Kranken­versicherung

Alternativen zum Ausstieg: Beiträge senken in der privaten Versicherung

Inhalt

Der Weg zurück in die gesetzliche Kranken­versicherung ist längst nicht für jeden sinn­voll und möglich. Die Alternative für viele: ein Tarifwechsel inner­halb der privaten Kranken­versicherung, um den Beitrag zu senken.

Tarifwechsel. Privat Kranken­versicherte haben das Recht, in gleich­artige güns­tigere Tarife ihrer Versicherungs­gesell­schaft zu wechseln. Damit können sie in manchen Fällen mehrere Hundert Euro im Monat sparen, unter Umständen sogar bei ähnlich guten Leistungen. Die meisten Kranken­versicherer haben sich seit 2016 selbst verpflichtet, ihre Kunden gemäß einer Leit­linie trans­parent über Wechsel­möglich­keiten zu informieren.

Vorsicht: Wer seinen Vertrag vor dem 21. Dezember 2012 abge­schlossen hat, sollte möglichst nicht in einen Tarif mit geschlechts­unabhängigen Beiträgen (Unisex) wechseln. Sonst ist für immer der Ausweg in den Stan­dard­tarif verbaut, der oft die letzte Rettung in finanzieller Not ist (siehe unten).

Ausführ­liche Informationen finden Sie im Special „Private Krankenversicherung: Tarif wechseln“.

Leistungs­verzicht. Etwas Entlastung können sich Kunden verschaffen, indem sie in einen Tarif mit geringeren Leistungen wechseln, also zum Beispiel auf das Ein- oder Zweibett­zimmer im Kranken­haus oder die Heilpraktikerbe­hand­lung verzichten. Nur den Selbst­behalt zu erhöhen, ist meist nicht sinn­voll. Es ist in der Regel nicht möglich, ihn später wieder zu senken, und der Versicherer kann Selbst­behalte sogar noch weiter erhöhen.

Stan­dard­tarif. Der Stan­dard­tarif ist eine sinn­volle Lösung für lang­jährig Versicherte. Sie können mit einem Wechsel in diesen Tarif ihren Beitrag oft erheblich senken. Die Leistungen entsprechen etwa denen der gesetzlichen Kassen, sind also nied­riger als in vielen „normalen“ privaten Verträgen. Der Versicherer kann deshalb die Rück­stellung für die im Alter notwendigen Leistungen teil­weise auflösen und diese Mittel verwenden, um die Beiträge zu senken.

Der Beitrag ist auf den Höchst­beitrag der gesetzlichen Kranken­versicherung begrenzt, derzeit 706,28 Euro im Monat (Stand: 2022). Weniger als 1 Prozent der Stan­dard­tarif-Versicherten zahlt tatsäch­lich so viel, im Schnitt liegen die Beiträge deutlich darunter.

Zugang zum Stan­dard­tarif haben Kunden, wenn sie ihren Vertrag vor dem 1. Januar 2009 geschlossen haben, mindestens seit zehn Jahren privat versichert sind und entweder

  • mindestens 65 Jahre alt sind oder
  • mindestens 55 Jahre alt sind und nicht mehr als derzeit 58 050 Euro brutto im Jahr verdienen.

Im Special zum Standardtarif gibt es detaillierte Informationen zum Stan­dard­tarif und zu seinen Leistungen.

Basis­tarif. Die Bezeichnungen Basis- und Stan­dard­tarif klingen ähnlich, doch der Basis­tarif ist nur in Extremfällen geeignet, Privatversicherte finanziell zu entlasten. Dann nämlich, wenn sie den Gang zum Sozial­amt nicht mehr vermeiden können.

Der Beitrag ist auf derzeit 769,60 Euro im Monat begrenzt (Stand: 2022). So viel müssen selbst lang­jährig Privatversicherte auch tatsäch­lich bezahlen – es sei denn, sie werden durch die Kranken­versicherungs­beiträge hilfebedürftig im Sinne des Sozial­rechts. Das müssen sie gegen­über der zuständigen Behörde nach­weisen und dafür ihre kompletten Einkommens- und Vermögens­verhält­nisse offenlegen. Dann muss der Versicherer den Beitrag zunächst auf die Hälfte des gesetzlichen Höchst­beitrags senken. Kann jemand auch das nicht bezahlen, springt der Sozial­hilfeträger ein.

Im Special zum Basistarif gibt es detaillierte Informationen zum Basis­tarif und zu seinen Leistungen.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 14.02.2022 um 13:09 Uhr
Rückkehr aus der Schweiz

@Bonnie66: Dies ist nicht der Ort zur Klärung einer individuellen Versicherungsfrage. Uns liegt weder der Schriftverkehr vor, auf den Sie sich beziehen, noch kennen wir die Details zu ihrem Versicherungsschutz in der Schweiz sowie Ihr Alter.
Wer nach der Auswanderung in ein europäisches Land zurückkehrt und dort Mitglied der gesetzlichen Pflicht­versicherung war, kann unter Umständen Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung werden. Das kann auch für diejenigen gelten, die zuvor in der Schweiz Mitglied der obligatorischen Krankenversicherung waren. Hinsichtlich eines persönlichen Beratungsbedarf wenden sich Heimkehrende aus der Schweiz an die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland (DVKA):
www.dvka.de

Bonnie66 am 12.02.2022 um 14:39 Uhr
Rückkehr aus der Schweiz

Hallo, ich habe bei 3 gesetzlichen Kassen angefragt was, nach einer pflichtversicherten Beschäftigung in der Schweiz, unter 12 Monaten, bei einer Rückkehr nach Deutschland und Wiederaufnahme einer Beschäftigung in DE bzgl. Krankenkasse gilt. Man hat mir geschrieben das, unabhängig vom Alter, bei vorheriger langjähriger privater Versicherung in DE, man bei Rückkehr nicht in die GKV kommt. Man müsste, bis die 12 Monate abgelaufen sind, bei seiner PKV eine Anwartschaft abschliessen. Wie passt das zu Ihren Ausführungen im Artikel, oder sind die erhaltenen Auskünfte falsch? Das würde bedeuten, man muss sich bei einem Antritt einer neuen Stelle im EU Ausland mit (zwangsweiser) Pflichtversicherung, wegen der Probezeit, immer eine Anwartschaft bei seiner PKV sichern für mindestens 12 Monate? Diese Hinweise finde ich in keinem der Schreiben des VDEK.

Profilbild Stiftung_Warentest am 20.01.2022 um 15:50 Uhr
Freiwilliges Mitglied ohne Wartezeiten??

@ccf: Mit § 188 Abs. 4 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) wurde für Versicherte eine obligatorische Anschlussversicherung eingeführt. Diese Rechtsvorschrift wurde mit dem „Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung“ vom 15.07.2013 eingeführt und ist am 01.08.2013 in Kraft getreten. Der § 9 SGB V, in dem die Vorversicherungszeiten weiterhin stehen, existiert zwar weiter, doch ist der neue § 188 höherrangiges Recht. Die Anschlussversicherung kommt kraft Gesetzes zustande.
Der GKV-Spitzenverband hat „Grundsätzliche Hinweise zur Umsetzung der obligatorischen Anschlussversicherung nach § 188 Abs. 4 SGB V“ mit Datum vom 17.06.2014 veröffentlicht, die insbesondere die Umsetzung dieser Rechtsvorschrift regeln.

ccf am 20.01.2022 um 13:14 Uhr
Freiwilliges Mitglied ohne Wartezeiten??

Guten Tag!
Sie schreiben "Wer es über Versicherungs­pflicht oder Familien­versicherung auch nur für einen Tag in die gesetzliche Kranken­versicherung schafft, darf sich freiwil­lig weiterversichern. Früher waren dafür Vorversicherungs­zeiten erforderlich. Doch die gelten nur noch in wenigen Ausnahme­fällen ..."
Wie begründen Sie diese Auffassung? Lt. Gesetz gelten die Vorversicherungszeiten für einen freiwilligen Beitritt auch für "... Personen, deren Versicherung nach § 10 erlischt" (§9 I Nr. 2 SGB V). Auf welche gesetzliche Regelung beziehen Sie sich, wenn Sie meinen, daß diese nur noch in Ausnahmefällen gelten?
Vielen Dank für Ihre Antwort und freundliche Grüße,
CCF

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.01.2022 um 14:46 Uhr
Über 55 / Rückkehr aus dem Ausland

@Kaikai: Wie im Artikel beschrieben, gibt es die Möglichkeit der Rück­kehr ins System der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer nach der Auswanderung in ein europäisches Land zurückkehrt und dort Mitglied der gesetzlichen Pflicht­versicherung war, kann Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung werden. Das gilt auch für diejenigen, die zuvor in der Schweiz Mitglied der obligatorischen Krankenversicherung waren. Hinsichtlich eines persönlichen Beratungsbedarf wenden sich Heimkehrende aus der Schweiz an die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland (DVKA):
www.dvka.de
Auf der Website gibt es auch ein Merkblatt zum Arbeiten in der Schweiz.
In einem Rundschreiben der Deutschen Verbindungsstelle finden Interessierte die Details der Voraussetzungen für die Rückkehr ins System der gesetzlichen Krankenversicherung nach einem Auslandsaufenthalt:
www.vdek.com/vertragspartner/mitgliedschaftsrecht_beitragsrecht/versicherungspflicht/_jcr_content/par/download/file.res/GH%20vom%2014.12.2018.pdf
Allgemeine Fragen zur Pflichtversicherung beantwortet Ihnen das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit: 030 / 340 60 66 – 01