Top oder Flop: Was die Schufa verrät

Kreditberatung Test

Berater nehmen die Schufa-Daten als Grundlage für die Entscheidung, ob der Kunde einen Kredit bekommt.

Nichts geht ohne Schufa-Auskunft, aber mit ihr gehts nicht ­unbedingt besser, ergab unser Test.

Kaum eine Bank vergibt einen Ratenkredit, ohne vorher eine Auskunft bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) einzuholen. Das tun die Banken, weil sie dort erfahren, ob der Kunde bereits andere Kreditverpflichtungen hat und sie damit schneller entscheiden, ob sie einen Kredit bewilligen können.

Die Schufa liefert ihnen Antworten auf folgende Fragen:

  • Wie viele Girokonten und Kredit­karten hat der Verbraucher?
  • Hat er bereits irgendwo einen Kredit aufgenommen?
  • Hat er eine Bürgschaft abgegeben?
  • Hat er in der Vergangenheit einen ­Kredit nicht regulär zurückgezahlt oder musste er gar Privatinsolvenz anmelden?

Banken müssen vorher fragen

Die Banken dürfen allerdings nicht ohne weiteres eine Schufa-Abfrage starten. Sie müssen den Verbraucher vorher um ­Erlaubnis fragen, sonst verstoßen sie ­gegen das Bundesdatenschutzgesetz. In unserem Test hielten sich Berater von sieben Banken nicht daran (siehe Tabelle „Gut beraten…“). Diesen Gesetzesverstoß haben wir bestraft und das Finanztest-Qualitätsurteil um eine halbe Note je Verstoß ­herabgesetzt.

Dass es anders geht, bewiesen die anderen sechs Banken. Sie ließen sich die Einwilligung entweder vorher schriftlich auf einem speziellen Vordruck geben oder sagten zumindest Bescheid, dass sie Einblick in die Schufa-Daten nehmen.

Anfrage verschlechtert den Score

Die Schufa sammelt nicht nur die Daten, sondern sie berechnet daraus auch einen sogenannten Scorewert. Diese Zahl gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Kunde seine Kreditverpflichtung nicht erfüllen wird. Er ist eine Momentaufnahme auf der Grundlage einer Vergleichsgruppe von Menschen, die dieselben Merkmale wie der Verbraucher haben, der den Kredit beantragt.

Ist das Risiko nahezu null, beträgt der Score 1 000 Punkte. Je geringer der Scorewert, desto höher ist das Ausfallrisiko. Jeder Score wird mit einer Ratingstufe versehen. Die Stufe A ist die beste, die Stufe M die schlechteste.

In unserem Test verschlechterte sich nach dem Einholen eines Kreditangebots der Scorewert fast aller Testpersonen (siehe Tabelle „Der Scorewert …“).

Auf diesen Umstand haben einige Berater die Testpersonen hingewiesen. Ein Berater der GE Money Bank sagte unserer Testperson, dass „jede Schufa-Anfrage die Bonität verschlechtert“. Ein anderer erklärte: „Beim Einholen mehrerer Angebote verschlechtert sich der Score und ­damit kann der Kredit teurer werden.“ Und ein Dritter sagte sogar, dass es in manchen Fällen dazu führen kann, dass der Kunde gar keinen Kredit bekommt.

Einfluss auf den Scorewert hat die Schufa-Anfrage eines Beraters, wenn er im Computer als Grund das Merkmal „Anfrage Kredit“ angibt. Das wird erfasst, wenn sich der Kunde ein konkretes Angebot unterbreiten lässt.

Zwar verschwindet es nach zehn Tagen wieder aus der Schufa-Auskunft und ist für Banken nicht mehr sichtbar, es bleibt aber noch ein Jahr lang bei der Schufa ­gespeichert.

Neue Schufa-Abfrage ohne Folgen

Dabei geht es inzwischen anders. „Seit Anfang Oktober können die Banken auch mit dem Merkmal „Anfrage Kreditkondition" Einblick in die Schufa-Daten ihrer Kunden nehmen“, sagt Schufa-Pressesprecher Stefan Horst. „Dieses neue Merkmal wirkt sich nämlich nicht auf den Score aus.“ Ende Oktober hätten erste Banken die neue Anfrage auch schon genutzt. Doch auch bei unseren Testberatungen, die im Oktober und ­November 2006 stattfanden, hat von den Banken im Test keine von dem neuen Merkmal Gebrauch gemacht.

Tipp: Wenn ein Berater das Thema Schufa aufgreift und Sie bittet, in das Einsehen der Schufa-Daten einzuwilligen, bestehen Sie darauf, dass er statt „Anfrage Kredit“ das Merkmal „Anfrage Kreditkondition“ verwendet. Dieses neue Merkmal ermöglicht Ihnen, die ­Angebote verschiedener Banken zu vergleichen, ohne dass sich Ihr Scorewert verändert.

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