Gewissheit haben, dass mit der Gesundheit alles in Ordnung ist und aktiv etwas dafür tun, dass dies auch so bleibt - das sind zwei Gründe, die für die Krebsvorsorge-Untersuchungen sprechen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nicht für alle Tests und Verfahren die Kosten. Dennoch: Der Markt für die Krebsvorsorge boomt. Stiftung Warentest hat 46 gängige Früherkennungsverfahren untersucht. Ergebnis: Die meisten Methoden sind für die Krebsfrüherkennung nicht oder nur wenig geeignet.

Auswertung von Studien

Um die Wirksamkeit von gängigen Verfahren der Krebsfrüherkennung zu überprüfen, hat die Stiftung Warentest internationale Fachliteratur und Studien gesichtet und insgesamt 50 Bewertungen zu gängigen Verfahren abgegeben. Das Ergebnis: Nur die Mammografie ist bei Frauen zwischen 50 und 70 Jahren zur Krebsvorsorge geeignet. Weitere 13 Methoden sind nur wenig oder mit Einschränkung geeignet. Und: 36 Verfahren eignen sich überhaupt nicht zur Krebsfrüherkennung.

Beispiel Mammografie

Bei einer Mammografie wird die Brust mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. So können auffällige Veränderungen im Brustgewebe festgestellt werden. Erfahrene Radiologen und Frauenärzte entdecken auf den Röntgenbildern auch Knoten, die kleiner als ein Zentimeter und daher noch nicht tastbar sind. Direktes Risiko bei der Untersuchung: Die eingesetzten Röntgenstrahlen. Bei modernen Geräten und gut ausgebildetem Personal liegt die Strahlenbelastung zwar unter dem erlaubten Maximum, aber ein kleines Risiko bleibt.
Trotzdem ist die Mammografie für Frauen zwischen 50 und 70 Jahren als Früherkennungsmaßnahme geeignet. Der Nutzen ist wissenschaftlich belegt. Für Frauen um die 40 ist die Mammografie dagegen nur mit Einschränkung geeignet. Die Treffsicherheit der Untersuchung ist hier schlechter und somit das Risiko eines falsch-positiven Befunds höher.

Beispiel Helicobacter pylori Atemtest

Eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori gilt als Risikofaktor für die Entstehung von Magenkrebs. Eine Therapie mit Antibiotika kann das Bakterium beseitigen und so möglicherweise das Risiko verringern, an Magenkrebs zu erkranken. Nachgewiesen wird Helicobacter pylori durch einen speziellen Atemtest. Dieser ist aber zur Vorbeugung von Magenkrebs nicht geeignet. Grund: Mangels zuverlässiger Studien ist derzeit nicht abzuschätzen, ob der Atemtest tatsächlich das Erkrankungsrisiko senkt. Zwar ist der Test selbst harmlos, doch kann er möglicherweise zu Therapien führen, von denen Betroffene sogar Nachteile haben. Das kann etwa bei einer unnötigen Antibiotikatherapie der Fall sein. Nicht zuletzt, da Antibiotika bei zu häufiger Einnahme wirkungslos werden können, da die Erreger Resistenzen aufbauen.

Beispiel HPV-Test

Der HPV-Test - als Früherkennungsmethode für Gebärmutterhalskrebs - soll Infektionen der Muttermundschleimhaut mit bestimmten Warzenviren (humane Papillomaviren) nachweisen. Einige dieser Viren können auch Jahre nach einer Infektion ein Krebswachstum begünstigen. Für den Test benötigt der Frauenarzt einen Abstrich vom Gebärmuttermund. Dieser ist einfach und gefahrlos zu entnehmen. Doch bei vielen Frauen führt die Untersuchung zu falschen Verdachtsbefunden. Die Folge: Ängste und sogar unnötige Operationen. Zudem gibt es kaum zuverlässige Studien, die belegen, dass die Untersuchung das Risiko senkt, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Der HPV-Test ist daher als Früherkennungsmethode nicht geeignet.

Ratgeber „Krebsfrüherkennung“

Eine genaue Beschreibung der 46 untersuchten Methoden zur Krebsfrüherkennung liefert der Ratgeber der Stiftung Warentest. Das Buch erklärt, wie verschiedene Krebsarten entstehen und was sie begünstigt. Es informiert über Ziele und Funktionen der einzelnen Früherkennungsmethoden. Darüber hinaus wägt der Ratgeber Nutzen und Risiken der Untersuchungen gegeneinander ab und sagt, was wirklich sinnvoll ist und wann Interessenten auf die Untersuchung verzichten sollten. Der Ratgeber hat 290 Seiten und kostet 19,90 Euro.

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