Auch wenn ein Arbeitgeber die Richtigkeit eines ­ärztlichen Attests anzweifelt, darf er dem Arbeitnehmer nicht fristlos kündigen. Nach einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz (Az. 4 Sa 728/04) muss der Arbeitgeber beweisen, dass seine Zweifel an der Richtigkeit des Attests begründet sind.

Der Arbeitgeber hatte bezweifelt, dass einer seiner Mitarbeiter an einem Schleudertrauma leide und deshalb arbeitsunfähig sei. Der Chef hatte erfahren, dass der Mitarbeiter in einer Gaststätte bei einem handfesten Streit die Halskrause abgelegt hatte.

Dies reichte dem Gericht nicht als Beweis für eine vorgetäuschte Erkrankung aus. Dem Mann könne zwar genesungswidriges Verhalten vorgeworfen werden. Ohne vorherige vergebliche Abmahnung berechtige dies allerdings nicht zu einer außerordentlichen Kündigung.

Tipp: Ein erkrankter Mitarbeiter muss seinem Arbeitgeber bereits am Morgen des ersten Fehltags Bescheid sagen. Ein ärztliches Attest muss meist am vierten Abwesenheitstag vorliegen. Es gibt aber auch Betriebe, in denen das Attest bereits ab dem ersten Tag nötig ist. Es muss dann zwar nicht am ersten Tag eingehen, aber bereits für diesen Fehltag gelten.

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