Europaweit einheitliche Regeln: Mit der EU-Standardinformation Kredite vergleichen

Kreditberatung Test

Diese EU-Standardinformation für Verbraucherkredite hat eine unserer Testpersonen bei der Commerzbank bekommen.

Diese EU-Standardinformation für Verbraucherkredite hat eine unserer Testpersonen bei der Commerzbank bekommen.

Die Deutschen nehmen sich Zeit für einen Kreditvergleich. Bevor sie unterschreiben, holen sich vor allem die jüngeren Bankkunden im Durchschnitt mindestens zwei Angebote ein.

Der Vergleich wäre so einfach wie nie, wenn die Banken sich an das Gesetz hielten. In der gesamten Europäischen Union (EU) gelten die gleichen Vorschriften: Kunden, die sich ein Kreditangebot einholen, sollen dieselben Informationen bekommen. Auch in Deutschland ist seit Inkrafttreten des neuen Verbraucherkreditrechts im Juni 2010 genau vorgeschrieben, wie und worüber ein Bankkunde vor Abschluss eines Kreditvertrags informiert werden muss. Formuliert sind die EU-Vorgaben im Bürgerlichen Gesetzbuch und dem entsprechenden Einführungsgesetz.

Die EU hat dafür das Musterformular „EU-Standardinformation für Verbraucherkredite“ vorgeschrieben. Es ist sowohl für Raten- und Rahmenkredite Pflicht, für Dispokredite oder Baufinanzierungen freiwillig.

Vor dem Vertrag

  • Das Musterformular der EU listet in der linken Spalte allgemein die Informationen auf, die ein Kunde bekommen muss. In der rechten Spalte lässt es Platz für die individuellen Angaben der Bank oder Sparkasse. Die Informationen sind in vier Abschnitte unterteilt, für Kredite von Direktbanken in fünf:
  • Allgemeine Angaben. Darunter stehen Name und die bei Rechtsstreitigkeiten geltende Anschrift des Kreditgebers oder des Kreditvermittlers.
  • Wesentliche Merkmale des Kredits. Aufzuführen sind Kreditart, Höhe des Kredits, Bedingungen der Auszahlung, Laufzeit, Betrag und Anzahl der monatlichen Raten, Gesamtbetrag des Kredits sowie eventuell verlangte Sicherheiten, wie eine Gehaltsabtretung.
  • Kreditkosten. Hier wird angegeben, wie hoch der effektive Jahreszins ist, ob eine Kreditversicherung zwingend abzuschließen ist, ob die Bank eine Bearbeitungsgebühr verlangt und welche Kosten anfallen, wenn der Bankkunde in Zahlungsverzug gerät.
  • Rechtliche Aspekte. An dieser Stelle ist zum Beispiel notiert, ob der Kunde ein Widerrufsrecht hat und ob er den Kredit vorzeitig zurückzahlen kann. Dort steht auch, wie lange das individuelle Kreditangebot gilt.
  • Fernabsatz von Finanzdienstleistungen. Diesen Abschnitt müssen nur die Banken ausfüllen, die einen Onlinekredit vergeben. An dieser Stelle informieren sie die Kunden auch über ihr besonderes Widerrufsrecht und darüber, welches Länderrecht gilt. Hier müssen Name und Anschrift des Kreditgebers stehen, ob die Gesellschaft im Handelsregister eingetragen ist und wer die zuständige Aufsichtsbehörde ist.

Klares Formular

In der EU-Standardinformation sind damit auch die Angaben enthalten, die Finanztest im vergangenen Test der Kreditberatung im Februar 2007 für notwendig hielt. Das Formular ist übersichtlich und erfüllt seinen Zweck, nur leider bekommen es Kunden von Filialbanken fast nie, wie unser Test gezeigt hat.

Das Formular ist unverzichtbar, auch wenn die Banken fast einheitlich beklagen, dass dadurch die Kreditverträge unnötig umfangreich würden. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sagt sogar, es bleibe abzuwarten, ob die gesetzlich vorgesehenen Pflichtangaben nicht zu umfassend sind und eher eine Belastung für den Verbraucher darstellen.

Wie unser Test gezeigt hat, handelt es sich um höchstens vier bedruckte Seiten. Die Commerzbank kommt sogar mit einer Seite aus – leider hat auch sie im Test nur zwei Kunden das Papier mit nachhause gegeben.

Papier sparen können die Banken an anderer Stelle: Testkunden erhielten von der BBBank vier Broschüren, einen Werbezettel und eine CD mit den Geschäftsbedingungen und dem Preis- und Leistungsverzeichnis. Die EU-Standardinformation erhielten sie nicht.

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