Zahnersatz kostenlos? Wann es das zuletzt einmal gab, daran können sich kaum noch die Großeltern erinnern. Der Eigenanteil des Patienten ist ständig gestiegen. Nur noch wer am Existenzminimum lebte, bekam bislang Kronen, Brücken oder Prothesen voll von der Kasse bezahlt. Das hat sich geändert. Bei einigen Betriebskrankenkassen bekommen die Mitglieder nun wieder Zahnersatz ohne Zuzahlung. Er kommt aus China.

Nur die einfachste Versorgung

Es klingt eigentlich zu gut, um wahr zu sein: Seit Jahresbeginn bieten einige Betriebskrankenkassen Zahnersatz ohne Zuzahlung an. Aufgelistet sind sie unter www.zahnersatz-zuzahlungsfrei.de. Ihre Mitglieder bekommen Kronen, Brücken und Prothesen, ohne einen Euro selbst zu bezahlen. Allerdings müssen sie dafür zwei Einschränkungen in Kauf nehmen:

  • Vertragszahnarzt. Sie müssen zu einem Vertragszahnarzt aus dem Programm „Zahnersatz zuzahlungsfrei“ gehen und sie müssen sich auf die reine Regelversorgung beschränken. Das heißt im Ernstfall: Goldzahn statt Keramikkrone.
  • Vorsorgenachweis. Nur wer in den letzten zehn Jahren einmal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt gewesen ist und das im Bonusheft nachweisen kann, bekommt den Zahnersatz kostenlos.

Wie ist das möglich?

Die Betriebskrankenkassen haben einen Vertrag mit dem Essener Zahnlabor Imex Dental & Technik GmbH geschlossen. Diese lassen in China produzieren. Das ist deutlich preiswerter als in Deutschland, weil dort die Löhne niedriger sind. Die Material- und Laborkosten sind geringer. Gleichzeitig verzichten die Vertragszahnärzte von Imex auf einen Teil des Privat-Honorars, das sonst auch Kassenpatienten für die Zahnersatzbehandlung zusätzlich zahlen müssen. Dafür bekommen sie mehr Aufträge. So wird es möglich, dass der Kassenanteil ausreicht, um die gesamten Kosten zu decken.

Ablauf

Wer bei einer der Betriebskrankenkassen versichert ist, fragt bei seiner Kasse nach, welcher Zahnarzt in seiner Nähe an dem Programm teilnimmt. Dort wird ein Heil- und Kostenplan für den Zahnersatz erstellt. Dieser geht samt Abdruck des Gebisses auf die Reise: Zuerst zur Auftragskontrolle in die Essener Zentrale von Imex, dann weiter nach China oder Singapur. Zehn Arbeitstage dauert es im Schnitt, bis die fertige Krone oder Brücke wieder beim Zahnarzt in Deutschland ist. Zuvor wird sie in der Imex-Zentrale in Essen noch einmal kontrolliert. Sie ist auch für Reklamationen zuständig.

Erfahrungen

Dr. Matthias Rahn arbeitet seit eineinhalb Jahren mit Imex zusammen und hat in der Zeit etwa 200 Patienten mit dem Zahnersatz aus China versorgt. „Ich habe nur gute Erfahrungen damit gemacht. Das Preis-Leistungsverhältnis ist fair“, sagt er. Einen Nachteil sieht er jedoch darin, dass es im Durchschnitt zwei Wochen dauert, bis der Zahnersatz bei ihm ist. So lange muss sein Patient mit einem Provisorium auskommen. Außerdem ist die Nachbesserung aufwändiger. Stimmt die Farbe des Zahnersatzes doch nicht ganz mit den übrigen Zähnen überein, lässt er lieber bei einem örtlichen Labor nachbessern. Dort kann der Patient selbst hingehen, und es geht schneller.

Alternativen

Versicherte anderer Krankenkassen können ebenfalls Zahnersatz ohne Zuzahlung bekommen. Beispiel: Firma Dentaltrade. Das Bremer Labor lässt in China und der Türkei produzieren. Voraussetzung ist aber auch hier das Bonusheft mit lückenlosem Nachweis und die Beschränkung auf die Regelversorgung. Wer höherwertigen Zahnersatz will und dafür bereit ist, etwas zuzuzahlen, findet inzwischen auch einige Labore, die in Fernost produzieren lassen und daher die bislang üblichen Preise deutlich unterbieten. Doch die Preise fallen auch bei deutschen Herstellern. „Inzwischen bieten einige Labore in Hamburg Zahnersatz schon zum gleichen Preis wie aus China an“, berichtet Dr. Rahn.

Im Überblick: Einige Anbieter

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