Kranken­versicherung Zurück in die gesetzliche Kasse – so gehts

Kranken­versicherung - Zurück in die gesetzliche Kasse – so gehts
Doktors Liebling. Privatpatienten sind in Arzt­praxen gern gesehen. Doch was ist, wenn die Beiträge immer weiter steigen? © Getty Images / Matthias Tunger

Die Beiträge in der privaten Kranken­versicherung steigen. Wir erklären, wer in die gesetzliche Krankenkasse zurück­kehren kann und wie das geht.

Inhalt

Wenn die Beiträge steigen

Dass jemand aus der privaten Kranken­versicherung raus möchte, kann verschiedene Gründe haben. Der häufigste: Die Beiträge steigen, das Einkommen nicht. Doch ein Wechsel zurück in die gesetzliche Kranken­versicherung ist nicht ohne weiteres möglich. Damit will der Gesetz­geber verhindern, dass Gutverdienende erst die Vorteile der privaten Versicherung mitnehmen und später, wenn sie älter und häufiger krank sind, den solidarisch finanzierten Krankenkassen zur Last fallen.

Tipp: Sie suchen generelle Informationen zur privaten Kranken­versicherung? Alles, was Sie wissen müssen, finden Sie im großen, kostenlosen Special Private Krankenversicherung.

Rück­kehr nur unter bestimmten Voraus­setzungen

Um wieder Zutritt zur gesetzlichen Kranken­versicherung zu erhalten, brauchen privat Versicherte erst einmal eine „Eintritts­karte“. Für die meisten heißt das: Sie müssen zunächst versicherungs­pflichtig in der gesetzlichen Kranken­versicherung werden. Das ist etwa der Fall, wenn sie als Arbeitnehmer über 450 und nicht mehr als 5 362,50 Euro (Werte für 2022) im Monat verdienen, ihr Einkommen also über der Gering­fügig­keits­grenze, aber unter der Versicherungs­pflicht­grenze liegt. Oder wenn sie Arbeits­losengeld (ALG I) beziehen, studieren oder sich in Ausbildung befinden.

Unser Rat

Rat suchen.
Sie über­legen, in die gesetzliche Kranken­versicherung zurück­zugehen? Das ist oft nicht leicht und es ist ein folgenreicher Schritt. Lassen Sie sich deshalb vorher beraten, zum Beispiel in einer Verbraucherzentrale oder von einem Fach­anwalt für Sozialrecht.
Zeit­punkt beachten.
Wenn Sie ganz sicher sind, dass Sie zurück in die gesetzliche Krankenkasse wollen, sollten Sie das recht­zeitig vor Ihrem 55. Geburts­tag in Angriff nehmen. Danach ist eine Rück­kehr nur noch in wenigen Ausnahme­fällen möglich.
Keine Tricks.
Greifen Sie nicht zu unlauteren Mitteln, um sich in die gesetzliche Versicherung zurück­zumogeln. Kommt heraus, dass Sie vorsätzlich falsche Angaben gemacht haben, kann die Kasse Ihnen noch bis zu zehn Jahre später die Versicherungs­pflicht rück­wirkend aberkennen.
Tarif wechseln.
Wenn Sie als Privatversicherter Ihre Beiträge senken wollen, informieren Sie sich über die Möglich­keit, in einen güns­tigeren Tarif Ihres Versicherers zu wechseln. Nicht immer müssen Sie dafür auf wichtige Leistungen verzichten. Sind Sie bereits Rentner und lang­jährig privat versichert, kann der Stan­dard­tarif eine gute Lösung sein (PKV Tarif wechseln).

Wie Arbeitnehmer in die Kasse zurück­kommen

Arbeitnehmer unter 55 Jahren werden wieder versicherungs­pflichtig, wenn ihr Einkommen unter die Jahres­arbeits­entgelt­grenze von derzeit 64 350 Euro brutto im Jahr (5 362,50 Euro im Monat) sinkt. Zum Entgelt zählen auch regel­mäßige Sonderzah­lungen wie Weihnachts- oder Urlaubs­geld. Wer schon am 31. Dezember 2002 privat versichert war, muss sein Gehalt sogar unter 58 050 Euro brutto im Jahr (Werte für 2022) drücken.

Finanztest erklärt, was Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmer tun können, die

  • ihr Gehalt nicht reduzieren wollen,
  • bereits 55 Jahre oder älter sind,
  • sich in der Vergangenheit haben von der Versicherungs­pflicht befreien lassen.

Haupt­beruflich Selbst­ständige haben es schwer

Selbst­ständig Erwerbs­tätige kommen nur in die Kasse zurück, wenn die selbst­ständige Tätig­keit nicht mehr ihr Haupt­beruf ist. Denn sonst ist sowohl die Versicherungs­pflicht als auch die Familien­versicherung ausgeschlossen.

Finanztest erklärt:

  • was Selbst­ständige tun können, die ihre Selbst­ständig­keit nicht weit­gehend aufgeben wollen,
  • worauf es den Kassen ankommt, damit eine Selbst­ständig­keit als Neben­job anerkannt wird.

Rückweg über Umwege

Wer sehr geringe Einkünfte hat, kommt auch über die Familien­versicherung beim gesetzlich versicherten Ehe- oder gleich­geschlecht­lichen Lebens­partner unter. Wer es über Versicherungs­pflicht oder Familien­versicherung auch nur für einen Tag in die gesetzliche Kranken­versicherung schafft, darf sich freiwil­lig weiterversichern. Früher waren dafür Vorversicherungs­zeiten erforderlich. Doch die gelten nur noch in wenigen Ausnahme­fällen, beispiels­weise, wenn jemand nach dem Ende der Versicherungs­pflicht oder Familien­versicherung in eine andere Kasse wechseln möchte.

Finanztest erklärt, welche Rege­lungen gelten,

  • wenn ein Privatversicherter mit einer gesetzlich kranken­versicherten Person verheiratet ist oder in einer einge­tragenen Lebens­part­nerschaft lebt,
  • wenn Privatversicherte vorüber­gehend im EU-Ausland arbeiten.

Wenn es doch nicht geht

Der Weg zurück in die gesetzliche Kranken­versicherung ist längst nicht für jeden sinn­voll und möglich. Die Alternative für viele: ein Tarifwechsel inner­halb der privaten Kranken­versicherung, um den Beitrag zu senken.

Finanztest erklärt,

  • wie Privatversicherte durch einen Tarifwechsel zum Teil mehrere Hundert Euro im Monat sparen,
  • was bei Leistungs­verzicht und Selbst­behalt zu beachten ist,
  • was es mit „Stan­dard­tarif“ und „Basis­tarif“ auf sich hat.

Wenn für Sie bereits klar ist, dass Sie in der privaten Kranken­versicherung bleiben werden, und Sie vor allem daran interes­siert sind, mit einem Tarifwechsel Geld zu sparen, finden Sie ausführ­liche Informationen in unserem Special Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung.

Mehr zum Thema

  • Kranken­versicherung Gesetzlich oder privat? Eine Entscheidungs­hilfe

    - Soll ich mich privat kranken­versichern? Wir sagen, für wen das sinn­voll ist, und in welchen Ausnahme­fällen der Weg zurück in die gesetzliche Krankenkasse möglich ist.

  • Private Kranken­versicherung Stan­dard­tarif wählen und Beitrag senken

    - Alle privaten Kranken­versicherer müssen für ihre lang­jährigen Kunden den Stan­dard­tarif anbieten. Ein Wechsel kann den Beitrag erheblich senken.

  • Private Kranken­versicherung Für wen der Basis­tarif sinn­voll ist

    - Alle Versicherer sind verpflichtet, den Basis­tarif bereit­zuhalten. Seine Leistungen sind branchen­einheitlich, und der Beitrag ist gesetzlich begrenzt.

90 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 14.02.2022 um 13:09 Uhr
Rückkehr aus der Schweiz

@Bonnie66: Dies ist nicht der Ort zur Klärung einer individuellen Versicherungsfrage. Uns liegt weder der Schriftverkehr vor, auf den Sie sich beziehen, noch kennen wir die Details zu ihrem Versicherungsschutz in der Schweiz sowie Ihr Alter.
Wer nach der Auswanderung in ein europäisches Land zurückkehrt und dort Mitglied der gesetzlichen Pflicht­versicherung war, kann unter Umständen Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung werden. Das kann auch für diejenigen gelten, die zuvor in der Schweiz Mitglied der obligatorischen Krankenversicherung waren. Hinsichtlich eines persönlichen Beratungsbedarf wenden sich Heimkehrende aus der Schweiz an die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland (DVKA):
www.dvka.de

Bonnie66 am 12.02.2022 um 14:39 Uhr
Rückkehr aus der Schweiz

Hallo, ich habe bei 3 gesetzlichen Kassen angefragt was, nach einer pflichtversicherten Beschäftigung in der Schweiz, unter 12 Monaten, bei einer Rückkehr nach Deutschland und Wiederaufnahme einer Beschäftigung in DE bzgl. Krankenkasse gilt. Man hat mir geschrieben das, unabhängig vom Alter, bei vorheriger langjähriger privater Versicherung in DE, man bei Rückkehr nicht in die GKV kommt. Man müsste, bis die 12 Monate abgelaufen sind, bei seiner PKV eine Anwartschaft abschliessen. Wie passt das zu Ihren Ausführungen im Artikel, oder sind die erhaltenen Auskünfte falsch? Das würde bedeuten, man muss sich bei einem Antritt einer neuen Stelle im EU Ausland mit (zwangsweiser) Pflichtversicherung, wegen der Probezeit, immer eine Anwartschaft bei seiner PKV sichern für mindestens 12 Monate? Diese Hinweise finde ich in keinem der Schreiben des VDEK.

Profilbild Stiftung_Warentest am 20.01.2022 um 15:50 Uhr
Freiwilliges Mitglied ohne Wartezeiten??

@ccf: Mit § 188 Abs. 4 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) wurde für Versicherte eine obligatorische Anschlussversicherung eingeführt. Diese Rechtsvorschrift wurde mit dem „Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung“ vom 15.07.2013 eingeführt und ist am 01.08.2013 in Kraft getreten. Der § 9 SGB V, in dem die Vorversicherungszeiten weiterhin stehen, existiert zwar weiter, doch ist der neue § 188 höherrangiges Recht. Die Anschlussversicherung kommt kraft Gesetzes zustande.
Der GKV-Spitzenverband hat „Grundsätzliche Hinweise zur Umsetzung der obligatorischen Anschlussversicherung nach § 188 Abs. 4 SGB V“ mit Datum vom 17.06.2014 veröffentlicht, die insbesondere die Umsetzung dieser Rechtsvorschrift regeln.

ccf am 20.01.2022 um 13:14 Uhr
Freiwilliges Mitglied ohne Wartezeiten??

Guten Tag!
Sie schreiben "Wer es über Versicherungs­pflicht oder Familien­versicherung auch nur für einen Tag in die gesetzliche Kranken­versicherung schafft, darf sich freiwil­lig weiterversichern. Früher waren dafür Vorversicherungs­zeiten erforderlich. Doch die gelten nur noch in wenigen Ausnahme­fällen ..."
Wie begründen Sie diese Auffassung? Lt. Gesetz gelten die Vorversicherungszeiten für einen freiwilligen Beitritt auch für "... Personen, deren Versicherung nach § 10 erlischt" (§9 I Nr. 2 SGB V). Auf welche gesetzliche Regelung beziehen Sie sich, wenn Sie meinen, daß diese nur noch in Ausnahmefällen gelten?
Vielen Dank für Ihre Antwort und freundliche Grüße,
CCF

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.01.2022 um 14:46 Uhr
Über 55 / Rückkehr aus dem Ausland

@Kaikai: Wie im Artikel beschrieben, gibt es die Möglichkeit der Rück­kehr ins System der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer nach der Auswanderung in ein europäisches Land zurückkehrt und dort Mitglied der gesetzlichen Pflicht­versicherung war, kann Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung werden. Das gilt auch für diejenigen, die zuvor in der Schweiz Mitglied der obligatorischen Krankenversicherung waren. Hinsichtlich eines persönlichen Beratungsbedarf wenden sich Heimkehrende aus der Schweiz an die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland (DVKA):
www.dvka.de
Auf der Website gibt es auch ein Merkblatt zum Arbeiten in der Schweiz.
In einem Rundschreiben der Deutschen Verbindungsstelle finden Interessierte die Details der Voraussetzungen für die Rückkehr ins System der gesetzlichen Krankenversicherung nach einem Auslandsaufenthalt:
www.vdek.com/vertragspartner/mitgliedschaftsrecht_beitragsrecht/versicherungspflicht/_jcr_content/par/download/file.res/GH%20vom%2014.12.2018.pdf
Allgemeine Fragen zur Pflichtversicherung beantwortet Ihnen das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit: 030 / 340 60 66 – 01