Mit manchen Kreditkarten kann der Kunde Geld ausgeben und die Summe dann in Raten abstottern. Diese Freiheit bezahlt er mit hohen Zinsen.

In Deutschland gibt es 19 Millionen Kreditkarten. Doch nur etwa vier Millionen davon ermöglichen ihrem Besitzer einen echten Kredit. Nur bei diesen rund ein Fünftel ist es möglich, den Betrag der Monatsrechnung in Raten zurückzuzahlen. Bei allen anderen muss der Besitzer Monat für Monat seine Ausgaben vollständig begleichen.

Wenn die Werbung der Kreditwirtschaft aufgeht, werden die echten Kreditkarten zunehmen. Im Visier haben die Banken vor allem kreditwürdige Karteninhaber im Alter von 25 bis 45. In diesem Alter haben viele Menschen größere Ausgaben und brauchen Kredite, so Oliver Gienow von Europay International Frankfurt, dem führenden Anbieter von Kartenzahlungsprodukten.

Revolving Credit heißt der Kredit, den man mit der Karte erhält. Das bedeutet frei übersetzt „wiederkehrender Kredit“. Deshalb taucht die Bezeichnung wohl auch nur in den Fachmagazinen der Kreditwirtschaft und nicht in der Kommunikation mit dem Kunden auf.

In der Werbung wird der Revolving Credit dem Kunden zum Beispiel verkauft mit den Argumenten „mehr Flexibilität“ (Barclaycard), „Unabhängigkeit von Hausbank und Girokonto“ (Citibank) oder als „finanzieller Airbag“ (AirPlusEurocard).

Ein Kreuz im Antrag

Ob der Kunde die Ausgaben mit seiner Kreditkarte in Raten zurückzahlen darf, erkennt er beim Ausfüllen des Antrags unter der Rubrik „Zahlungs- und Finanzierungsmöglichkeiten“ (Citibank, Santander Direkt Bank), „Teilzahlungsfunktion“ (Postbank) oder auch nur in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (Barclaycard: „Zahlungsverpflichtungen des Kunden“).

Auf dem Kreditkartenantrag kann der Kunde dann häufig mit einem Kreuzchen entscheiden, in welchen Raten er seine Schulden regelmäßig begleichen möchte. Zum Beispiel hat er die Wahl, ob er immer 5, 10, 25 oder 50 Prozent der Monatsrechnung bezahlen will. Manchmal kann er den Betrag auch frei wählen.

Bei den meisten Kreditinstituten ist es Pflicht, einen Mindestbetrag zu zahlen. Bei der Citibank sind das zum Beispiel 5 Prozent des Rechnungsbetrags, aber nicht weniger als 10 Euro, bei der Santander Direkt Bank und der Postbank 25 Euro. Der Kreditkarteninhaber kann aber jederzeit zusätzliche Zahlungen leisten oder die Vereinbarung ändern.

Hohe Kreditzinsen

Mit der monatlichen Ratenzahlung ist es nicht getan. Für den ausstehenden Betrag berechnet der Kreditkartenanbieter Zinsen. Sie liegen bei vielen Anbietern in einer Spanne von 14 bis 19 Prozent effektiv, sind also recht happig.

Was das heißt, zeigt folgendes Beispiel: Ein Kunde hat im Dezember ein edelsteinbesetztes Goldkollier für 1 000 Euro, vier Gaststättenbesuche für zusammen 500 Euro und Bekleidung für 500 Euro mit der Postbank Eurocard bezahlt. Er entschließt sich, die Monatsrechnung in Höhe von 2 000 Euro nicht vollständig zu begleichen, sondern in monatlichen Raten von 10 Prozent, also 200 Euro. Im Januar 2002 lag der effektive Jahreszins für den Revolving Credit auf die Postbank Eurocard bei 14,50 Prozent. Die Zinsen werden monatlich berechnet und belasten jede weitere Abrechnung. Nach elf Monaten hätte der Kunde den Betrag getilgt und etwa 135 Euro Zinsen gezahlt.

Üblicherweise nimmt der Kreditkartenbesitzer den Kreditrahmen jedoch immer wieder neu in Anspruch und tilgt nur den vereinbarten Prozentsatz. Er bleibt also permanent im Kredit und muss entsprechend hohe Zinsen zahlen.

Gefahr der Verschuldung

Kreditkarten mit Revolving-Credit-Funktion haben in Deutschland einen viel geringeren Marktanteil als beispielsweise in den USA. Kein Wunder, denn im Gegensatz zu den Amerikanern können deutsche Bankkunden auf den Dispositionskredit ihres Girokontos zurückgreifen.

Schon damit haben sie eine Geldquelle, die sie spontan und ohne Rücksprache mit dem Kreditinstitut ausschöpfen können. Beim Dispokredit werden die Zinsen anders als beim Revolving Credit vierteljährlich in Rechnung gestellt. Jeder Umsatz auf dem Girokonto wird am Buchungstag in die Zinsberechnung einbezogen. Mit jeder Gehaltszahlung wird also der Schuldenstand zurückgefahren und die Zinsen werden nur auf den Betrag berechnet, um den das Konto tatsächlich überzogen wurde.

Der Dispokredit hat einen Vorteil: Die Zinsen dafür liegen im Januar 2002 im Schnitt bei rund 12,5 Prozent, viele kleinere Kreditinstitute verlangen sogar weniger als 12 Prozent. Das ist viel günstiger als die durchschnittliche Verzinsung eines Revolving Credits.

Der Reiz des „wiederkehrenden Kredits“ liegt darin, ihn neben dem Dispo als zweite Kreditlinie in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel weil die Hausbank den Dispo nicht mehr erhöht. Wer einen Revolving Credit in Anspruch nimmt, läuft Gefahr, sich an das ständige Minus zu gewöhnen. Für die Banken ist das eine prima Einnahmequelle.

Für den Kunden ist die Gefahr einer Überschuldung groß. Die Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale Berlin stellt in überschuldeten Haushalten auch immer wieder Kreditkartenschulden fest, sagt Frank Weide. Wem es schwer fällt, einen Dispokredit zurückzufahren, oder wer mehrere Kredite in Anspruch nimmt, sollte deshalb überlegen, ob er nicht in einen Ratenkredit mit einer überschaubaren Laufzeit und festgelegten Monatsraten umschuldet. Das ist oft der bessere Weg, aus der Schuldenfalle herauszukommen.

So schlimm wie bei einem amerikanischen Ehepaar soll es ja nicht kommen. Die Eheleute hatten mit insgesamt 60 Kreditkarten nach drei Jahren 34 500 Dollar Schulden angehäuft und waren mit ihrem gemeinsamen Jahresverdienst von 40 000 Dollar nicht mehr in der Lage, die monatlich geforderten Mindestbeträge zu zahlen.

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