Kreditbetrug Meldung

Geld weg, Job weg. Der ehemalige
Justizminister von Brandenburg fiel auf
Kreditbetrüger und ihre dubiosen Immobiliengeschäfte herein.

Immer wieder fallen kreditsuchende Verbraucher auf dubiose Vermittler herein. Diese ­versprechen schnelles Bargeld – durch einen verhängnisvollen Immobilienkauf.

Peinlich, peinlich – ein Justizminister ist Kreditbetrügern auf den Leim gegangen. Kurt Schelter, der Exchef der brandenburgischen Justiz, steckte 4,8 Millionen Euro in dubiose Cash-back-Immobiliengeschäfte und ist dabei finanziell auf der Strecke geblieben. Das kostete ihn im Sommer 2002 seinen Job.

Der Justizminister tappte in eine Falle, in die auch manche Otto-Normalverbraucher treten. Sie werden durch das überraschende Versprechen „Bargeld durch Immobilienerwerb“ angelockt. Meist sind es Menschen, die eigentlich nur einen Barkredit wollen und ihn bei der Bank nicht bekommen.

Falsche Angaben für die Bank

Die dubiosen Vermittler machen folgendes Angebot: Der Kunde bekommt den Kredit auf Umwegen. Er kauft eine vermietete Eigentumswohnung als langfristige Geldanlage und nimmt dafür ein zinsgünstiges Darlehen auf. Beides arrangiert der Vermittler.

Der Trick liegt darin, dass der Bank gegenüber ein höherer als der wahre Kaufpreis genannt wird. Rückt sie das Darlehen heraus, erhält der Käufer so einen höheren Kredit, als er für die Immobilie eigentlich braucht. Einen Teil der Differenz behält der Vermittler. Den Rest der Kreditsumme streicht der Käufer ein. Er ist endlich flüssig.

Doch die Rechnung geht in der Regel nicht auf. Die meist von vornherein überteuerten Wohnungen werfen viel weniger Miete ab als an Zinsen an die Banken zu zahlen sind. So gerät dieses Kapitalrückfluss-Modell regelmäßig zum Verlustgeschäft für den gutgläubigen Käufer. Am Schluss sitzt er auf einem Berg von Schulden. Fliegt das Geschäft auf, droht ihm außerdem der Vorwurf des Kreditbetrugs.

Finanztest hat aktuelle Angebote unter die Lupe genommen. Ein Mitarbeiter hat sich auf mehrere einschlägige Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen gemeldet und telefonisch den Wunsch nach Bargeld in Höhe von 30 000 Euro geäußert.

Bargeld zum Nulltarif

Schon am Telefon erläuterten einige Anbieter bereitwillig den Weg zum schnellen Bargeld. Andere verlangten erst einmal eine schriftliche Selbstauskunft, bevor sie die Karten auf den Tisch legten. Solche Selbstauskünfte werden von den Vermittlern auch gern mal nach oben korrigiert, damit sie den Darlehensanforderungen der Banken genügen.

Besonders offen geht Immobilienmakler Lars Bergmann aus Kassel mit dem Kapitalrückfluss-Modell um. Seine Zeitungsannonce verspricht „Barliquidität z. B. 15 000 Euro bei Erwerb von ETWs, 1-A-vermietet, Nähe Frankfurt/M., direkt vom Eigentümer“.

Bergmann, der Mitglied im Ring Deutscher Makler ist, verschickt einen Abwicklungsleitfaden inklusive Grafik. Darin heißt das Geschäft „Bargeld zum Nulltarif mit langfristigem Vermögensaufbau“.

Überteuerte Immobilien

Die passende Immobilie mit Foto liefert Bergmann gleich mit. Um beispielsweise 27 000 Euro Bargeld zu erhalten, soll der Käufer einen – überhöhten – Kaufpreis von 169 000 Euro für eine 81 Quadratmeter große Eigentumswohnung in Rödermark bei Aschaffenburg akzeptieren und durch eine Bank voll finanzieren lassen.

Bergmann als Initiator und Eigentümer der Wohnung will dann dem Kunden 27 000 Euro zurückzahlen. Mit dem Abzug dieses Kapitalrückflusses bleibt am Ende ein echter Kaufpreis von 142 000 Euro für die Wohnung. Die Kaufnebenkosten in Höhe von rund 8 000 Euro will Bergmann übernehmen. Das ist überraschend, denn in aller Regel muss der Käufer auch die Nebenkosten aus dem Kauf bezahlen.

Nach Abschluss des notariellen Kaufvertrags über eine Immobilie und des Darlehensvertrags bei der Bank vor Ort will Bergmann dem Käufer ein Bestätigungsschreiben als Garantie für den Barkredit und die Übernahme aller Kaufnebenkosten schicken. Im Regelfall soll das Bargeld in etwa vier Wochen fließen. In dringenden Fällen gibt es jedoch Vorschüsse bereits unmittelbar nach dem Notartermin.

Aber auch 142 000 Euro sind ein stolzer Preis für eine Dachgeschosswohnung in einem 1970 erbauten Dreifamilienhaus, das bei einer Ortsbesichtigung einen sehr ungepflegten Eindruck macht – ganz im Gegensatz zu dem schönen Werbefoto. Ein Nachbar erzählt, dass bereits seit drei Jahren Sanierungsmaßnahmen geplant seien.

Unrealistische Prognosen

Ob Zinsen und andere Kosten durch die Mieteinnahmen gedeckt werden können, ist fraglich. Laut Bergmann sei die Wohnung per Fünfjahres-Mietvertrag an eine Finanzbeamtin vermietet. Fünfjahres-Mietverträge sind nach neuem Mietrecht aber nur in bestimmten Fällen wie bevorstehendem Eigenbedarf des Vermieters erlaubt, und die angebliche Finanzbeamtin konnten wir nicht finden. Auch Immobilienmakler Bergmann stand Finanztest leider nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Das Ganze ist kein gutes Geschäft – nicht nur wegen der finanziellen Risiken. Wer der kreditgebenden Bank per Notarvertrag einen höheren Kaufpreis vorspiegelt, täuscht sie und erschleicht sich damit einen höheren Kredit. Fliegt dieser Kreditbetrug auf, können Geld- oder sogar Gefängnisstrafe drohen.

Und wer den aufgeblähten Kaufpreis als Grundlage für die Berechnung der Gebäudeabschreibungen in der Steuererklärung nimmt, kann in Konflikt mit dem Finanzamt kommen. Denn die überhöhten Abschreibungen bringen höhere Steuerersparnisse. Das könnte den Tatbestand der Steuerhinterziehung oder zumindest der illegalen Steuerverkürzung erfüllen. Auch bei Exminister Schelter soll es zu steuerlichen Unregelmäßigkeiten gekommen sein.

Was Geprellte tun können

Doch was tun, wenn man so einem verhängnisvollen Cash-back-Angebot aufgesessen ist? Es gibt Chancen, aus dem Vertrag wieder heil herauszukommen. Aber die Rechtslage ist kompliziert. Am besten konsultiert der Betroffene einen Anwalt, der die Chancen und Risiken prüft.

Im Idealfall steht der Käufer dann am Ende so da wie vor dem verhängnisvollen Kauf. Im schlimmsten Fall bleibt er auf den Schulden sitzen. So wie der Ex-minister. Ihn wollen inzwischen seine Gläubiger pfänden lassen.

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