Kreditberatung Test

Nur 3 von 13 Banken haben Kunden gut beraten, die sich 5 000 Euro borgen wollten. Dresdner Bank und Santander drehten ihnen teure Kredit­versicherungen an und fragten heimlich Schufa-Daten ab. Sie fielen im Test durch.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test:Kreditberatung

Das Gespräch lief sehr hektisch ab. „Nach zehn Minuten habe ich die Bank verlassen und wusste nur, dass ich monatlich 124 Euro zahlen soll“, berichtet Isolde Grabner* nach ihrem Kreditberatungsgespräch bei der Santander Consumer Bank. Angaben über Kosten und Zinssätze hatte ihr der Berater nicht gegeben, von einem ausgedruckten Kreditangebot ganz zu schweigen.

Nicht viel anders erging es Ingo Buschner* bei der Dresdner Bank: „Nachdem der Kundenberater meine persönlichen Daten und finanziellen Verpflichtungen erfragt hatte, bestand die Beratung darin, sich eine viertel Stunde zurückzuziehen und mit dem Filialleiter die Einzelheiten zu besprechen.“

Als Ergebnis bekam Herr Buschner den Rat, doch gleich 8 000 Euro Kredit statt der gewünschten 5 000 Euro aufzunehmen und zusätzlich noch 95 Euro monatlich in eine Lebensversicherung als Altersvorsorge anzulegen.

Verheerendes Ergebnis

Das sind nur zwei Beispiele von insgesamt 91 Gesprächen, die unsere Testpersonen geführt haben. Finanztest hatte sie zu 13 Banken geschickt. Wir wollten wissen, wie ein Kunde in sieben verschiedenen ­Filialen dieser Banken beraten wird, wenn er ein Angebot für einen Kredit über 5 000 Euro haben will.

Ermitteln die Berater, ob der Kunde sich den Kredit überhaupt leisten kann? Akzeptieren sie seine Vorgaben? Halten sie die Datenschutzbestimmungen ein? Machen sie ein Angebot ohne Kreditversicherung, wie es der Kunde verlangt? Bekommt der Kunde ein ausgedrucktes Angebot in die Hand, das er mit Angeboten anderer Banken vergleichen kann?

Das Ergebnis ist verheerend: Nur die Commerzbank, die Berliner Sparkasse und die Postbank haben unsere Ansprüche fast vollständig erfüllt und das Finanztest-Qualitätsurteil „gut“ erreicht.

Schlusslichter im Test sind die Dresdner Bank und die Santander Consumer Bank mit dem Qualitätsurteil „mangelhaft.“ ­Deren Mitarbeiter fielen nicht nur in den eingangs erwähnten Gesprächen unangenehm auf. Auch bei den weiteren Terminen bekamen unsere Testpersonen undurchsichtige Kreditangebote.

Meist waren im Preis teure Kreditversicherungen enthalten (siehe „Stichwort“). Der Kunde konnte aber nicht ihren Umfang erkennen und wie stark die Versicherung den Kredit verteuert. Die meisten Kunden der Santander Consumer Bank bekamen kein schriftliches Angebot, sondern mussten die Daten selbst notieren.

In jeweils zwei von sieben Gesprächen dieser Banken hielten die Berater den ­Datenschutz nicht ein. Sie fragten Schufa-Daten ab, um die Kreditwürdigkeit des Kunden zu prüfen, ohne ihn um Erlaubnis zu fragen. Das ist verboten. Wir haben in solchen Fällen unser Qualitätsurteil um ­eine halbe Note je Gespräch abgewertet.

Zwang zur Versicherung

Die Commerzbank schrammte knapp an einem „Sehr gut“ vorbei. Das hätte sie erreichen können, wenn die Berater nicht nur in vier, sondern in allen sieben Testfällen darauf verzichtet hätten, die Kreditangebote mit einer Kreditversicherung zu verbinden.

Unsere Testpersonen sollten darauf bestehen, ein Kreditangebot ohne Restschuldversicherung zu bekommen. Die ­geringe Monatsrate von gut 100 Euro macht sie verzichtbar.

Dass es möglich ist, einen Kredit über 5 000 Euro generell ohne Kreditversicherung zu bekommen, zeigen die sieben ­Beratungen in der Postbank.

Die SEB Bank wollte einem Testkunden die Versicherung mit dieser Auskunft schmackhaft machen: „Sie kostet ja nur 2,30 Euro im Monat.“ Das sind über die fünfjährige Laufzeit aber immerhin 138 Euro zusätzlich.

Wenn eine Bank einen Ratenkredit zwingend mit einer Restschuldversicherung verkauft, muss sie die Kosten dafür in den effektiven Jahreszins einrechnen. Im Falle der SEB Bank wäre der von 6,49 Prozent auf 8,25 Prozent gestiegen.

Trotz der klaren Vorgaben der Kunden machten die Berater nur in 32 von 91 ­Testgesprächen ein Angebot ohne Restschuldversicherung, in 23 weiteren Fällen rechneten sie zumindest Angebote mit und ohne Versicherung.

In den anderen 36 Gesprächen ignorierten die Berater den Wunsch des Kunden. Sie machten nur ein Angebot mit Restschuldversicherung und ließen sich nicht davon abbringen.

„Der Berater der Berliner Sparkasse ­sagte zu mir, dass ohne eine Restschuldversicherung kein Kredit vergeben wird“, berichtet eine Testperson. Zwei Tester bekamen bei der Hypovereinsbank die Auskunft, dass der Todesfallschutz die Mindestabsicherung für einen Ratenkredit sei. Auch bei der Berliner Volksbank hieß es einmal klipp und klar: „Ohne Todesfallabsicherung gibt es kein Kreditangebot.“

Dabei gibt die Branche zu, dass weit weniger als 10 von 100 genehmigten Ratenkrediten nicht ordentlich zurückgezahlt werden. Damit ist bewiesen, dass es unsinnig ist, jeden zu einer Restschuldversicherung zu zwingen. Eine Beratung ist nur dann gut, wenn ermittelt wird, ob für den Kunden eine Kreditabsicherung überhaupt notwendig ist und über welche Risiko­versicherungen er bereits verfügt.

Bei der readybank war das der Fall. Wenn der Kunde seine private Rentenversicherung oder seine Lebensversicherung abtritt, wollte die Bank auf den Abschluss einer Restschuldversicherung verzichten.

In den seltenen Fällen, in denen eine Absicherung notwendig ist, muss der Kunde die Möglichkeit haben, eine Restschuldversicherung separat bei einem günstigen Anbieter abschließen zu können.

„Eine Restschuldversicherung ist an sich ein sinnvolles Produkt, aber einfach überteuert.“ Diese Erfahrung hat Peter Sachs als Sachverständiger für Kapitalanlagen und private Finanzplanung gemacht.

Lebensumstände nicht erfragt

Der äußere Rahmen des Kreditgesprächs stimmte meist: Die Testpersonen konnten kurzfristig einen Beratungstermin vereinbaren und die Gespräche wurden nicht unterbrochen. Aber nur ein knappes Drittel der Testpersonen saß mit dem Berater in einem separaten Raum der Bank.

Gut die Hälfte der Mitarbeiter nutzte die Kreditberatung auch dazu, den Kunden andere Produkte des Hauses schmackhaft zu machen. „In den letzten 20 Minuten bemühten sich zwei Mitarbeiterinnen, mich zu überzeugen, mein Girokonto und das Fondsdepot zur Citibank zu verlegen“, berichtet eine Testperson.

Das ist frech, wirkte sich aber nur wenig auf die Bewertung aus, wenn sonst alles in Ordnung war. Wichtiger war uns, dass der Berater ermittelt, ob der Kunde sich den Kredit überhaupt leisten kann. Dazu hätte er zumindest erfragen müssen, welche Einnahmen der Kunde hat und welche Belastungen er davon bestreiten muss.

„Die Beraterin wollte weder wissen, welches Nettoeinkommen ich habe, noch ob ich in einem festen Arbeitsverhältnis bin. Es kam überhaupt kein Gespräch zustande“, wunderte sich eine Testperson, die bei der Deutschen Bank war. Nach 15 Minuten stand sie wieder auf der Straße – trotz allem mit einer „Beispielrechnung für ­Ihren Ratenkredit“.

*Name geändert.

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