Kredite von privat Meldung

Über Onlineplattformen können sich Privatleute untereinander Geld leihen. Beim Anbieter smava stimmt das Konzept. Beim Anbieter Auxmoney nicht.

Den Betreibern der Kreditseiten smava und Auxmoney kommt die Finanzkrise ganz recht. Seitdem die Banken ihren Ruf verspielt haben, verzeichnen die Vermittler privater Kreditgeschäfte Zulauf.

So sind über www.smava.de schon mehr als 2 200 Kredite in Höhe von insgesamt 15 Millionen Euro vergeben worden und anders als in der echten Bankenwelt stehen die Geldgeber Schlange, um Kreditwünsche zu erfüllen. Auch Freiberufler, die bei Banken nichts bekommen, haben Chancen.

Doch wie bei allen anderen Kreditsuchenden auf der smava-Seite muss ihre Bonität laut Schufa in Ordnung sein. Freiberufler müssen Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Auswertungen vorlegen – wie bei der Bank. Und anhand von Einkommensnachweisen oder Kontoauszügen wird bei allen geprüft, ob der Kredit die Haushaltsrechnung sprengen würde.

Ist alles o.k., dürfen Kreditsuchende bei smava für alle sichtbar darstellen, wie viel Geld sie wofür benötigen und welchen Zins sie bieten. Anleger erfahren auch, in welche Bonitätsklasse (von „A“ bis „H“) die Schufa den Kreditsuchenden einordnet. „A“ ist bestens, „H“ deutlich schlechter.

Im Schnitt möchten Kreditsuchende etwa 6 000 Euro – und bekommen sie in der Regel auch. Meist speist sich die Summe aus vielen Quellen. Selten kommt ein Kredit nur von einem einzelnen Anleger. Etwa 20 Prozent der Kreditsuchenden bekommen nichts, sagt smava. Dann habe der Zins im Verhältnis zur Bonitätsklasse nicht gestimmt. Klar: Auch hier geht es um Rendite.

Bei smava gilt: Alle für einen

Bei smava läuft das Geschäft. Das liegt auch daran, dass ein Sicherheitskonzept existiert. Das Risiko großer Verluste ist beschränkt, weil es auf viele Anleger verteilt wird. Anleger, die Menschen mit gleichem Bonitätsbuchstaben Geld leihen, werden zu „Pools“ zusammengefasst. Fällt einem Anleger der Kreditnehmer aus, gleichen die anderen im Pool den individuellen Verlust aus. Im Gegenzug heißt das aber: Auch wer nur zuverlässigen Menschen Geld gibt, muss ein gewisses Minus einkalkulieren.

Wie hoch das sein könnte, kann jeder auf der smava-Seite anhand laufender Kredite nachvollziehen. Anleger etwa, die Menschen mit einem „A“ Geld leihen, müssen derzeit damit rechnen, dass sich ihr Zins um 2 Prozentpunkte verringert – ganz egal, ob der eigene Kreditnehmer zahlt oder nicht. Wer für 6 Prozent Geld leiht, macht also wahrscheinlich 4 Prozent Rendite.

Anleger, die Menschen mit einem „H“ etwas leihen, müssen größere Abschläge einkalkulieren. Wer zum Zins von 15 Prozent einen Kredit vergibt, darf wegen des Sicherungssystems aktuell nur auf rund 5 Prozent Rendite hoffen.

Das System von smava ist charmant. Es sollte aber nicht sorglos machen. Die Zahlen, aus denen sich die Rendite errechnet, sind Momentaufnahmen. Fallen plötzlich mehr Kreditnehmer aus als in der Vergangenheit, stimmen die Zahlen nicht mehr. Dann ist auch ein Verlust möglich.

Etwas gedämpft werden die Risiken allerdings, weil „faule Kredite“ immer an eine Inkassofirma gehen, die zumindest einen Teil des ausstehenden Geldes bezahlen muss – ganz egal, ob beim Kreditnehmer noch etwas zu holen ist oder nicht.

Auxmoney mit großen Schwächen

Deutlich höher ist das Verlustrisiko beim Konkurrenten Auxmoney. Hier gibt es keine Pools. Kann ein Kreditnehmer nicht zahlen, ist das Geld weg.

Unklares Inkasso. Fällt ein Kreditnehmer aus, dann müssen Anleger hoffen, dass Auxmoney oder eine Partnerfirma für sie mahnt oder die Forderung gerichtlich geltend macht. Einen Anspruch darauf sehen die Verträge für Anleger nicht vor.

Auf eigene Faust gegen den Schuldner vorgehen können Anleger dann aber nicht. Denn für sie sollen Kreditnehmer anonym bleiben: „Zu keiner Zeit geben wir persönliche Daten der Kreditnehmer an Anleger weiter“, hat Auxmoney mitgeteilt.

Falsche Versprechungen. Mit Slogans wie „ohne Schufa“ spricht Auxmoney zudem Menschen an, die wegen ihrer schlechten Bonität anderswo kein Geld bekommen. Mit weiterer Verschuldung ist ihnen aber zumeist nicht geholfen und für Anleger könnten sie zum Risiko werden.

Zudem stimmt die fragwürdige „ohne Schufa“-Werbung nicht einmal. Auxmoney behauptet auf seiner Seite zwar vollmundig, dass hier allein die Anleger bestimmen, ob es Kredit gibt – und keine Bank. Doch so wie bei smava ist auch hier eine Bank mit im Spiel. Das ist aus rechtlichen Gründen notwendig.

Sie steht zwischen Anlegern und Kreditnehmern und sie lehnt Kreditnehmer durchaus auch bei Auxmoney aus eigenem Ermessen ab – selbst wenn sie Anleger für ihr Gesuch finden konnten. Finanztest hat bei Auxmoney wegen der widersprüchlichen Werbung nachgefragt. Nun gibt es auf der Seite Hinweise, dass Personen mit negativem Schufa-Eintrag nichts bekommen. Immerhin. Doch das trügerische Versprechen („keine Schufa“) steht auch noch da.

Hohe Kosten. Wer über Auxmoney Geld leihen will, kann sein Gesuch attraktiv machen, indem er etwa seinen Schufa-Scorewert ermitteln lässt und sichtbar macht. „Zertifikate“ nennt Auxmoney solche Nachweise, die 9,95 Euro kosten. Fällig wird zudem eine Anmeldegebühr.

Eine gute Selbstdarstellung kostet also Geld (siehe Tabelle: „Das kostet ein 5 000-Euro-Kredit“), das Auxmoney in jedem Fall einbehält – auch wenn das Kreditgesuch erfolglos bleibt. Das sollten Kreditsuchende bedenken, bevor sie Geld geben. Nur 20 Prozent aller Kreditsuchenden bekommen Kredit, teilt Auxmoney mit.

Die Chancen sind gering, die Kosten vergleichsweise hoch. Ärgerlich, dass Auxmoney da auch noch mit den Zertifikaten trickst. So kommen Kreditsuchende um das Zertifikat „Identitätsprüfung“ nicht herum, auch wenn sie Anlegern eigentlich nur ihren Schufa-Scorewert zeigen wollen. Denn dafür ist die kostenpflichtige Identitätsprüfung obligatorisch.

Für Anleger ist das Zertifikat „Identitätsprüfung“ aber bedeutungslos. Wenn ein Kreditsuchender genug Anleger findet, checkt die kooperierende Bank dessen Identität sowieso, wenn das noch nötig sein sollte. Anlegern hilft die teure Identitätsprüfung bei der Entscheidung über eine Kreditvergabe also nicht. Kreditsuchende müssen aber trotzdem dafür zahlen.

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