Kreditkarten Test

Viele Gold- und Premium-Karten enthalten Reise­versicherungen. Doch diese bieten keinen ausreichenden Schutz. Güns­tigere Kreditkarten sind für viele die bessere Wahl.

Die Zeiten, in denen eine Kreditkarte nur zum Bezahlen und Geld­abheben da war, sind längst vorbei. Weil die meisten Karten welt­weit einsetz­bar sind, werben die Heraus­geber häufig mit Zusatz­leistungen für Reisende, darunter oft mit Versicherungen.

Die Kunden bekommen Unfall- und Rechts­schutz­versicherungen, Leistungen bei Krankheit auf Reisen, bei Reiser­ücktritt oder -abbruch, fürs Reisege­päck und einiges mehr. Zusätzlich gibt es Bonus­programme zum Meilen­sammeln oder Rück­zahlungen bei hohen Tank­umsätzen.

Im Gegen­zug kosten solche Karten häufig 50 bis 80 Euro im Jahr, einzelne wie die American Express Gold Card sogar 140 Euro. Viele kommen in goldener Farbe daher, in Silber oder Platin. Gleich­zeitig gibt es weiterhin einfache Karten für unter 35 Euro, zum Teil sogar ohne Jahres­gebühr.

Wir haben uns gefragt, ob sich ein höherer Preis rechnet, wenn Zusatz­leistungen inklusive sind. Geprüft haben wir deshalb den Reisekranken­schutz und die Reiser­ücktritts- und -abbruch­versicherung. Es sind die wichtigsten Policen für eine Reise.

Natürlich haben wir auch geschaut, was die Karten kosten und wie hoch die Gebühren für den Einsatz auf Reisen sind. Auf dem Prüf­stand standen 42 Kreditkarten­angebote, die meisten mit Reise­versicherungen verbunden. Zum Bezahlen und Geld­abheben sind die Karten in Ordnung, das Ergebnis für den Versicherungs­schutz war allerdings ernüchternd.

Es gibt unter den von Finanztest untersuchten Kreditkarten keine, die als voll­wertiger Ersatz für eine separate Reisekranken­versicherung und für eine Reiser­ücktritts- und -abbruch­versicherung taugt – auch nicht für teures Geld.

Drei Gruppen von Karten

Ideal wäre eine Kreditkarte, mit der ein Nutzer für einen güns­tigen Jahres­preis und geringe Einsatz­gebühren auch noch Versicherungen bekommt, die in den wichtigsten Fällen greifen. Sie müssten helfen, wenn er eine Reise zum Beispiel wegen eigener Krankheit oder der eines Angehörigen nicht antreten kann, wenn er unterwegs krank wird oder die Reise abbrechen muss.

So eine Ideal­lösung für jeden gab es im Test leider nicht. Wir haben statt­dessen drei Gruppen von Karten gefunden.

Für Gelegen­heits­nutzer. Es gibt güns­tige Kreditkarten, die für Menschen geeignet sind, die eine Kreditkarte nur gelegentlich als Ergän­zung zur Bank­kundenkarte (ehemalige ec-Karte) zum Bezahlen und Geld­abheben nutzen wollen. Sie kosten höchs­tens 35 Euro, manche gibt es sogar ohne Jahres­gebühr (Tabelle „Kreditkarten bis 35 Euro“). Extras wie Versicherungen sind kaum enthalten, und wenn doch, dann teil­weise gegen Aufpreis.

Die meisten dieser Karten kann jeder bekommen, unabhängig von seinem Giro­konto. Fünf Karten sind an ein Giro­konto gebunden, drei davon – die Visa-Karten der comdirekt bank, der DKB und der ING-Diba – sind kostenlos.

Für Vielnutzer. In der zweiten Gruppe haben wir Kreditkarten zusammen­gestellt, die teurer sind und Reise­versicherungen sowie andere Extras enthalten (Tabelle „Kreditkarten mit Zusatzleistungen“). Sie eignen sich – je nach Zusatz­leistungen – eher für Menschen, die sehr viel reisen.

Für Disziplinierte. Bei der dritten Gruppe handelt es sich um Karten, deren Nutzung sehr teuer werden kann und die leicht in die Verschuldung führen (Tabelle „Achtung, Kreditfalle!“). Denn die Kreditkarten­rechnung wird monatlich auto­matisch nur teil­weise vom Konto ausgeglichen. Für den Rest zahlt der Kunde Kreditzinsen zwischen rund 11 und 18 Prozent.

Im Test fielen uns fünf solcher Karten auf: Gebührenfrei Mastercard Gold (Advanzia Bank), Genialcard (Hanseatic Bank), Rote Mastercard (Ikano Bank), Sunnycard (Sant­ander Consumer Bank) und premium Mastercard (Valovis Commercial Bank).

Diese Karten sollten nur gut organisierte Kunden nutzen, die das Karten­konto regel­mäßig durch Über­weisung ausgleichen. Alle anderen lassen die Finger davon.

Die Mängel im Versicherungs­schutz

Von den im Test geprüften Versicherungen zu einer Kreditkarte fanden wir nur eine einzige „geeignet“: die Reisekranken­versicherung zur VR-Gold­card der Berliner Volks­bank, die es nur für Kunden mit Giro­konto dort gibt.

Allerdings kostet die Karte stolze 70 Euro im Jahr. Güns­tiger fährt, wer die VR-Classiccard für 25 Euro im Jahr nimmt und einen separaten Auslands­reisekranken­schutz abschließt. Der kostet für eine ganze Familie nicht einmal 20 Euro.

Bei allen anderen Karten ist der Versicherungs­schutz lückenhaft. Einige Karten­anbieter verlangen vom Kunden einen Selbst­behalt bis zu 20 Prozent, wenn der Versicherer zahlen muss. Da kann es zum Beispiel richtig teuer werden, wenn der Kunde eine bereits gebuchte Reise wieder stornieren muss.

Wir haben fest­gestellt, dass die Vertrags­bedingungen für die Reise­versicherungen bei Kreditkarten häufig veraltet sind. In den Einzel­policen sind dagegen viele der von uns kritisierten Klauseln längst durch verbraucherfreundliche Regeln ersetzt.

Selbst die Kreditkarten, die von klassischen Reiseanbietern heraus­gegeben werden, bieten keinen guten Reise­schutz.

Tui-Karten. Der Reiser­ücktritts­schutz zu den Visa-Karten Classic sowie Gold von Tui ist nur einge­schränkt geeignet. In der Classic-Card fehlt eine Auslands­reise-Kranken­versicherung und die Police zur Gold Card ist wenig geeignet. Jeglicher Versicherungs­schutz gilt nur für Reisen mit Firmen des Tui-Konzerns, die mit der Karte bezahlt worden sind.

Die Tui-Kreditkarten sind eher ein Kundenbindungs­programm. Die Kunden sammeln „Bonitos“ und bekommen Sach­prämien oder Gutscheine für die nächste Reise sowie einen Reise­führer.

Auf die Kosten achten

Vor allem Gelegen­heits­nutzer sollten sich nicht von der Werbung mit Versicherungen oder anderen Extras blenden lassen. Für sie zählen nur die Jahres­gebühr und die Kosten, die beim Einsatz der Kreditkarte entstehen.

Die Banken berechnen üblicher­weise eine Geld­automaten­gebühr und – außer­halb der Euroländer – zusätzlich beim Abheben und Bezahlen eine Auslands­einsatz­gebühr.

Für das Abheben von Bargeld am Auto­maten verlangen die meisten Karten­heraus­geber zwischen 1 und 4 Prozent vom Betrag, mindestens jedoch 2,50 Euro bis 7,50 Euro. Die Auslands­einsatz­gebühr schlägt mit zusätzlich bis zu 2 Prozent zu Buche.

Reisende können sparen, wenn sie eine Karte wählen, die diese Kosten gering hält oder gar ganz darauf verzichtet.

Barclaycard New Visa. Für Reisen inner­halb der Euroländer ist zum Beispiel die Barclaycard New Visa günstig. Im ersten Jahr entfällt die Jahres­gebühr, danach muss der Nutzer nur 19 Euro im Jahr bezahlen. Ab 1 200 Euro Jahres­umsatz entfällt auch diese. Die Barclays Bank verzichtet auch auf die Auto­maten­gebühr fürs Geld­abheben. Nur außer­halb der Euroländer verlangt sie für die Nutzung 1,99 Prozent.

Wert­muts­tropfen: Im Antrag ist vorgesehen, dass der Kunde seine Karten­umsätze in 5-Prozent-Raten abzahlt. Um den „Revolving Credit“ zu vermeiden, kann er aber nach Erhalt der Karte anrufen und den monatlich voll­ständigen Ausgleich vereinbaren.

Gegen Aufpreis können die Kunden zur Karte Reise­versicherungs­schutz bekommen. Doch der enthält ungünstig formulierte Klauseln und ist lückenhaft.

Payback Visa. Freunde von Kundenbindungs­programmen haben vielleicht schon die Payback Visa in der Brieftasche. Die Jahres­gebühr beträgt ab dem zweiten Jahr 25 Euro, der Einsatz am Geld­automaten ist kostenlos. Für den Auslands­einsatz werden nur 1,5 Prozent fällig.

Die Kostenfalle

Wenn Anbieter ihre Kreditkarten sehr stark mit den Schlag­worten kostenlos, größere Flexibilität oder mehr finanzielle Freiheit bewerben, sollten Bank­kunden auf der Hut sein. Sie sollten prüfen, ob sie nicht eine der Karten bekommen, mit denen sie in die Kreditfalle tappen können, weil immer nur ein Teil­betrag vom Konto abge­bucht wird.

Im Karten­antrag heißt das „flexible Rück­zahlung“ oder „Teilzahlung“. Der Fach­begriff ist „Revolving Credit“. Die Banken bauen auf die Unkennt­nis und Trägheit der Kunden, die nicht jeden Monat selbst das Kreditkarten­konto durch Über­weisung ausgleichen.

Besonders tückisch sind Bargeld­abhebungen mit der Mastercard Gold der Advanzia Bank. Die Bank berechnet keine Gebühren, aber sofort 25,9 Prozent Zinsen – so lange, bis der Kunde das Konto ausgeglichen hat.

Die Ikano Bank macht den schlechten Eindruck ihrer Teilzahlungs­karte etwas wett. Die Bank gibt für Guthaben auf ihrer Roten Mastercard derzeit 2,15 Prozent Zinsen (Stand 15. April 2011). Die Karte eignet sich damit vor allem als Ersatz für ein Tages­geld­konto.

Noch eine Gebühr

Zusatz­einnahmen verschaffen sich zwei Banken, wenn die Kunden ihre Kreditkarten in Ländern außer­halb der Euro-Länder einsetzen. Die Valovis Commercial Bank berechnet bei der premium Mastercard einen Aufschlag von 1 Prozent auf den Wechselkurs, die Targo­bank bei der Plus­punkt Visa Karte sowie der Premium-Karte sogar 2 Prozent – zusätzlich zu den Auslands­einsatz- und Geld­automaten­gebühren.

Wer sicher ist, dass er seine Karte oft außer­halb der Euro-Teilnehmerländer einsetzt, nimmt besser eine andere Karte.

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