Kredit umschulden Meldung

Je nach Vertrag gibt es verschiedene Wege, ein teures Darlehen vorzeitig abzulösen.

Noch sind die Zinsen niedrig. Viele Kreditnehmer haben die Chance, jetzt umzusteigen und sich langfristig günstige Zinsen zu sichern.

Bei der Aufnahme eines Kredits ist es wie beim Kauf von Aktien: Den optimalen Zeitpunkt zum Einstieg erwischt man nur selten.

Viele Immobilienbesitzer wissen davon ein Lied zu singen. Als sie ihr Haus vor einigen Jahren gebaut haben, schien ihr Kredit mit einem Zinssatz von 6 oder 7 Prozent für eine zehnjährige Zinsbindung noch relativ günstig. Heute kosten solche Darlehen bei günstigen Banken nicht einmal 5 Prozent.

Doch solange die Zinsbindung noch läuft, bleiben die meisten an ihren alten Vertrag gebunden. Und wenn sie Pech haben, sind die Zinsen längst wieder gestiegen, wenn sie in ein paar Jahren einen Anschlusskredit brauchen.

Kreditnehmer müssen allerdings nicht das Ende der Zinsbindung abwarten. Mit einer Umschuldung oder einem so genannten Forwarddarlehen können sie sich schon heute niedrige Zinsen weit über die ursprüngliche Zinsbindung hinaus sichern. Wer den Kreditvertrag prüft, findet mitunter sogar Möglichkeiten, sein teures Darlehen kostenlos gegen ein neues zu tauschen.

Kredite ohne Grundbuchsicherung

Besonders einfach lassen sich Kredite umschulden, die nicht durch eine Grundschuld oder Hypothek gesichert sind. Für diese Darlehen gelten die gesetzlichen Kündigungsregeln wie für ganz normale Ratenkredite – auch wenn das Geld für die Teilfinanzierung eines Eigenheims oder für den Kauf von Anteilen an einem geschlossenen Immobilienfonds verwendet wurde.

Darlehen ohne Grundpfandrecht kann der Kreditnehmer schon nach sechs Monaten Laufzeit jederzeit mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Dafür darf die Bank keine Kosten in Rechnung stellen.

Variable Zinsen

Genauso schnell werden Kreditnehmer ein teures Baudarlehen mit variablem Zinssatz los. Viele Banken verlangen für diese Darlehen noch immer einen Zinssatz von 5 bis über 6 Prozent ­– und damit mehr als für Kredite mit langer Zinsfestschreibung. Betroffene Hauseigentümer können den Kredit mit der gesetzlichen Frist von drei Monaten kündigen. Mitunter steht im Vertrag sogar eine noch kürzere Kündigungsfrist.

Die in der Regel beste Alternative ist jetzt die Umschuldung zu einem Festzinsdarlehen mit einer Zinsbindung von mindestens zehn Jahren. Will der Kreditnehmer trotz des Risikos steigender Zinsen an einem variablen Darlehen festhalten, sollte er zumindest eine Zinssenkung fordern oder zu einer billigeren Bank wechseln. Die günstigsten Institute bieten variable Darlehen schon zu Zinssätzen ab 3 Prozent an.

Alte Langläufer jetzt kündigen

Ausgesprochen lohnend ist eine Umschuldung für Kreditnehmer, die in den Jahren 1987 bis 1994 einen Kredit mit einer Zinsbindung von mehr als zehn Jahren abgeschlossen haben. Sind seit der Auszahlung des Kredits zehn Jahre vorüber, können sie auch vor dem Ende der regulären Zinsbindung mit einer Frist von sechs Monaten kündigen.

Dieses Kündigungsrecht ist heute bares Geld wert. Das zeigt folgendes Beispiel: Ein Hauseigentümer hat vor zehn Jahren 150 000 Euro Kredit mit 15 Jahren Zinsbindung und 1 Prozent Tilgung zu einem Zinssatz von 8 Prozent aufgenommen. Er kündigt den Kredit und schließt einen neuen Vertrag mit fünf Jahren Zinsbindung zu einem Zinssatz von 4,25 Prozent ab. Damit löst er am Ende der sechsmonatigen Kündigungsfrist die noch bestehende Restschuld des Altkredits (125 439 Euro) ab.

Mit dem Umstieg spart er Zinsen im Wert eines Mittelklassewagens. Zahlt er für den neuen Kredit die alte Monatsrate weiter, hat er nach fünf Jahren rund 22 000 Euro weniger Schulden als mit dem teuren Altkredit.

Umschuldung oft teuer erkauft

Von solchen Umschuldungsgewinnen können die meisten Hauseigentümer aber nur träumen. Denn ohne vertragliches oder gesetzliches Kündigungsrecht können Banken darauf pochen, dass der Kunde seinen Kredit unverändert bis zum Ende der Zinsbindung behält.

Auf eine Umschuldung lassen sie sich allenfalls ein, wenn der Kunde bereit ist, eine Vorfälligkeitsentschädigung für die vorzeitige Rückzahlung des alten Darlehens zu zahlen. Je länger die Zinsbindung des alten Kredits noch läuft und je stärker die Zinsen seit Vertragsabschluss gesunken sind, desto höher wird der Ablösebetrag. Das macht jede Hoffnung auf eine Zinsersparnis bis zum Ende der Zinsbindung zunichte.

Eine Umschuldung kann trotzdem sinnvoll sein. Sie bietet die Chance, die restliche Zinsbindung des Altkredits von beispielsweise 2 oder 3 Jahren gegen eine viel längere Zinsbindung von 10 oder 15 Jahren zu tauschen. Kreditnehmer sichern sich damit langfristig die heute niedrigen Zinsen und beugen einem in den nächsten Jahren drohenden Zinsanstieg vor.

Ob sich die Umschuldung am Ende auszahlt, hängt von der Zinsentwicklung und der Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung ab. Beträgt die Zinsbindung des Darlehens zum Beispiel noch zwei Jahre, kann sich die Umschuldung zu einem Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung schon lohnen, wenn die Zinsen in den nächsten zwei Jahren um gut einen halben Prozentpunkt steigen. Für vorsichtige Kreditnehmer wäre das ein attraktives Angebot.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Bank die Ablösesumme fair kalkuliert. Das sollten Kreditnehmer stets überprüfen lassen, bevor sie sich auf eine Umschuldung einlassen. Denn viele Banken fordern überhöhte Ablösesummen, die den Darlehenstausch für den Kunden unrentabel machen.

Forwarddarlehen als Alternative

Zu einer Umschuldung gibt es außerdem eine oft bessere Alternative: Läuft die Zinsbindung ihres Darlehens in den nächsten vier Jahre aus, können sich Kreditnehmer genauso gut mit einem Forwarddarlehen vor steigenden Zinsen schützen (siehe Tabelle „Forwarddarlehen“).

Im Gegensatz zu einer Umschuldung läuft der alte Kredit wie geplant weiter. Erst am Ende der Zinsbindung löst das Forwarddarlehen die Restschuld des Altkredits ab.

Ein Forwarddarlehen funktioniert wie ein ganz normaler Anschlusskredit ­– nur werden Zinsen, Monatsrate und sonstige Konditionen bis zu vier Jahre im Voraus verbindlich festgelegt.

Kostenlos ist allerdings auch diese Form der Zinssicherung nicht. Banken verlangen für Forwarddarlehen einen von der Restlaufzeit des Altkredits abhängigen Zinsaufschlag. So kostet ein Forwardkredit mit einjähriger Vorlaufzeit im Schnitt 0,3 Prozentpunkte mehr als ein sofort beginnendes Zehn-Jahres-Darlehen. Bei drei Jahren Wartezeit beträgt der Zinsaufschlag 0,75 bis über 1 Prozent.

Ein Forwarddarlehen lohnt sich daher nur, wenn die Hypothekenzinsen bis zum Auslaufen der Zinsbindung über diese Aufschläge hinaus steigen. Falls die Zinsen weniger stark steigen oder gar sinken, bleibt der Kreditnehmer dagegen auf einem teuren Darlehen sitzen.

Im Vergleich zu einer Umschuldung hat ein Forwarddarlehen klare Pluspunkte: Der Kreditnehmer ist nicht auf die Zustimmung seiner Bank angewiesen. Er kann aus vielen Angeboten wählen. Und er kann sofort erkennen, wie viel ihn die Zinssicherung kostet, weil Banken die Zinsaufschläge in den ­Effektivzins ihrer Angebote einrechnen müssen.

Ob sich das Forwarddarlehen unterm Strich rechnet, kann aber niemand garantieren. Zinsen lassen sich ebenso wenig vorhersagen wie Aktienkurse. Ob Top oder Flop – das weiß man erst im Nachhinein genau.

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