Kranken­tagegeld für gesetzlich Versicherte

Wahl­tarif von der Kasse

04.06.2018
Kranken­tagegeld für gesetzlich Versicherte - Von sehr gut bis mangelhaft
Selbst­ständige können ihr Krankengeld mit einem Wahl­tarif ergänzen. © Westend61 / Joseffson

Selbst­ständige, die keinen Tarif bei einem privaten Kranken­tagegeld­versicherer bekom­men oder dort nicht abschließen möchten, können sich auch bei ihrer Krankenkasse absichern: Für Selbst­ständige und für Künstler und Publizisten muss jede Krankenkasse mindestens einen Wahl­tarif Krankengeld anbieten. Beim Wahl­tarif für Künstler muss laut Gesetz das Krankengeld bereits ab dem 15. Tag der Arbeits­unfähigkeit fließen.

Kranken­tagegeld für gesetzlich Versicherte

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Inhalt

Unser Rat

Ergänzen.
Als gesetzlich versicherter Selbst­ständiger können Sie Ihr Krankengeld durch einen Wahl­tarif Ihrer Kasse ergänzen. Jede Kasse muss mindestens einen Wahl­tarif zum Krankengeld anbieten.
Vergleichen.
Vergleichen Sie den Wahl­tarif Ihrer Kasse mit Angeboten privater Tagegeld­versicherer. Der Wahl­tarif bietet sich an, wenn Sie Vorerkrankungen haben, da Sie keine Gesund­heits­fragen beant­worten müssen. Nachteil: Die Kasse kann Ihren Wahl­tarif auch einstellen oder verändern.
Wechseln.
Sie können immer nur den Wahl­tarif Ihrer Kasse nehmen und sind dann drei Jahre daran gebunden. Möchten Sie Ihre Kasse wechseln, berück­sichtigen Sie dabei auch den Zusatz­beitrags­satz von alter und neuer Kasse und wie zufrieden Sie insgesamt mit Ihrer Krankenkasse sind.
Kassen­wechsel ohne Wahl­tarif.
Wenn Sie 18 Monate lang Mitglied Ihrer Kasse sind. Der Kündigungs­zeitraum beträgt zwei Monate zum Monats­ende.
Kassen­wechsel mit Wahl­tarif.
Zum Ende der dreijäh­rigen Binde­frist.

Keine Gesund­heits­prüfung

Der große Vorteil dieser Tarife: Die Krankenkassen dürfen – anders als private Anbieter – keine Gesund­heits­prüfung vornehmen. Auch wer Vorerkrankungen hat, kann also diesen Schutz abschließen, abge­lehnt werden darf keiner. Weiterer Vorteil: Die Beiträge sind auch für Ältere nicht höher. Allerdings haben einige Kassen ein Höchst­alter fest­gelegt, bis zu dem Interes­senten einsteigen können.

Ansonsten sind die Kassen bei der Ausgestaltung ihrer Wahl­tarife frei: Bei einigen fließt Krankengeld vor dem 43. Tag, bei anderen wird es höher.

Wahl­tarif der TK

Wir haben uns exemplarisch die Gestaltung von Wahl­tarifen zweier Krankenkassen angeschaut. Im Tarif KG Klassik 22 der größten Krankenkasse TK können Selbst­ständige ein frühes Krankengeld ab dem 22. Tag der Arbeits­unfähigkeit versichern. Dann zahlt die Kasse schon vor dem 43. Tag Krankengeld. Bedingung für Selbst­ständige: Der Wahl­tarif steht ihnen nur offen, wenn sie sich gleich­zeitig für das gesetzliche Krankengeld entscheiden, also eine entsprechende Wahl­erklärung bei der TK abgeben. Sie zahlen dann den allgemeinen Beitrags­satz von 15,5 Prozent – davon sind 0,9 Prozent­punkte der Zusatz­beitrags­satz der TK – statt ermäßigt 14,9 Prozent.

Die Höhe des Krankengeldes aus dem Wahl­tarif können Versicherte in 5-Euro-Schritten selbst bestimmen, beginnend ab 30 Euro pro Tag. Bei 200 Euro ist Schluss. Bei mehr als 30 Euro pro Tag darf das gewählte Krankengeld 70 Prozent des durch­schnitt­lichen Arbeits­einkommens nicht über­schreiten. Für den Mindest­betrag von 30 Euro zusätzliches Krankengeld pro Tag müssen Selbst­ständige einen zusätzlichen Monats­beitrag von 11,40 Euro zahlen.

Angebot der AOK Bayern

Die größte Allgemeine Orts­krankenkasse, die AOK Bayern, bietet ihren Selbst­ständigen einen Wahl­tarif Krankengeld KG 22. Damit erhalten sie im Krank­heits­fall ebenfalls bereits ab dem 22. Tag der Arbeits­unfähigkeit Geld und ebenfalls nur bis zur siebten Woche.

Auch hier ist eine Wahl­erklärung für Krankengeld Voraus­setzung. Der Beitrags­satz beträgt dann 15,7 Prozent. Wer bereits 50 Jahre oder älter ist, kann das Angebot nur wählen, wenn er vor Abschluss mindestens drei Monate gesetzlich kranken­versichert war und gleich­zeitig Anspruch auf Krankengeld hatte. Die Höhe der Zahlungen können Versicherte nicht frei wählen. Sie erhalten immer 70 Prozent ihres beitrags­pflichtigen Arbeits­einkom­mens. 30 Euro zusätzliches Krankengeld pro Tag bei einem Einkommen von rund 1 286 Euro monatlich kosten bei der AOK Bayern 9 Euro im Monat. Versicherte müssen den Beitrag für den Wahl­tarif auch zahlen, während sie das Wahl­tarif-Krankengeld erhalten.

Drei Jahre an Kasse gebunden

Was Versicherte bedenken sollten: Entscheiden sie sich für einen Wahl­tarif, sind sie drei Jahre lang daran gebunden und können auch die Krankenkasse nicht wechseln. Ein Wechsel ist selbst dann nicht möglich, wenn die Krankenkasse ihren Zusatz­beitrags­satz erhöht und es deshalb normaler­weise ein Sonderkündigungs­recht für Kassen­mitglieder gibt.

Erst zum Ablauf dieser Mindest­bindung können Versicherte den Wahl­tarif kündigen. Versäumen sie dies, laufen die Wahl­tarife meist auto­matisch weiter. Bei der TK und AOK Bayern verlängern sie sich jeweils um zwölf Monate.

Kassen können Tarife beenden

Großer Nachteil: Die Krankenkassen müssen für Selbst­ständige zwar mindestens einen Wahl­tarif Krankengeld anbieten. Sie können aber einen einmal angebotenen Tarif verändern oder sogar beenden, wenn dieser sich wirt­schaftlich nicht mehr rechnet. Selbst­ständige wollen ihr Ausfall­risiko aber meist lang­fristig absichern, im Ideal­fall für das ganze Erwerbs­leben. Wer mit dem neuen Angebot seiner Krankenkasse unzufrieden ist und wechseln möchte, muss woanders erst einmal passende Bedingungen finden.

04.06.2018
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