27 Restaurants gewonnen, die seine „Kreditkarte“ als Zahlungsmittel akzeptierten. Von da an war es schick, einfach mit seinem guten Namen zu bezahlen.

Heute sind allein in Deutschland 22 Millionen Kreditkarten in Umlauf. Im Laufe der Jahre haben die Anbieter versucht, ihre Karten aufzupeppen, um sie noch mehr Verbrauchern schmackhaft zu machen. Das ist ihnen gelungen, wie die Antworten auf unseren Leseraufruf zeigen.

400 Menschen haben uns geschrieben und berichtet, welche Karte sie für welchen Zweck nutzen und was ihnen an der Kreditkarte wichtig ist: Ulrike Schaper nutzt die Karte hauptsächlich zum Bezahlen von Interneteinkäufen: „Das ist so schön bequem!“ Heinz-Dieter Schüler spart 5 Prozent beim Tanken, wenn er mit der Karte bezahlt und Michael Gaertner schwört auf den Versicherungsschutz beim Reisen.

Kaum kostenlose Kreditkarten

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Versicherung zahlte. Die Mastercard der Sparkasse Celle enthält eine Garantieverlängerung. Das brachte Erling Gwinner gut 200 Euro, als ein damit gekaufter Drucker defekt war.

Mit den Zusatzleistungen ist der Überblick verloren gegangen. Einige sind im Kartenpreis enthalten, andere kosten extra. Finanztest hat deshalb Kreditkarten von 22 Banken und Sparkassen untersucht.

Nur zwei der 43 Kreditkarten im Test kosten keine Jahresgebühr und jeder kann sie unabhängig von der Kontoverbindung beantragen. Das sind die Karstadt Mastercard der KarstadtQuelle Bank und die Sunnycard der Santander Consumer Bank.

Wer mit Karstadt Mastercard bezahlt, sammelt im Rahmen eines Bonusprogramms auch noch „Happy Digits“, Rabattpunkte, mit denen er verschiedene Sachprämien einlösen kann. Die Karte gibt es ähnlich ausgestattet als KaDeWe Solitaire Card vom Berliner Kaufhaus des Westens, das zu Karstadt gehört, und als Happy Digits Mastercard der Deutschen Telekom.

Die Sunnycard verdankt ihren Namen der Partnerschaft mit dem Reiseanbieter Urlaubsplus GmbH, beim dem die Kartenkunden für ihre Buchungen 5 Prozent Erstattung erhalten.

Die Visa Card der DKB und ING-Diba sowie die Mastercard der PSD Bank Nord und Sparda-Bank Berlin bekommen Kunden kostenlos, wenn sie hier ein – ebenfalls kostenloses – Gehaltskonto eröffnen. Die Konten der DKB und der ING-Diba können sie aber nur online führen.

Die Preise für die anderen Kreditkarten reichen von 20 bis zu 140 Euro im Jahr. Eine günstige Karte kostet pro Jahr rund 20 Euro, ein Kartendoppel gibt es ab rund 35 Euro.

Viele Kunden können sich aber die Gebühr zurückholen wie etwa bei der Super Mastercard der Santander Consumer Bank. Mit dieser Karte bekommen sie bis zu einem Tankstellenumsatz von 2 000 Euro eine Gutschrift von 5 Prozent. Die Karte kostet im Jahr 24 Euro. Wer den Rabatt voll ausschöpft, hat ein Plus von 76 Euro.

Der Jahrespreis von 30 Euro für das Kartendoppel der BBBank entfällt ab einem Jahresumsatz von 5 000 Euro. Bei einigen anderen Karten liegt der Mindestumsatz allerdings im fünfstelligen Bereich.

Zusätzliche Kosten

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Reist viel. Michael Gaertner aus Ismaning sammelt Flugmeilen mit der Lufthansa Miles-and-More-Karte. Zusätzlich nutzt er die Reiseversicherungen der HVB Mastercard Gold.

Zusätzlich zum Jahrespreis müssen Kreditkartenbesitzer eine Gebühr bezahlen, wenn sie damit Bargeld am Automaten holen und wenn sie die Karte außerhalb der Euroländer einsetzen.

Für Bargeldverfügungen werden 1 bis 4 Prozent des abgehobenen Betrages, mindestens zwischen 2,50 und über 7,00 Euro pro Abhebung fällig. Das ist in der Regel teurer, als mit der ec-Karte Geld zu ziehen.

Zum Bezahlen außerhalb der Euroländer verlangen die Banken bei Kreditkarten meist 1 bis 2 Prozent des Betrags als Gebühr. Dafür ist ihre Akzeptanz im Ausland oft deutlich höher als in Deutschland.

Die Auslandsprovision ist für Michael Gaertner ein Grund, mit der Karstadt Mastercard nicht mehr außerhalb Eurolands zu bezahlen: „Da werden 1,5 Prozent fällig. Bei meiner goldenen Mastercard der Hypovereinsbank nur 1 Prozent.“ Ganz ohne diese Gebühr sind in unserem Test nur die Tui-Karten der Commerzbank.

Die DKB erlaubt ihren Visa-Kunden weltweit kostenlos Bargeld zu holen, außerhalb der Euroländer ist keine Auslandsgebühr fällig. „Nur für diesen Zweck nutze ich meine Visa-Karte, die ich zum DKB Cash Konto kostenlos dazu bekommen habe“, schrieb Karsten Göpel aus Bremen.

Vorsicht vor „echter“ Kreditkarte

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Einfach nur einkaufen. Inga Lipinski bezahlt mit der Visa-Karte von der Sparkasse Leipzig Bekleidung und auch schon mal Lebensmittel.

Viele Kreditkartenbesitzer neigen dazu, spontan mehr zu kaufen als sie eigentlich wollen. Die Spontanität nutzen immer mehr Kreditkartenanbieter aus. Sie gewähren ihren Kunden einen individuellen Kreditrahmen, „damit sie finanziell ganz flexibel bleiben“ und kassieren hohe Zinsen, wenn diese ihre Ausgaben nicht bald ausgleichen.

Die Kunden können ihre Monatsrechnung in Raten zurückzahlen. Revolving Credit heißt der Kredit, den sie durch ein Kreuz im Kartenantrag erhalten. Für den Betrag, der am Monatsende nicht beglichen ist, verlangen die Kartenanbieter einen Effektivzins zwischen 9,75 (Commerzbank) und 17,22 Prozent (Citibank). Das liegt über dem durchschnittlichen Zinssatz für Dispokredite.

Der Revolving Credit hat vor allem dann seine Tücken, wenn der Kreditkarteninhaber den gesamten ausstehenden Betrag gar nicht automatisch per Lastschrift bezahlen kann. Dann wird er regelrecht in die Ratenzahlung gedrängt.

Beispiel: Die Santander Consumer Bank zieht von Kunden mit der Super Mastercard und der Sunnycard jeden Monat 5 Prozent ihres Rechnungsbetrages ein, mindestens aber 25 Euro. Wenn sie mehr mit der Karte ausgegeben haben, müssen sie den Differenzbetrag per Überweisung ausgleichen – spätestens zehn Tage nach der Abrechnung.

Tun sie das nicht, nehmen sie automatisch den Kredit in Anspruch und müssen 13,98 bzw. 10,9 Prozent Zinsen zahlen. Die werden auch für die neuen Umsätze, die bis zum nächsten Abrechnungsstichtag anfallen, sofort fällig.

„Diese Karte fordert Disziplin vom Inhaber“, hat unser Leser Heinz-Dieter Schüler festgestellt. „Ich löse das dadurch, dass ich am Monatsanfang die Rechnung einsehe und den fälligen Betrag minus 25 Euro als Terminüberweisung einstelle. Das klappt hervorragend!“

Besonders teuer wird ein Revolving Credit, wenn der Kunde eine Restschuldversicherung mit abschließt. Sie soll einspringen, wenn er den Kartenkredit nicht mehr bezahlen kann, zum Beispiel bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit.

Da schlägt die Citibank gleich richtig zu: Zu den Kreditzinsen von 17,22 Prozent kommen für die Restschuldversicherung noch einmal 11,09 Prozent dazu, das macht insgesamt einen Effektivzins von rund 30 Prozent.

Zusatzleistungen prüfen

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Kauft im Internet. Ulrike Schaper nutzt ihr Kreditkartendoppel von Barclays hauptsächlich zum Bezahlen im Internet. Sie kauft Bücher, Bahntickets und Theaterkarten.

So unterschiedlich wie die Gebühren für die Kreditkarten sind die Zusatzleistungen. Sie reichen von Versicherungen über Notfallservice und Reiserabatte bis zu Bonusprogrammen.

Fast obligatorisch sind vor allem bei den Goldkarten eine Auslandsreisekrankenversicherung und eine Verkehrsmittelunfallversicherung. An diesen beiden zeigt sich deutlich, worauf der Kunde achten muss.

Die Auslandsreisekrankenversicherung hilft meist auch dann, wenn die Reise nicht mit der Karte bezahlt wurde. Bei der Verkehrsmittelunfallversicherung, die eintritt, wenn zum Beispiel Busreisende verunglücken, ist die Leistung an den vorherigen Einsatz der Karte gebunden.

Was die Zusatzleistungen wert sind, hängt stark vom Kunden ab. Thomas Blank aus Dieburg sammelt mit der Mastercard der KarstadtQuelle Bank gern über seine Festnetz- und Handygespräche „Happy Digits“, die er in Prämien eintauschen kann.

Ulrike Schaper kauft mit ihrem Kartendoppel von Barclays hauptsächlich im Internet ein. „Ich brauche keine Versicherungen, Bonusprogramme oder Ähnliches.“ Zahlt sie ein Guthaben auf ihr Kartenkonto ein, wird das aber immerhin mit 2,2 Prozent verzinst. Das ist kein Superzins, aber auch kein schlechtes Extra.

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