Trotz der Verabschiedung der Gesundheitsreform steigen die Krankenkassenbeiträge weiter. Jetzt hat auch die letzte Kasse, bei der der Schutz bundesweit für weniger als 12 Prozent vom Bruttogehalt zu haben war, ihren Beitragssatz erhöht. Ab heute kassiert die Taunus BKK 12,8 Prozent. Das sind 0,9 Prozentpunkte mehr als noch im August. Für Angestellte mit einem Bruttogehalt von 3.000 Euro bedeutet das eine Steigerung um 27 auf 384 Euro. Doch damit sind sie immer noch gut bedient. Bei der BKK Berlin als bundesweit teuerster Kasse sind bei gleichem Gehalt 471 Euro fällig. Den Krankenkassenbeitrag zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte.

Neuer Spitzenreiter

Die günstigste bundesweit geöffnete Krankenkasse ist jetzt die Neckermann BKK. Sie kassiert einen Beitragssatz von 12,5 Prozent. Regional gehts noch etwas billiger. Mit 11,8 Prozent das absolut günstigste Angebot macht die BKK Dürkopp-Adler Versicherten in Westfalen-Lippe. Die BKK Ahlmann in Schleswig-Holstein begnügt sich mit 12,1 Prozent vom Bruttogehalt ihrer Mitglieder, und die BKK Anker-Lynen-Prym lockt Versicherte aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz mit 12,4 Prozent.

Chance zur Sonderkündigung

Mitglieder der Taunus BKK können wegen der Beitragserhöhung kündigen und sich eine neue Kasse suchen. Selbstverständlich ist das nicht. Zum Oktober steht die Fusion der Taunus BKK mit der Forum BKK an. Hätten die beiden Kassen Beitragsanpassung und Fusion zusammengelegt, wäre Mitgliedern der Wechsel per Sonderkündigung versperrt gewesen. Nach Ansicht der Beamten im Bundesversicherungsamt greift das Sonderkündigungsrecht wegen einer Beitragserhöhung bei einer Fusion nicht, weil aus ihrer Sicht nicht eine Kasse den Beitrag erhöht, sondern durch die Fusion eine neue Kasse mit einem neuen Beitragssatz entsteht. Positiv wirkt sich die Fusion für Mitglieder der Forum BKK aus: Für sie wird der Krankenkassenbeitrag zum Oktober von 14,9 auf 12,8 Prozent sinken.

Warten auf Sparerfolge

Wann die Gesundheitsreform greift und die Krankenkassenbeiträge wieder sinken, ist völlig unklar. Das lasse sich kaum abschätzen, erklärten Sprecher der verschiedenen Kassenverbände unisono. So lasse sich die Praxisgebühr von 10 Euro, die von kommendem Jahr an bei jedem Arztbesuch fällig werden soll, kaum kalkulieren, weil die Auswirkungen der Gebühr auf die Zahl der Arztbesuche unbekannt sei. Auf jeden Fall brauche die Gesundheitsreform noch Zeit, bis die Bemühungen um Einsparungen sich auswirken. Viel wichtiger für die Beitragssätze sei außerdem die Entwicklung der Gehälter und der Arbeitslosigkeit, betonen die Krankenkassen.

Weitere Milliarden fehlen

Trotz der seit Anfang 2002 drastisch gestiegenen Beiträge verzeichnen die Krankenkassen hohe Defizite. Im ersten Halbjahr dieses Jahres fehlten nach Berechnungen der Spitzenverbände rund 1,6 Milliarden Euro. Schon allein wegen der milliardentiefen Lücken in den Haushalten der Krankenkassen sind kurzfristige Beitragssenkungen deshalb unwahrscheinlich: Zunächst müssen die Kassen die Lücken in ihren Haushalten ausgleichen.

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