Krebsrisiko kombinierter Hormontherapien Meldung

Deutsche Tageszeitungen meldeten in den letzten Wochen neue Erkenntnisse zum Thema Hormontherapie: „Kein Krebs durch Hormone“ und „Hormontherapie löst keinen Brustkrebs aus“. Es drohe kein Krebsrisiko bei Hormonbehandlung wie etwa der kombinierten Anwendung von Östrogenen und Gestagenen. Stiftung Warentest warnt vor dieser Entwarnung. Fakt ist: Weiterhin gehen die meisten Institutionen, Gremien und Experten davon aus, dass bei der Anwendung kombinierter Hormonpräparate Krebs ausgelöst werden kann.

Fragwürdige Erkenntnisse

Die Medien beziehen sich in ihrer Berichterstattung im Wesentlichen auf einen einzigen Aufsatz, der in den Fachzeitschrift „Human Reproduction“ erschienen ist. Darin wird behauptet, dass Hormontherapien keine neuen Tumore auslösen. Es könnte lediglich sein, dass bereits vorhandene Tumorzellen durch die kombinierte Anwendung von Östrogen und Gestagen schneller wachsen. Manche Mediziner deuten diesen Effekt bei einer Hormontherapie sogar als Vorteil: Frauen, bei denen durch die Hormontherapie das Brustkrebsstadium schneller voranschreite, hätten möglicherweise sogar bessere Überlebenschancen. Denn der Arzt könne den Tumor früher erkennen und entsprechend behandeln.

Keine Entwarnung

Experten der Stiftung Warentest sehen in der Verbreitung dieser Auffassung durch die Medien eine Gefahr. Maßgebliche Institutionen, die sich mit dem Krebsrisiko bei Hormontherapien seit Jahren beschäftigen, kommen nämlich nach wie vor zu dem Schluss: Hormone haben eine krebsauslösende Wirkung. Diese Meinung vertritt etwa die Krebsforschungsorganisation der Weltgesundheitsorganisation (IARC). Sie bewertet seit über 30 Jahren periodisch mit Expertinnen und Experten aus aller Welt Arzneimittel und chemische Substanzen hinsichtlich ihres krebserzeugenden Potenzials. Die IARC berücksichtigt dabei Tierexperimente, klinische und epidemiologische Studien und sichtet systematisch international veröffentlichte Literatur.

Beschreibung der Wirkprinzipien

So fand erst im Juni 2005 eine Sitzung des international zusammengesetzten Expertenrates über die Sicherheit von Hormonpräparaten statt. Der Expertenrat verabschiedete eine so genannte Monografie. In dieser beschreiben die Experten die Wirkprinzipien der kombinierten Anwendung von Gestagen und Östrogen. Auch darin wurde die Ansicht vertreten: Diese Art der Anwendung kann krebsauslösend wirken. Neu daran ist die Einstufung des Krebsrisikos. Bisher galt die postmenopausale (nach den Wechseljahren) Hormontherapie als „möglicherweise krebsauslösend“. Aufgrund der Daten aus neuen Studien wird nun die kombinierte Anwendung von Gestagen und Östrogen nach den Wechseljahren als „krebsauslösend“ klassifiziert. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit für eine krebsauslösende Wirkung dieser Mittel wird höher eingestuft als bisher. Bei kombinierter Anwendung von Estrogenen und Gestagenen nach den Wechseljahren steigt das Risiko für Brustkrebs und in Abhängigkeit von der Art der Verabreichung auch das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs. Die Experten sehen zudem keine ausreichenden Belege dafür, dass diese Mittel bei bestimmten Krebsarten - etwa beim Dickdarmkrebs - auch schützende Effekte haben.

Hormonpräparat „Pille“

Beleg für diese Aussage sind zum Beispiel die Ergebnisse der Women’s Health Initiative Study und der One Million Women Study. Nach Meinung des Gremiums lassen zahlreiche Studien weitere Schlüsse zu: Auch die Anwendung der Pille ist mit verschiedenen Krebsrisiken für bestimmte Organe verbunden - und zwar wenn die Pille aus Östrogen und Gestagen zusammengesetzt ist. Bei Frauen, die die Pille einnehmen, ist das Risiko für einen Brustkrebs leicht erhöht. Die Gefahr, dass Gebärmutterhalskrebs ausgelöst wird, wächst mit der Anwendungsdauer. Auch das Risiko für Leberkrebs steigt an. Im Gegensatz dazu zeigt die Pille eine schützende Wirkung gegen Gebärmutterschleimhautkrebs und Eierstockkrebs. Die Schutzwirkung steigt mit der Anwendungsdauer und bleibt auch nach Absetzen der Pille noch mindestens 15 Jahre bestehen.

Beraten lassen

Fakt ist: Es muss nach wie vor von einer krebsauslösenden Wirkung bei der Anwendung kombinierter Hormonpräparate ausgegangen werden. Diese variiert je nach Anwendungsart (Hormonpräparate, Pille) und Anwendungsdauer. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und der Fachgesellschaften empfiehlt Frauen, die in der Postmenopause Hormonpräparate einnehmen, sich zu Nutzen und Risiken einer Hormontherapie ausführlich beraten zu lassen. Eine Therapie sollte nur bei deutlicher Einschränkung der Lebensqualität durch starke Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen in möglichst niedriger Dosierung und für einen möglichst kurzen Zeitraum erwogen werden. Frauen mit einer familiären Häufung von Brustkrebsen sollten jede Anwendung von Kombinationspräparaten mit Östrogenen und Gestagenen möglichst vermeiden, da bei ihnen ein ohnehin erhöhtes Risiko für Brustkrebs weiter gesteigert wird.

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