Im Streit um die Nachzahlung von Krankengeld haben Krankenkassen jetzt keinen Grund mehr, die Leistung zu verzögern oder zu verweigern. Bereits Ende März verkündete das Bundessozialgericht sein verbraucherfreundliches Urteil: Anspruch auf die Nachzahlung haben unter normalen Umständen alle Kassenmitglieder, denen nach dem 28. Juli 1997 Krankengeld ausgezahlt wurde und die im Jahr vor der Erkrankung Einmalzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld erhalten haben (Az. B 1 KR 36/01), ohne dass das bei der Höhe des Krankengeldes berücksichtigt wurde. Jetzt liegt auch die schriftliche Urteilsbegründung vor - und die ist eindeutig, klar und verbraucherfreundlich. Erst nach einer Gesetzesänderung im Juni 2000 zahlten die Kassen von sich aus mehr Krankengeld.

Klare Worte

Eine ganze Reihe von Kassen hatten sich nach der Urteilsverkündung noch geweigert, den Nachschlag zu bewilligen, weil sie erst noch die Urteilsbegründung abwarten wollten. Andere Kassen, darunter viele AOKs, haben längst von sich aus Nachzahlungen geleistet. Spätestens jetzt gibts für keine Kasse mehr eine Ausrede: Klar, unmissverständlich und rechtskräftig stellt das Bundessozialgericht dar, unter welchen Umständen eine Nachzahlung zu gewähren ist.

Anträge noch möglich

Sogar jetzt sind Anträge auf Nachzahlung von Krankengeld noch möglich. Sobald Versicherte allerdings vom Krankengeld-Urteil des Bundessozialgerichts erfahren, ist Eile geboten: Nur wer dann unverzüglich die erforderlichen Anträge stellt, hat eine Chance. Wer weiter abwartet, geht auf jeden Fall leer aus. test.de gibt Tipps für Betroffene und hält einen Musterbrief zum Download bereit. Auch die vollständige Urteilsbegründung ist verfügbar.

Beschwerde an die Aufsichtsbehörde

Sollten einzelne Krankenkassen sich in einschlägigen Fällen immer noch weigern, das Krankengeld neu zu berechnen, bleibt Versicherten die Möglichkeit, sich beim Bundesamt für Versicherungen über die Kasse zu beschweren. Möglich sind auch so genannte Untätigkeitsklagen ans zuständige Sozialgericht. Voraussetzung dafür: Das Verfahren ist auch mindestens drei Monate nach Antragstellung noch nicht vorangekommen. Vorteil beim Streit mit der Krankenkasse: Klagen bei den Sozialgerichten sind kostenfrei. Auch die Einschaltung eines Rechtsanwaltes ist nicht unbedingt erforderlich.

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