Krank­schreibung Was trotzdem erlaubt ist

19.03.2013
Krank­schreibung - Was trotzdem erlaubt ist

Wer krank oder – präziser formuliert – arbeits­unfähig ist, muss nicht unbe­dingt im Bett liegen. Das Raus­gehen ist häufig Pflicht und sogar Sport ist mitunter zulässig. Finanztest erklärt die Rechte erkrankter Arbeitnehmer.

Richter vertrauen dem „gelben Zettel“

So rück­halts­los wie Arbeits­richter vertraut Medizinern kaum noch jemand. Ihnen ist das Wort des Arztes noch heilig. Wenn der Arzt Arbeits­unfähigkeit bescheinigt, dann gilt das auch. Der „gelbe Zettel“, wie das Attest für den Chef im Volks­mund heißt, hat vor Gericht Beweis­kraft.

Was während der Krank­schreibung erlaubt ist

Auch für das Verhalten während der Krank­schreibung gilt, was der Arzt sagt. Wenn dieser zum Beispiel Kino, Theater, Einkaufen oder sogar eine Reise zulässt, muss der Chef das akzeptieren. Sogar Leistungs­sport wie die Teil­nahme an Marathonläufen ist im Einzel­fall zulässig. Das hat das Arbeits­gericht Stutt­gart (Az. 9 Ca 475/06) zugunsten eines Ausdauer­sport­lers mit gebrochenem Schulterblatt entschieden. Auch eine psychisch kranke Läuferin durfte trotz Arbeits­unfähigkeit Marathon laufen, urteilte das Landes­arbeits­gericht Baden-Württem­berg (Az. 14 Sa 15/11) Umge­kehrt gilt: Wenn der Arzt Bewegung und frische Luft empfiehlt, dann ist sein Patient auch dem Chef gegen­über in der Pflicht. Er muss sich so verhalten, dass er möglichst schnell wieder fit wird.

Was während der Krank­schreibung nicht erlaubt ist

Der Chef kann den Beweis­wert des gelben Scheins im Einzel­fall erschüttern. So in einem Fall, den das Landes­arbeits­gericht Hessen zu entscheiden hatte: Ein Schweißer erkrankte, nachdem ihm sein Chef wegen Auftrags­mangel betriebs­bedingt mit sieben Monaten Frist kündigte. Das Unternehmen schaltete darauf­hin einen Privatdetektiv ein. Der lockte den Schweißer mit dem Angebot, schwarz zu arbeiten: Wände einreißen, mauern, anstreichen. Der Schweißer nahm bereitwil­lig an und fragte, wann er anfangen könne. Der Detektiv informierte den Chef, und der schickte die frist­lose Kündigung. Zu recht, urteilte das Landes­arbeits­gericht in Frank­furt (Az. 6 Sa 1593/08).Die Kündigung wegen „genesungs­widrigen Verhaltens“ erhielt ausgerechnet ein Gutachter des medizi­nischen Dienstes der Krankenkassen. Der Arzt war an Hirnhaut­entzündung erkrankt und hatte Konzentrations­schwächen. Trotzdem nahm er an einem Skikurs teil. Prompt stürzte er und brach sich ein Bein. Das Bundes­arbeits­gericht billigte die Kündigung. Das Risiko durfte der Mediziner nicht eingehen, fanden die Richter (Az. 2 AZR 53/05).

19.03.2013
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