Krankenversicherungen Meldung

Für Privat­patienten gibt es viele Extras. Doch die müssen im Alter oft teuer bezahlt werden.

Trotz aller Versuche, sie abzuschaffen, hat die private Krankenversicherung die Gesundheitsreform überlebt. Dafür werden die Krankenkassen teurer. Lohnt es, jetzt zu wechseln?

Vor Wochen sah es noch aus, als sei die private Krankenversicherung ein Auslaufmodell. Stattdessen sollte die „Bürgerversiche­rung“ kommen, in die alle einzahlen sollten, egal ob reich oder arm. Damit sollte eine Merkwürdigkeit des Gesundheitssystems abgeschafft werden: Zwar muss sich jeder in einer Krankenkasse versi­chern, wo Gutverdie­ner mehr zahlen als sozial Schwache. Aber wer viel verdient, darf aus dem solidarischen System ausscheren, sich privat versichern und Beiträge sparen. Dabei soll es bleiben – wenn die Gesundheitsreform denn tatsächlich so umgesetzt wird wie jetzt geplant.

Allerdings dürfen künftig auch Kranke in die private Krankenversicherung (PKV) gehen. Aber ist es wirklich sinnvoll, die Kasse zu verlassen? Die Gesundheitsreform macht den Wechsel einerseits attraktiver, andererseits erschwert sie ihn.

Einerseits: Die gesetzlichen Krankenkassen werden teurer – die Beitragssätze steigen um die 0,5 Prozentpunkte.

Die Privaten dürfen sich zudem nicht mehr nur die Rosinen aus dem Kuchen picken: Interessenten mit Vorerkrankungen ablehnen, mit Risikozu­schlägen abschrecken oder damit, dass ausgerechnet die betreffende Krankheit ausgeschlossen wird. Stattdessen soll die PKV einen „bezahlba­ren“ Basistarif einführen – ohne Gesundheitsprüfung. Der Anreiz, dorthin zu wechseln, ist aber gering. Denn der Tarif muss nur den Leistungsumfang der Kassen bieten: also keine Chefarztbehandlung und kein Einzelzimmer.

Der PKV-Verband wehrt sich dagegen: „Das stellt die Kalkulationsprinzipien der PKV fundamental infrage“, heißt es. Auch die geplante Mitnahme der Al­ters­rück­stellungen will der Verband kippen. Hintergrund: Von den Beiträgen der Kunden wird nur ein Teil für Ausgaben verwendet. Der andere wird für die Kosten im Alter gespart. Wenn nun ein Kunde zu einer anderen Gesellschaft wechselt, bleibt dieser Sparanteil zurück. Deshalb wird er beim neuen Versicherer wie ein Neukunde behandelt und zahlt höhere Beiträge. Das macht die Sache so teuer, dass Privatversi­cherte praktisch gar nicht wechseln können – lediglich andere Tarife beim selben Krankenversicherer stehen ihnen offen.

Andererseits: Die Gesundheits­reform macht den Wechsel in die PKV schwerer. Bisher können freiwillig Versi­cher­te die Krankenkasse verlassen, deren Verdienst über der Versicherungspflichtgrenze von derzeit 47 250 Euro jährlich liegt (3 937,50 Euro monatlich). Künftig sollen sie mindestens drei Jahre über dieser Grenze liegen. Bisher ist nur etwa eine Million freiwillig Versicherte in die PKV gegangen, während immerhin ungefähr 8,8 Millionen in den Krankenkassen blieben.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, zu wechseln, sollte Folgendes bedenken:

Beiträge: In der PKV richtet sich der Beitrag nach Eintrittsalter, Geschlecht und Gesundheitszustand. Ältere zahlen mehr, Frauen ebenso. Für Frauen ab 37 Jahren und Männer ab 46 Jahren lohnt der Wechsel in der Regel nicht mehr.

Steigerungen: Die Beitragsentwicklung ist kaum vorhersehbar. Während die Prämien für junge und gesunde Singles anfangs verführerisch niedrig sind, können sie später dramatisch steigen und im Rentenalter ein Mehrfaches des Einstiegsbeitrags betragen. Einige Unternehmen ködern junge Leute mit günstigen Neutarifen. Im Gegenzug schließen sie Altta­rife, sodass keine neuen, gesunden Kunden dazukommen und sich Kranke dort sammeln. Wer dieser Kostenfalle entgehen will, muss in einen anderen Tarif des selben Unternehmens wechseln. Hinzu kommt: Während Kassenmitglieder im Rentenalter weniger zahlen, weil ihr Einkommen sinkt, bleibt der Beitrag für Privatversicherte wie bisher.

Familien: Während die Kassen Kinder und Ehepartner mit keinem oder geringem Einkommen gratis mitversichern, müssen Privatversicherte für sie eigene Verträge abschließen. Alleinverdiener mit Kindern sind daher in der Kasse besser dran, Singles und Doppelverdiener ohne Kinder in der privaten Krankenversicherung.

Zuschläge: Von Kunden mit Vorerkrankungen verlangt die PKV bisher Risikozu­schläge oder lehnt sie ganz ab. Für sie lohnt der Wechsel daher meist nicht.

Vorzug: Beim Arzt sind Privatpatienten gern gesehen, denn er kann höhere Honorare nehmen. Fürs Krankenhaus können sie Einbettzimmer und Chefarztbehandlung versichern. Andererseits ist der Schutz bei Psychotherapie oft schlechter. Einige Spartarife schließen Leistungen aus oder begrenzen sie auf geringe Beträge. Von solchen Ködertarifen raten wir ab.

Entscheidung: Die Kasse verlassen und in die PKV einsteigen – das geht nur einmal im Leben. Eine Rückkehr ist fast unmöglich: Da muss schon das Gehalt unter die Versicherungspflichtgrenze sinken, der Kunde darf nicht über 55 Jahre alt sein und er durfte sich nie von der Versicherungspflicht befreien lassen.

Der richtige Versicherer

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Wer sich für den Wechsel entscheidet, sollte bei der Wahl des Angebots sehr sorgfältig sein. Nicht nur der aktuelle Beitrag muss günstig sein, sondern auch seine Entwicklung in den letzten Jahren. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Tarifen. Unser Computerservice hilft bei der Auswahl. Wir ermitteln für Sie solide Angebote mit günstigem Preis-Leistungs-Verhältnis und geben Informationen zur Beitragsentwicklung.

Tipp: Wenn Sie mit dem Wechsel in die PKV Beitrag sparen, sollten Sie dies Geld zur Seite legen, um damit spätere Erhöhungen aufzufangen. Die Beitragsersparnis muss reichen, um so viel Kapital zu bilden, dass Sie davon im Alter mindestens das Doppelte des Eintrittsbeitrags bestreiten können.

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