Krankes Kind Special

Das kranke Kind geht vor. Müssen Eltern zuhausebleiben, darf der Arbeit­geber zumindest unbe­zahlte freie Tage nicht verweigern.

Schon eine fieb­rige Erkältung kann den Alltag und Zeitplan berufs­tätiger Mütter und Väter durch­einander­wirbeln. Wenn das Kind krank ist, können sich Eltern unbe­zahlt frei­stellen lassen – bis zu zehn Tage pro Jahr.

Die kleine Tochter hat 38 Grad Fieber. Sie klagt über Kopf- und Hals­schmerzen. Es ist morgens halb acht, der Vater auf dem Weg zur Arbeit. Die Mutter müsste in einer halben Stunde im Büro sein. Daran ist jetzt nicht zu denken. Sie wird die Tochter nicht in den Kinder­garten bringen, sondern mit ihr sofort zum Arzt fahren und dann mit ihr zuhause bleiben. Niemand sonst kann einspringen.

Für Arbeitnehmer können solche Situationen zu einer organisatorischen Heraus­forderung werden. Sind die Kinder unter zwölf Jahre jung, dürfen Eltern zumindest einige Tage im Jahr zuhause bleiben – zum Teil sogar ohne Einbußen beim Gehalt. Sie können bezahlten Sonder­urlaub nehmen oder, wenn das nicht klappt, eine unbe­zahlte Frei­stellung vom Job beantragen.

Angestellte müssen ihre Firma aber schnellst­möglich informieren, wenn sie nicht kommen können. Ob die Krank­schreibung vom Arzt gleich am ersten Tag vorliegen muss, sollten sie mit dem Chef am besten vor dem ersten Notfall schon einmal geklärt haben (siehe Checkliste).

Bezahlter Sonder­urlaub

Häufig regelt der Arbeits- oder Tarif­vertrag, wie lange Angestellte bei Krankheit der Kinder zuhause bleiben dürfen. „Fehlen hier genaue Angaben, können sich Eltern auf die Vorgaben im Paragrafen 616 des Bürgerlichen Gesetz­buchs verlassen“, sagt Michael Henn, Vorsitzender des Verbands deutscher Arbeits­rechts­anwälte. Laut BGB steht Angestellten für bis zu fünf Tage im Jahr bezahlter Sonder­urlaub zu, wenn sie unver­schuldet nicht arbeiten können. Dazu zählen die eigene Hoch­zeit, der Tod eines Angehörigen oder eben die Krankheit von Kindern bis zwölf Jahre. „Allerdings ist es Arbeit­gebern nach derzeitigem Recht erlaubt, die Regeln für den bezahlten Sonder­urlaub zu ändern oder ihn ganz zu streichen“, erklärt Fach­anwalt Henn.

Unbe­zahlte Frei­stellung

Streicht der Arbeit­geber die bezahlten freien Tage oder brauchen berufs­tätige Eltern mehr Zeit, bleibt ihnen der Anspruch auf eine unbe­zahlte Frei­stellung vom Job. Laut Paragraf 45 im fünften Sozialgesetz­buch dürfen Eltern zuhause bleiben, wenn

  • ein Arzt bestätigt, dass sie zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege des erkrankten Kindes der Arbeit fern­bleiben müssen,
  • keine andere im Haushalt lebende Person das Kind beaufsichtigen kann,
  • es noch keine zwölf Jahre alt ist. Für Kinder mit Behin­derung entfällt die Alters­grenze.

Bis zu 10 freie Tage pro Jahr und Kind sind je Eltern­teil möglich, für Allein­erziehende bis zu 20 Tage. Haben Vater und Mutter mehrere Kinder, dürfen sie jeweils höchs­tens 25 Tage im Jahr zuhause bleiben, Allein­erziehende maximal 50 Tage. „Dieses Recht auf unbe­zahlte Frei­stellung gilt sowohl für gesetzlich als auch für privat kranken­versicherte Angestellte“, sagt Fach­anwalt Michael Henn.

Für Beamte weichen die Regeln ab. Sie können sich auch auf Bundes­ebene und in den Ländern unterscheiden. Beispiels­weise dürfen Bundes­beamte bis zu vier Tage im Jahr wegen Krankheit eines Kindes unter zwölf zuhause bleiben und erhalten trotzdem die vollen Bezüge.

Krankengeld ersetzt Gehalt

Zahlt der Chef das Gehalt nicht weiter, hilft den meisten Berufs­tätigen die Krankenkasse. Entscheidend ist, ob sie gesetzlich oder privat kranken­versichert sind. Privatversicherte gehen in der Regel leer aus. Anders gesetzlich versicherte Eltern. Sie können von ihrer Kasse auch bei Krankheit des Kindes ein Krankengeld bekommen: 70 Prozent des Brutto­gehalts, aber nicht mehr als 90 Prozent vom Netto­gehalt – derzeit maximal rund 92 Euro pro Tag. Die Kasse springt ein, wenn Eltern die Bescheinigung vorlegen, die der behandelnde Arzt extra für die Kasse ausstellt.

Auch gesetzlich versicherten Selbst­ständigen kann bei Krankheit des Kindes Geld von der Kasse zustehen. Sie zahlt aber nur, wenn die Versicherten auch bei eigener Erkrankung Anspruch auf Krankengeld hätten. Das ist nicht auto­matisch der Fall: Je nach Vereinbarung mit der Krankenkasse kann es sein, dass Selbst­ständige nur einen reduzierten Beitrag zahlen und deshalb kein Krankengeld erhalten.

Ist die ganze Familie gesetzlich kranken­versichert, können beide Eltern­teile pro Kind jeweils für bis zu zehn Tage im Jahr Krankengeld bekommen. Ist zum Beispiel nur die Mutter gesetzlich versichert, Kind und Vater dagegen privat, geht nicht nur der Vater als Privatpatient leer aus, sondern auch die Mutter. Ihre Kasse muss nicht zahlen, weil das Kind privat versichert ist.

Zurück in den Alltag

Auch wenn es die Kleinen mehr­mals erwischt: Viele Eltern dürften mit den ihnen zustehenden freien Tagen für die Kinder­betreuung auskommen. Die meisten werden nicht zu lange im Job ausfallen wollen und ihren Nach­wuchs so bald wie möglich wieder in die Kita oder Schule schi­cken. „Wenn das Kind aber noch Fieber hat oder unter Durch­fall leidet, kann die Erzieherin verlangen, dass die Eltern es wieder mit nach­hause nehmen“, sagt Jutta Braungart, Bereichs­leiterin für die Kinder­tages­betreuung beim Jugend­amt Stutt­gart. Die Entscheidung liege bei der Betreuungs­einrichtung. Die muss sich an die Vorgaben des Infektions­schutz­gesetzes halten. Bei bestimmten Krankheiten, zum Beispiel Wind­pocken oder Masern, müssen Eltern in der Regel sogar ein ärzt­liches Attest vorlegen, dass das Kind wieder gesund ist.

Solch ein Attest brauchte die Mutter des kleinen Mädchens nicht. Fieber und Halsweh waren nach drei Tagen abge­klungen, die Kleine konnte zurück in den Kinder­garten. Für die Mutter blieb der Arbeits­ausfall ohne finanzielle Folgen. Der Chef hat ihren Lohn für die drei Tage weitergezahlt.

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