Krebskranke Meldung

Nicht alle Krebspatienten brauchen eine spezielle Kost. Doch eine angepasste Ernährung kann Beschwerden lindern, die Tumor oder Therapie verursacht haben.

Reinigen, entgiften, aushungern – das sind einige der Schlagworte, mit denen Erfinder und Anbieter von Diäten Krebskranke davon überzeugen wollen, dass eine spezielle Ernährung den Krebs vertreiben kann. Sie propagieren Fasten oder Saftkuren, Rohkost mit Kalbslebersaft, Rote Bete rund um die Uhr, Sauerkraut und Sauermilch. Andere der selbsternannten Heiler erlauben alles, was gut schmeckt und riecht, aber keine gekochten oder gebratenen Nahrungsmittel, sie schlagen Kaffee-Rizinus-Einläufe vor oder sogar die Einnahme von Petroleum.

Verunsichert durch „Krebskur“

Patienten werden durch Berichte über solche wundersamen Krebskuren verunsichert. Von Ernährungsberatern in der Klinik wollen sie deshalb häufig wissen, wie sinnvoll es ist, solche Ratschläge zu befolgen, erklärt Dr. Karl-Heinz Krumwiede, der als Ernährungswissenschaftler und Berater am Klinikum Nürnberg arbeitet.

Doch eine Diät, die Krebs verhindern oder heilen kann, gibt es nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht (siehe auch Interview Dr. Krumwiede). Ernährungswissenschaftler und Krebsexperten warnen sogar vor einigen Diätkonzepten. Viele der sogenannten Krebsdiäten sind einseitig und bauen auf falschen Vorstellungen auf.

Selbst einzelne, eigentlich gesunde Nahrungsmittel können zu einer Mangelernährung führen, wenn sie im Übermaß verzehrt werden und auf andere Lebensmittel verzichtet wird. Im schlimmsten Fall kann eine vermeintliche Wunderdiät bei Krebspatienten sogar schwere Komplikationen verursachen oder sie veranlassen, eine wirksame Behandlung zu unterlassen.

Abwechslungsreich essen

Was Krebskranke essen sollten „ hängt ganz von der jeweiligen Situation des Patienten ab“, erläutert Dr. Krumwiede, „unter anderem von der Art des Tumors und von der Behandlung“. Für den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden sind schmackhafte und abwechslungsreiche Mahlzeiten wichtig – so wie man sie auch Gesunden empfiehlt, mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen und weniger tierischen Fetten. Sie sollten den Körper mit ausreichend Energie und Nährstoffen versorgen. Auch Genussmittel wie Kaffee, Kuchen oder Süßigkeiten sind für Patienten ohne Verdauungsprobleme nicht tabu. Mit Alkohol sollten sie dagegen während der Therapie vorsichtig umgehen und mit dem Arzt abklären, ob Alkohol mit den Medikamenten in Konflikt geraten kann. „Manchmal kann ein kleiner Aperitif sogar sinnvoll sein“, sagt Dr Krumwiede, „weil er den Appetit anregt“.

Spezielle Kost

Doch nicht für alle Krebskranken sind die allge­meingültigen Ernährungsempfehlungen sinnvoll. Bei einigen Patienten wirken sich die Therapie oder der Tumor auf die Ernährung aus. Ihnen kann eine spezielle Kost helfen, Beschwerden wie Übelkeit oder entzündete Mundschleimhäute zu lindern (siehe Nebenwirkungen abschwächen).

Therapien und ihre Folgen

Die drei wichtigsten Behandlungsformen von Krebserkrankungen sind Operation, Chemotherapie und Strahlenbehandlung. Meist wird als Erstes der Tumor per Operation entfernt. Häufig erhalten Patienten zusätzlich eine Strahlen- oder Chemotherapie, um restliche im Körper verbliebene Tumorzellen zu zerstören. Die Bestrahlung wirkt nur dort, wo die Strahlen auf das Gewebe treffen – entweder von außen oder durch radioaktives Material, das dem Körper an bestimmten Stellen eingepflanzt wird. Die Bestrahlungsplanung sorgt dafür, dass die Strahlen genau auf den Tumor ausgerichtet sind, dennoch wird manchmal auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen. So kann zum Beispiel die Bestrahlung des Bauchraums Übelkeit oder Durchfall zur Folge haben. Werden Kopf-, Hals- oder Brustbereich bestrahlt, kann sich das auf die Mundschleimhaut oder die Speiseröhre auswirken, zu Schluckbeschwerden und Geschmacksstörungen führen.

Wenn sich bereits Tochtergeschwülste in entfernten Organen gebildet haben, kommt eine Chemotherapie zum Einsatz. Die Medikamente werden entweder als Tabletten eingenommen, in die Muskeln gespritzt oder als Infusion in die Venen gegeben. Sie hindern die Krebszellen daran, weiter zu wachsen, indem sie in die Zellteilung eingreifen. Da die Medikamente aber mit dem Blutkreislauf in den ganzen Körper verteilt werden, zerstören sie auch gesunde Zellen, die sich häufig teilen, wie zum Beispiel Schleimhaut- und Haarwurzelzellen.

Medikamente gegen Übelkeit

Eine der häufigsten Nebenwirkungen der Krebsbehandlung ist Übelkeit, oft als Folge der Chemo- oder Strahlentherapie. Doch es gibt wirksa­me Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen unterdrücken, sogenannte Anti­emetika. Häufig können sie schon vorbeugend eingenommen werden. Sie sollten jedoch nicht zu niedrig dosiert werden. Patienten sollten auch nicht versuchen, mit weniger Medikamenten auszukommen oder ganz auf sie zu verzichten. Denn wenn der Körper erst einmal „gelernt“ hat, auf die Chemotherapie mit Erbrechen zu reagieren, kann später selbst das Betreten eines Krankenhauses oder der Geruch in einer Arztpraxis Übelkeit auslösen.

Risiko Auszehrung

Doch trotz wirksamer Mittel gegen Übelkeit verlieren viele Patienten während der Chemotherapie die Lust am Essen. Die anstrengende Behandlung und die psychi­sche Belastung können dazu führen, dass sie Gewicht verlieren.

Noch gravierender wirkt sich aus, wenn der Tumor selbst den Stoffwechsel so sehr beeinflusst, dass der Körper mit dem Essen nicht genügend Nährstoffe aufnimmt oder die Nahrung nicht so gut verarbeitet wie ein gesunder Organismus. Die Folge kann die sogenannte Tumorkachexie – extremer Gewichtsverlust und Auszehrung – sein. Das belastet und schwächt die Patienten, erschwert aber auch die Krebstherapie und stellt deren Erfolg infrage. Studien haben gezeigt, so Dr. Krumwiede, dass in solchen Fällen eine fettreiche und kohlenhydratarme Kost, die außerdem reichlich Eiweiß enthält, einer normalen Kost überlegen sein kann – auch wenn noch nicht alle wissenschaftlichen Beweise vorliegen. Die Nahrung konnte die Gewichtsabnahme bremsen und die Kranken konnten ihre Muskelmasse erhalten.

Manchmal reicht die herkömmliche Ernährung nicht mehr aus. Dann kommen auch Trinknahrung („Astronautenkost“) oder Infusionen infrage. Bei einigen Patienten konnte auch die Gabe von Omega-3-­Fettsäuren den Gewichtsverlust stoppen. In wenigen Fällen führte das sogar wieder zu einer leichten Gewichtszunahme. „Wenn man so die Gewichtsabnahme abfangen kann, hat man einen Erfolg erzielt“, sagt Dr. Krumwiede. „Was man aber nicht verwechseln darf“, warnt er , „das ist keine Diät, mit der man den Krebs beseitigt“.

Ernährungsberatung beim Profi

Patienten, die sich nach ihrer Entlassung aus der Klinik beraten lassen wollen, wie sie gesund essen und kochen können, bekommen von den Krankenkassen einen Teil der Kosten für eine qualifizierte Ernährungsberatung erstattet. Die Kassen verlangen von den Beratern aber eine staatlich anerkannte Ausbildung. In der Regel akzeptieren sie Ernährungswissenschaftler, Ökotrophologen, Diätassistenten und Ärzte mit einer Zusatzqualifikation für Ernährungsmedizin. Doch nicht alle Ernährungsberater kennen sich auch mit Krebs aus.

Tipp: Auf den Internetseiten der Berufsverbände, zum Beispiel www.vdoe.de oder www.vde.de, finden sich häufig die Profile der einzelnen Ernährungsberater, in denen sie auf ihre Spezialisierung hinweisen.

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