Freiwil­lig oder pflicht­versichert im Alter? Pflicht­versicherte zahlen oft hunderte Euro weniger Beitrag im Jahr.

Kranken­versicherung im Alter Special

Elisabeth Liffers kann es später in die güns­tige Kranken­versicherung der Rentner schaffen – mit gut 5 000 Euro freiwil­ligen Beiträgen an die Rentenkasse.

Die Ärztin Elisabeth Liffers fragte nach: „Werde ich den Sprung in die Kranken­versicherung der Rentner schaffen oder bleibt mir im Alter nur, mich freiwil­lig gesetzlich zu versichern?“

Die 50-Jährige aus Brecker­feld bei Hagen hatte in Finanztest gelesen, wie günstig die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) sein kann (Finanztest 08/2013): Alle, die es in die KVdR schaffen, sind in einer gesetzlichen Krankenkasse pflicht­versichert und müssen nur für ihre gesetzliche Alters­rente und für Versorgungs­bezüge wie Betriebs­renten Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung zahlen.

Sehr viel teurer kann es für Rentner werden, die sich nur freiwil­lig gesetzlich kranken­versichern können. Sie müssen für mehr Einkommens­arten Sozial­abgaben leisten, zum Beispiel auch für private Renten, Miet- und Kapital­einkünfte.

Die Rentnerin in unserer Rechnung etwa zahlt bei gleichem Einkommen jeden Monat gut 100 Euro mehr Beitrag, wenn sie freiwil­lig statt pflicht­versichert ist.

Zwei Bedingungen

Wie Liffers fragten auch andere Leser nach, wie sie im Alter kranken­versichert sein werden. Unsicher waren vor allem diejenigen, die Brüche in ihrer Berufs­laufbahn hatten, also zum Beispiel erst angestellt waren, ehe sie sich selbst­ständig gemacht oder eine Beamten­laufbahn einge­schlagen haben.

Elisabeth Liffers ist als angestellte Ärztin derzeit freiwil­lig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert. Die Art ihrer Versicherung kann sich aber im Alter ändern.

Um den Sprung in die güns­tige Pflicht­versicherung zu schaffen, müssen Ruhe­ständler zwei Bedingungen erfüllen:

Vorversicherungs­zeit. Sie sind in der zweiten Hälfte ihres Arbeits­lebens zu mindestens 90 Prozent der Zeit in einer gesetzlichen Kasse versichert gewesen.

Renten­anspruch. Sie haben Anspruch auf eine Rente aus der gesetzlichen Renten­versicherung – auf eine Alters-, Erwerbs­minderungs- oder Hinterbliebenenrente.

Sind beide Vorgaben erfüllt, beginnt die Kranken­versicherungs­pflicht in der Regel mit dem Tag, an dem sie ihren Renten­antrag stellen.

Die für die KVdR geforderte Vorversicherungs­zeit erfüllen problemlos alle, die während ihres Berufs­lebens durch­gängig arbeiten und wie Liffers selbst Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse sind. Es spielt keine Rolle, ob die Versicherten in dieser Zeit Pflicht­beiträge zahlen oder etwa als Selbst­ständige oder gutverdienende Angestellte freiwil­lig versichert sind.

Unpro­blematisch sind außerdem Phasen, in denen ein Ehepartner, meist die Frau, über den anderen familien­versichert ist.

Kasse prüft Zeit­anteil genau

Zum Hindernis kann die geforderte Vorversicherungs­zeit dagegen für diejenigen werden, die im Berufs­leben länger privat geschützt waren: Selbst wenn sie mehrere Jahre vor Renten­beginn in eine gesetzliche Krankenkasse zurück­gewechselt sind, wird die Kasse genau ausrechnen, ob die Zeit für die KVdR genügt.

Für Witwen und Witwer gilt die Vorversicherungs­zeit als erfüllt, wenn der Verstorbene bereits eine Rente bezogen hat und in der KVdR versichert war. Wenn nicht, müssen entweder der Verstorbene oder der Hinterbliebene die geforderte Versicherungs­zeit in einer Krankenkasse haben.

Die zweite Voraus­setzung für die KVdR, den Renten­anspruch, erfüllen Senioren, wenn sie zuvor etwa als Angestellte für mindestens fünf Jahre Beiträge in die gesetzliche Renten­versicherung einge­zahlt haben. Damit erreichen sie die für die Regel­alters­rente notwendige Warte­zeit. Auch andere Lebens­phasen wie Kinder­erziehungs­zeiten oder Arbeits­losig­keit werden auf diese Warte­zeit ange­rechnet.

Je nach Geburts­jahr ist ein regulärer Renten­beginn zwischen dem 65. und dem 67. Geburts­tag vorgesehen. Eine frühere Rente ist möglich, beispiels­weise nach 35 Versicherungs­jahren.

Versorgungs­bezüge genügen nicht

Elisabeth Liffers zahlt seit vielen Jahren Beiträge für ihre Absicherung im Alter – aber nicht an die Rentenkasse, sondern an die Ärzte­versorgung West­falen-Lippe. Solche berufs­stän­dischen Versorgungs­werke gibt es für die freien Berufe – neben Ärzten zum Beispiel für Apotheker und Rechts­anwälte.

Eine Alters­rente aus dem Versorgungs­werk allein reicht aber nicht aus für den Zugang zur KVdR. „Das kann nur klappen, wenn jemand im Alter zusätzlich zu den Versorgungs­bezügen Anspruch auf eine Rente aus der gesetzlichen Renten­versicherung hat“, sagt Ann Marini vom Spitzen­verband der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV).

Nach­zahlung an die Rentenkasse hilft

Elisabeth Liffers fehlt im Moment noch der zusätzliche Renten­anspruch. Sie hat zwar als gelernte Kranken­schwester vier Jahre Beiträge an die Rentenkasse gezahlt, aber eben nicht fünf. „Weil mir das eine Jahr für eine Alters­rente fehlte, habe ich mir schon vor langer Zeit meine Rentenbeiträge erstatten lassen“, sagt die 50-Jährige.

Heute ärgert sie sich darüber. Denn seit einigen Jahren hat sie die Möglich­keit, freiwil­lige Beiträge an die Rentenkasse nach­zuzahlen und sich so eine Rente zu sichern.

Hätte Liffers ihr Renten­konto nicht geleert, müsste sie nur für zwölf Monate nach­zahlen. Statt dessen fängt sie bei null an und muss noch für 60 Monate einzahlen.

Sie kann mit den freiwil­ligen Zahlungen noch warten – bis fünf Jahre vor dem Ruhe­stand – oder sie beginnt gleich. In dem Fall muss sie den derzeitigen Mindest­beitrag von 85,05 Euro im Monat aufbringen – insgesamt mehr als 5 000 Euro.

Doch auch Nach­zahlungen in dieser Höhe können sich für Versicherte wie Liffers lohnen. Sie sichern sich zumindest eine kleine lebens­lange Zusatz­rente. Für die fünf Jahre Mindest­beitrag wären das nach jetzigem Stand etwa 22 Euro Rente im Monat.

Noch mehr profitieren sie, wenn sie im Ruhe­stand zum Beispiel Miet­einkünfte haben oder Leistungen aus einer privaten Renten­versicherung bekommen: Schaffen sie den Sprung in die KVdR, fallen für ihre zusätzlichen Einkünfte keine Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung an. Je mehr Abgaben sie so sparen, desto eher zahlen sich die freiwil­ligen Rentenbeiträge aus.

Keine Chance für Beamte

Für Beamte scheidet die Versicherungs­pflicht in einer gesetzlichen Krankenkasse dagegen aus. „Sowohl während der Berufs­phase als auch danach sind sie versicherungs­frei“, sagt Marini vom GKV-Spitzen­verband.

Selbst wenn sie neben ihrer Pension eine Alters­rente aus der gesetzlichen Renten­versicherung beziehen, können sie sich im Alter nur freiwil­lig gesetzlich kranken­versichern oder privat.

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