Tipps

...zur Wahl einer Krankenkasse

  • Leistung. Erster Punkt bei Ihrer Suche nach der richtigen Krankenkasse: Ihr Bedarf an Extras. Wenn Sie etwa chronisch an einer Krankheit wie Diabetes, Rheuma oder Tinnitus leiden, könnte für Sie eine spezielle Schulung wichtig sein. Mit Kindern legen Sie vielleicht besonderen Wert auf erweiterte Haushaltshilfe. Für Singles kann häusliche Krankenpflege besonders wichtig sein. Wenn es Ihnen auf eine bestimmte Behandlungsmethode oder eine besondere Versorgungsform ankommt, müssen Sie prüfen, ob die Kasse sie auch an Ihrem Wohnort anbietet. Die Daten zu den bundesweit geöffneten Kassen finden Sie in unserem Finanztest-Kompass. Leistungen und Beitragssätze aller 156 Krankenkassen im Test liefert Finanztest 5/2006 oder online komplett + interaktiv.
  • Service. Sortieren Sie die Krankenkassen aus, die Ihnen zu wenig Geschäftsstellen haben und nicht den gewünschten Telefonservice bieten.
  • Preis. Wählen Sie aus den verbleibenden Kassen die mit dem günstigsten Beitragssatz. Am besten starten Sie bei den Kassen in der engeren Wahl jeweils einen Probeanruf. Dabei können Sie sich zum Beispiel nach Leistungen, die für sie wichtig sind, Geschäfts- und Telefonzeiten erkundigen. Wenn die Kasse nicht erreichbar ist oder schon zu einfachen Fragen keine befriedigende Antwort weiß, wird der Service womöglich auch sonst zu wünschen übrig lassen.
  • Kostenerstattungsprinzip. Als gesetzlich Versicherter sollten Sie sich nicht für das Kostenerstattungsprinzip entscheiden. Sie werden dann zwar wie ein Privatpatient auf Rechnung behandelt, müssen dafür aber einen erheblichen Teil der Behandlungskosten selbst tragen. Haben Sie sich darauf eingelassen, können Sie das frühestens nach Ablauf eines Jahres wieder ändern.
  • Beitragserstattung für freiwillig Versicherte. Bei einigen Kassen die Beitragserstattung nach Zeiträumen ohne Leistungen von der Wahl der Kostenerstattung abhängig. Auch davon rät Finanztest ab. Wenn doch Leistungen nötig sind, zahlen Sie wahrscheinlich sehr viel mehr, als Sie bei Leistungsfreiheit erstattet bekommen.
  • Bonusmodelle. Wenn Ihre Kasse ein Bonusprogramm für gesundheitsbewusstes Verhalten bietet, spricht nichts dagegen, daran teilzunehmen. Für Versicherte vieler AOKs (Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen) lohnt sich das Bonusprogramm finanziell nur, wenn sie als Versicherte und ihre mitversicherten Angehörigen nicht regelmäßig auf Medikamente angewiesen sind. Bei manchen Krankenkassen sind die gesammelten Punkte nur einmalig auf das Folgejahr übertragbar.

...zu Leistungen der Krankenkassen

Was Krankenkassen leisten müssen, was zusätzlich drin ist und wo die Grenzen sind, ist im Sozialgesetzbuch und in den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschuss geregelt. Versicherte müssen sich längst nicht jede Entscheidung gefallen lassen.

  • Widerspruch. Wenn Sie mit einer Entscheidung Ihrer Kasse nicht einverstanden sind, legen Sie Widerspruch ein. Die Kasse überprüft ihre Entscheidung dann.
  • Sozialgericht. Wenn das nicht hilft, bleibt der Weg zum Sozialgericht. Gerichtskosten werden nicht fällig. Klage zu erheben ist auch möglich, ohne einen Rechtsanwalt zu beauftragen.
  • Einzelheiten. Details zu Widerspruch und Klage gegen Kassenentscheidungen erklärt unser Special Gesetzliche Krankenversicherung: Widerspruch eeinlegen.
  • Beschwerde. Unter Umständen hilft Ihnen auch eine Beschwerde noch weiter. Für fast alle Ersatzkassen und viele größere Innungs- und Betriebskrankenkasse ist das Bundesversicherungsamt zuständig. Wegen aller anderen Kassen müssen Sie sich ans Sozialministerium des Landes wenden, in dem die Kasse ihren Sitz hat.
  • Kulanz. Will Ihre Kasse Behandlungen oder Hilfsmittel jenseits des Pflichtprogramms nicht bezahlen, erkundigen Sie sich beim Anbieter der Leistung, ob und welche anderen gesetzlichen Kassen dafür die Kosten erstatten. Wenn Sie eine andere Kasse nennen können, ist ihre Kasse vielleicht doch noch bereit, die Kosten ebenfalls zu übernehmen.

...zum Kassenwechsel

Grundsätzlich gilt: Versicherte können die Kasse stets wechseln, wenn sie bereits mindestens 18 Monate Mitglied sind. Nach einer Beitragssatzerhöhung haben sie unabhängig von der Dauer der bisherigen Mitgliedschaft ein Sonderkündigungsrecht.

  • Kündigung. Sie müssen schriftlich kündigen. Wenn Sie kurz vor Monatsende kündigen, sollten Sie das Schreiben entweder persönlich abgeben oder per Einschreiben mit Rückschein schicken. Die Kündigung wird zum Monatsende des übernächsten Monats wirksam. Beispiel: Die Kündigung erreicht Ihre Kasse am Freitag, 29. April. In diesem Fall können Sie zum 1. Juli Mitglied einer anderen Kasse werden. Wenn bis Monatsende noch genug Zeit ist, können Sie mit einfachem Brief kündigen und noch persönlich oder per Einschreiben mit Rückschein nachhaken, wenn die Kasse Ihnen nicht rechtzeitig vor dem Monatsende eine Kündigungsbestätigung schickt.
  • Verfahren. Innerhalb von 14 Tagen nach Eingang der Kündigung muss Ihnen die alte Kasse eine Kündigungsbestätigung ausstellen. Diese Bestätigung müssen Sie der neuen Kasse übermitteln. Der Wechsel ist vollzogen, wenn die neue Kasse rechtzeitig vor dem Beginn der Mitgliedschaft eine Bescheinigung ausstellt und Sie diese ebenfalls noch während der Mitgliedschaft bei der alten Kassen beim Arbeitgeber vorlegen. Im Beispiel ist der 30. Juni der letzte Tag bei der alten Kasse. Vom 1. Juli an wären Sie Mitglied in der neuen Kasse.
  • Sicherheit. Wenn der Wechsel scheitert, sind Sie nicht schutzlos. Sie bleiben automatisch Mitglied Ihrer ursprünglichen Krankenkasse. Wenn sie einen neuen Anlauf für einen Kassenwechsel starten wollen, müssen Sie allerdings auch erneut kündigen.
  • Beitragssatz. Bevor Sie den Aufnahmeantrag bei einer neuen Krankenkasse stellen, lassen Sie sich bestätigen, dass der gewünschte Beitragssatz zum Zeitpunkt Ihres Eintritts noch gilt.
  • Extras. Kommt es Ihnen auf eine bestimmte Extraleistung jenseits des gesetzlichen Pflichtprogramms an, lassen Sie sich vor dem Wechsel die Satzung der neuen Kasse zuschicken. Ist die gewünschte Leistung nur regional begrenzt im Angebot, prüfen Sie, ob sie an Ihrem Wohnort zu Verfügung steht. Eingeschränkt ist oft das Angebot an Erprobungsregelungen und neuen Versorgungsformen.

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