Ein Versicherungsvermittler hat einen Kunden beim Wechsel der privaten Krankenversicherung miserabel beraten – dennoch muss er dem Versicherten keinen Schadenersatz zahlen. Zu diesem Schluss kam das Landgericht Offenburg (Az. 2 O 99/00).

Ein Versicherungsvermittler riet 1995 einem Kunden, von seiner bisherigen zu einer anderen Versicherung zu wechseln. Bisher zahlte der Versicherte 317,30 Mark Monatsbeitrag bei einem jährlichen Selbstbehalt von 600 Mark. Der Beitrag für die neue Versicherung betrug 307,40 Mark, der Selbstbehalt 2 000 Mark.

Schon beim Abschluss war die neue Versicherung also ungünstiger als die alte. Das sagte der Vermittler dem Kunden aber nicht. Er wies ihn auch nicht auf die Möglichkeit hin, innerhalb des bisherigen Vertrags den Selbstbehalt zu erhöhen und dadurch Beiträge zu reduzieren. Das muss er auch nicht, so die Offenburger Richter. Es genüge, wenn diese Informationen den Unterlagen zu entnehmen seien.

Kein Wort hörte der Kunde außerdem darüber, dass er beim Wechsel der Versicherungsgesellschaft die für ihn gebildete Alterungsrückstellung verliert und deshalb für die neue Versicherung rasch steigende Beiträge befürchten muss. Kein Beratungsfehler, befand das Gericht. Das sei eine Selbstverständlichkeit, über die keine mündliche Auf­klärung erfolgen müsse.

Der Schaden für den Kunden ist erheblich: Seine Krankenversicherungsbeiträge stiegen in der neuen Versicherung innerhalb von drei Jahren von 307,40 auf 514 Mark im Monat. Hätte er bei seiner früheren Versicherung den Selbstbehalt auf 1 800 Mark erhöht und dadurch den Beitrag gesenkt, wären im gleichen Zeitraum die Monatsbeiträge von 222,50 Mark auf 308,40 Mark gestiegen.

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