Betrügerische Kreditvermittler verdienen mit der Not anderer ihr Geld. Als Köder werfen sie Darlehen ohne Schufa-Auskunft aus, die sie in Internet, Videotext und der Presse anbieten. Überschuldete und Kunden, deren Bonität im Keller ist, greifen nach diesem Strohhalm. Doch zahlen die selbst berufenen Vermittler die Kreditsumme nicht aus. Statt dessen kassieren sie Bares für Vorabgebühren, kostenpflichtige Telefonberatung, Verträge über Wirtschaftsberatung und zum Schutz vor Unfall, Restschuld oder Arbeitslosigkeit. Das geht aus einer heute veröffentlichten Studie der Schutzvereinigung für allgemeine Kreditversicherung (Schufa) hervor.

Bonität wird doch überprüft

Die Schufa-Studie basiert auf 130 Anfragen bei 49 Kreditvermittlern, die von 20 kreditunwürdigen oder überschuldeten Testpersonen gemacht wurden. Sie alle haben einen Schufa-freien Kredit beantragt. Lediglich in zwei der 130 Fälle haben die Anbieter tatsächlich Kreditverträge vermittelt, die Auszahlung ist jedoch fraglich. Obwohl als Schufa-freie Darlehen angepriesen, prüften die Vermittler dennoch die Bonität der Testpersonen.

380 Euro im Schnitt abgezockt

In vier von fünf Fällen haben die Kreditvermittler versucht, den Antragstellern mit dubiosen Methoden Geld aus der Tasche zu ziehen. Sie behaupteten, dass es für die Kreditbewilligung günstig ist, zusätzliche Finanzprodukte zu kaufen. Diese sinnlosen Verträge für eine Restschuldversicherung oder „zur Beratung in sämtlichen finanziellen Fragen“ gehen oft mit erheblichen und langfristigen Zusatzzahlungen einher. Hat der Kunde die Verträge unterschrieben, wurde der Kredit - bis auf zwei Ausnahmen - abgelehnt. Nebenbei verkauften die Anbieter noch die persönlichen Daten der Antragsteller weiter. Jede Testperson sollte im Durchschnitt 380 Euro für Produkte ohne substantielle Gegenleistung zahlen.

Merkmale der Abzocker

Unseriöse Anbieter, die sich zum Teil rechtswidrig verhalten, sind an diesen Methoden zu erkennen:

  • Sie verlangen Vorabgebühren.
  • Sie bieten Finanzsanierungs- und Schuldenregulierungsverträge an.
  • Sie wollen Wirtschaftsberatungsverträge im Zusammenhang mit dem Kredit anbieten.
  • Sie verbinden die Kreditvergabe mit Mitgliedschaften in Vereinen.
  • Sie vertreiben Versicherungen zur vermeintlichen Kreditsicherung.
  • Sie veräußern Beteiligungen an Firmen/Unternehmen.
  • Sie vermitteln „Hausfrauenkredite“ unabhängig von der Zustimmung des Ehepartners.
  • Sie verkaufen Beratungsverträge oder Kundenkarten.
  • Sie weisen von ihnen geltend gemachte Auslagen nicht nach.
  • Kostenpflichtige „Beratungshotlines“ müssen genutzt werden.
  • Sie schicken Vermittler in die Wohnung.
  • Sie beauftragen für die Finanzsanierung ein ausländisches Institut.

Betroffene greifen nach jedem Strohhalm

Viele Betroffene brauchen einen neuen Kredit um vorhergehende Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können. Ihr Kreditspielraum bei den Banken ist jedoch erschöpft. Um die Fristen für ihre anstehende Ratenzahlungen einzuhalten, suchen sie neue Kreditgeber. So laufen Überschuldete rasch in die Arme der betrügerischen Kreditvermittler. Das mit Scham besetzte Thema hindert Betroffene daran, sich ihrem Bankberater oder der Schuldnerberatung zu offenbaren.

Tipp: Lassen Sie die Finger von Schufa-freien Kreditangeboten. Sie tappen dann noch tiefer in die Schuldenfalle. Offenbaren Sie sich lieber einem Schuldnerberater. Schuldnerberatungsstelle werden von Kommunen und Wohlfahrtsorganisationen wie der Caritas oder dem Diakonischen Werk getragen. Adressen und Telefon finden Sie im Internet.

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