Krebsgefahr Schnelltest

Alarm im Baumarkt: Billige Werkzeuge enthalten oft giftige Weichmacher. Verdächtig sind alle Teile aus Kunststoff und Gummi. Hammergriffe, Fensterwischer, Abflusspümpel, Kabelführungen und die Griffe von Elektrogeräten. Vor allem, wenn sie schwarz, weich und billig sind. Die Stiftung Warentest hat 33 Werkzeuge aus Baumärkten untersucht. 26 waren stark oder sehr stark belastet. test.de sagt, worauf Heimwerker achten können.

Gefahr durch PAK

Billige Kunststoffe werden oft mit Teerölen versetzt. Das sind Abfälle aus der Kohle- und Erdölindustrie. Sie sollen Kunststoff und Gummi geschmeidig machen. Teeröle enthalten aber polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – kurz PAK. Die können Krebs erzeugen und das Erbgut verändern. PAK sind Substanzgemische aus mehreren Hundert Einzelstoffen. Als besonders kritisch gilt die Leitsubstanz Benzo(a)pyren. Sie kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Im Tierversuch ist die schädliche Wirkung belegt. Gesetzliche Grenzwerte für den PAK-Gehalt in Werkzeugen gibt es aber nicht. Einige Experten bezweifeln, dass ein Schwellenwert Sinn machen würde. Für einen Schaden am Erbgut reicht unter Umständen ein einziges Molekül.

Zehn Gramm im Fensterwischer

Werkzeuge enthalten oft mehrere Gramm PAK. Die Stiftung Warentest untersuchte 33 Werkzeuge aus verschiedenen Baumärkten. Darunter Hammergriffe, Abflusspümpel, Verlängerungskabel, Gipsbecher und die Griffe von Elektrogeräten. Drei von vier Werkzeugen im Test waren stark oder sehr stark belastet. PAK-Gehalt: ein bis vier Gramm pro Kilogramm Kunststoff. Im Griff des Fensterwischers Peggy Perfect von Hornbach entdeckten die Chemiker der Stiftung Warentest sogar noch mehr PAK: 10,7 Gramm. Ob Bauhaus, Hagebau, Hornbach, Marktkauf, Max Bahr, Obi, Praktiker, Toom oder ZAK: PAK-haltige Werkzeuge lagen überall im Regal.

Ungiftige Alternativen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung fordert, PAK in „verbrauchernahen Produkten“ so weit wie möglich zu reduzieren. Eigentlich kein Problem: Es gibt andere, ungiftige Stoffe, die Kunststoff und Gummi geschmeidig machen. Die Alternativen sind allerdings teurer. Im Juni 2005 warnte die Stiftung Warentest erstmals vor den Gefahren von PAK in Billigwerkzeugen. Bisher haben aber nur Lebensmitteldiscounter wie Aldi reagiert. Sie verlangen von ihren Lieferanten nun Werkzeuge ohne Schadstoffe, wenn sie solche Artikel als Aktionsware anbieten. Eine Garantie ist das noch nicht. Immerhin: Stichproben der Stiftung Warentest zeigen, dass die Werkzeuge beim Discounter nur noch selten mit PAK belastet sind.

Finger weg von Billigware

Wer sichergehen will, sollte Markenwerkzeug kaufen. Mit dem Preis steigt zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass bei der Herstellung nur ungiftige Weichmacher verwendet wurden. Beispiel: Bohrmaschinen. Im Februar testete die Stiftung Warentest Schlagbohrmaschinen und Bohrhämmer. Die teuren Markengeräte waren frei von PAK. Verdächtig sind Billigwerkzeuge mit Gummi- und Kunststoffteilen. Faustregel: alles was schwarz, weich und billig ist. Auch die Nase kann helfen: PAK-haltige Teeröle riechen stechend und penetrant. Wie angebranntes Gummi. Der Geruch verfliegt allerdings mit der Zeit. Und es gibt Kunststoffe die riechen, obwohl sie nicht mit PAK belastet sind. Ist das Werkzeug belastet, gilt: Die Weichmacher lösen sich beim Kontakt mit der Haut. Handcremes und fetthaltige Kosmetik verstärken den Effekt. Über die Haut gelangen PAK in den Körper. Deshalb: Finger weg oder mit Handschuhen arbeiten.

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